Ärzte Zeitung, 19.09.2014

Kommentar zur Schmerzmedizin

An der Schmerzgrenze

Von Anno Fricke

Das 1. Nationale Schmerzforum hat einen Nerv getroffen. Vertreter von Ärzten, aus der Wissenschaft, der Industrie und der Politik haben auf der von der Deutschen Schmerzgesellschaft ausgerichteten Veranstaltung gemeinsam die Mängel in der Versorgung mit Schmerztherapie offen als Problem benannt. Das setzt ein Zeichen.

Es geht um Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Und es geht darum, dass viele dieser Patienten Jahre warten müssen, bis endlich ein Arzt die Ursache ihrer Beschwerden aufdeckt.

Immerhin: Es zeichnet sich eine Strategie ab, die Versorgung zu verbessern. Kristallisationskern der angestrebten multidisziplinären, flächendeckenden und integrierten Schmerzversorgung sind die vom Ärztetag in Düsseldorf beschlossenen Handlungsebenen.

Das ist aber erst der Anfang der Reise. Aus dem Boden stampfen lässt sich eine breiter angelegte, auch die Psyche einbeziehende Schmerzversorgung, wie sie eine alternde Gesellschaft eigentlich benötigt, nicht.

Der Fortschritt erweist sich auch hier als Schnecke. Erst ab 2016 gehört das Fach Schmerz zum Pflichtkanon im Medizinstudium.

Eine Bedarfsplanung schmerztherapeutischer Angebote scheitert schlicht am Mangel an schmerztherapeutisch weitergebildeten Ärzten.

Lesen Sie dazu auch:
Schmerzmedizin: Die Ärzte fehlen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[20.09.2014, 21:12:04]
Dr. Boschidar Nikolow 
Anamnese - inkompetente Schmerzambulanzen - inkompetentes Ministerium und inkompetente Ärztekammern
Bin pensioniert, aber noch nicht blind - kenne mehr als viele Patienten, die sich mit heftigen Schmerzen "durchschlagen", alle Fachärzte - z. T. mehrfach - konsultieren (auch Univ. Klinik, Schmerzambulanzen) aufsuchen und letztendlich weiter mit ihren Schmerzen leben müssen.
Das Gesundheitssystem ist krank und wird immer kränker, weil unser System den Ärzten eine "ordendliche" Anamnese, die natürlich Zeit in Anspruch nimmt, nicht bezahlt und damit die wichtige Koordination der "besuchten" Fachärzte komplett fehlt. Der ursprüngliche "Hausarzt" wurde eliminiert/ weil ausgehungert ! Der Allgemeinmediziner muss wieder "neu erfunden", finanziell unterstützt und motiviert werden, um u. A. auch - wie früher einmal - die Rolle eines Koordinators des Patienten zu übernehmen. Dies gilt auch für Kliniken, wo die Patienten von Niemandem koordinierend betreut werden. Dazu müssen alle Befunde zu ihm und wie oben erwähnt, die Zeit für die vorangehende Anamnese und dann auch für die Zeit, die Befunde zu sondieren, honoriert werden, um eine mögliche Diagnose zu stellen. Die einzelnen FÄ sind dazu nicht mehr in der Lage, weil jeder nur mehr sein Gebiet sieht. So laufen die Schmerzpatienten sinnlos herum, verursachen unglaubliche Kosten und leiden weiter. In Österreich fehlen Schmerzambulanzen mit wirklich kompetenten Ärzten (Team mit Psychologen etc. ..), die auch eine wichtige koordinative Rolle übernehmen müssen, statt nur Opiate zu verschreiben. Der Begriff "Multimodale Therapie" ist in aller Munde, aber defacto fehlen die Voraussetzungen dafür, eine solche durchzuführen, weil u. A. Psychiater und Psychologen mit Kassen fehlen und nur Wenige können sich diese Therapien privat leisten etc. .... Buch kann ich hier leider keines schreiben.
MfG., Dr.B.Nik.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

„Das ist keine Propagandaschlacht der KBV“

Einiges im geplanten TSVG stößt Ärzten sauer auf. Im Interview erläutern die drei KBV-Vorstände, warum sie denken, dass sich Änderungen noch durchsetzen lassen. mehr »

Besseres Arbeitsklima könnte jeden zwölften Infarkt verhindern

Wer unter Mobbing oder Gewalt am Arbeitsplatz leidet, hat ein stark erhöhtes Risiko für Infarkte. Häufig betroffen: Sozialarbeiter, Lehrer – und Gesundheitsberufe. mehr »

TK senkt Zusatzbeitrag – Barmer nicht

Nach und nach geben die Kassen ihren Beitragssatz für 2019 bekannt – nun taten dies die Kassen-Schwergewichte TK und Barmer sowie zwei weitere AOKen. mehr »