Ärzte Zeitung, 12.06.2014

Ärzteumfrage

Fast jeder zweite Jugendliche hat soziale Problemen

HAMBURG. Ärzte nehmen soziale Probleme von Kindern und Jugendlichen in erheblichem Maße wahr und sehen Handlungsbedarf. Am meisten versprechen sie sich von einer gezielten Arbeit mit den Familien (frühe Hilfen) und der Sozialarbeit.

Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie Ärzte im Gesundheitsmarkt, für die im Auftrag der Hamburger Stiftung Gesundheit niedergelassene und leitende Klinikärzte bundesweit befragt werden.

Von 667 antwortenden Ärzten unterschiedlicher Fachgruppen behandeln über 55 Prozent regelmäßig Minderjährige. Aus dieser Arztgruppe sehen rund 44 Prozent soziale Probleme mindestens in einem signifikanten Anteil bei ihren Patienten.

Neun Prozent sehen diese Probleme sogar bei mehr als der Hälfte ihrer Patienten. Die Studienautoren von der Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse sprechen von einem "deutlichen Alarmsignal".

Die Befragung bestätigt, dass Ärzte eine wichtige Rolle als Anlaufstelle für die Probleme von Kindern und Jugendlichen spielen, sich aber nicht in der Lage sehen, die sozialen Probleme allein zu lösen. Über 70 Prozent sehen Handlungsbedarf durch gezielte Arbeit mit den Familien und über die Hälfte durch Sozialarbeit.

Polizeiliche und strafrechtliche Arbeit oder gezielte ökonomische Anreize (etwa Geld für regelmäßigen Schulbesuch) halten weniger als 15 Prozent für angebracht. Rund 40 Prozent der Ärzte sprachen sich für stärkere Verpflichtungen der Kinder und Jugendlichen etwa durch Arbeitseinsätze aus, rund 27 Prozent für eine gezielte psychiatrische Behandlung. (di)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »