Ärzte Zeitung online, 01.10.2014
 

Gendermedizin

Frauen sind häufiger arzneimittelabhängig

Frauen haben öfter mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen und sind auf Medikamente angewiesen als Männer. Dennoch werden sie älter.

BERLIN. Zwei Drittel aller von Arzneimitteln abhängigen Personen in Deutschland sind Frauen. Sie nehmen im Vergleich zu Männern 5,4-mal mehr Migränemittel, 1,9- bis 2,9-mal mehr Neuroleptika und Antidepressiva und 1,6-mal mehr Schlafmittel.

Zudem fühlen sich 14 Prozent der Frauen psychisch nicht wohl. Es werden zweifach so viele Depressionen bei Frauen diagnostiziert wie bei Männern. Darauf hat Professor Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), beim Frauengesundheitskongress von BZgA und Bundesgesundheitsministerium (BMG) hingewiesen.

Frauen suchten bei Beschwerden zwar grundsätzlich früher den Arzt auf. Allerdings zeige der häufigere Griff zum Arzneimittel, dass sie einen anderen, dezenteren Umgang mit Beschwerden haben, der auch Risiken berge, unterstrich Pott.

Frauen haben zudem mit Übergewicht zu kämpfen, allerdings nicht häufiger als Männer. Mehr als jede zweite Frau (53 Prozent) wiegt zu viel (Männer: 67,1 Prozent). Fettleibig sind 23,9 Prozent aller Frauen.

Damit liegt die Quote der übergewichtigen Frauen in Deutschland über dem europäischen Durchschnitt. Einem Bericht der Europäischen Kommission aus diesem Jahr zufolge ist europaweit nur jede fünfte Frau übergewichtig oder fettleibig, 15 Prozent sind untergewichtig.

Weniger Frauen als Männer trinken Alkohol in riskantem Ausmaß

Beim Rauchen decken sich die deutschen Zahlen mit den europäischen: Knapp 27 Prozent aller Frauen hierzulande rauchen, europaweit sind es 28 Prozent.

Ein Viertel der Frauen in Deutschland trinkt Alkohol in riskantem Ausmaß, das sind deutlich weniger als Männer (41,6 Prozent). Männer neigen zudem eher in jüngeren Jahren zur Sucht, Frauen in fortgeschrittenem Alter, ergänzte Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin im BMG.

Mehr als die Hälfte (57 Prozent) aller Todesfälle bei Frauen in Deutschland geht auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück, bei Männern sind es lediglich 43 Prozent. Europaweit sterben 43 Prozent der Frauen daran, weitere 26 Prozent an Krebs.

Ein Grund für das hohe Vorkommen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die fehlende körperliche Aktivität: Beinahe 85 Prozent der Frauen in Deutschland sind weniger als 2,5 Stunden pro Woche sportlich aktiv (Männer: 74,6 Prozent).

Dennoch leben Frauen länger als Männer. Sie werden inzwischen 82,7 Jahre alt (Männer: 77,7), Tendenz stark steigend. "Frauen sind gesundheitsbewusster und wahrscheinlich genetisch belastbarer", sagte BZgA-Direktorin Pott dazu.

Insgesamt sind in Deutschland etwas mehr als die Hälfte (41,1 Millionen) Frauen. (mam)

[02.10.2014, 11:41:10]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Frauen sind biologisch "geschützt" durch Östrogene.
Dummerweise IGNORIEREN die "Gender-Trendsetter" ausgerechnet diesen Vorteil und wollen möglichst "männlich" sein. Natürlich ist ein solcher "Trend" nicht nützlich sondern schädlich für eine Gesellschaft, Kooperation ist auch in der Natur erfolgreicher als Konfrontation.
In der Natur allgemein dominiert die Verschiedenheit vor der "Gleichheit" man soll deshalb nicht alles "Unterschiedliche" (moralisch) werten, sondern wertfrei tolerieren.
Dass (Privat-)Versicherungen ökonomisch kalkulieren, kann man ihnen nicht ernsthaft vorwerfen.
Wer in einem Kollektiv eine Leistung häufiger in Anspruch nimmt, muss einen höheren Preis dafür zahlen.
Nicht alles lässt sich mit Geld beziffern. Das gilt insbes. für ein "erfolgreiches" Leben.
Rein logisch müsste der Blickwinkel Gesundheitsvorsorge etc. stärker auf Männer fokussiert werden, weil sie zu früh sterben :-)
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[01.10.2014, 14:40:29]
Carsten Windt 
Alter Wein in neuen Schläuchen
Frauen und Männer sind gleich. Jedenfalls war das die Begründung für die zwangsweise Einführung der Unisex-Versicherung. Jetzt können die Gruppen nicht einfach behaupten, dass Frauen "anders ticken". Frauen haben Unisex gefordert jetzt sollen sie gefälligst damit leben.

Aber im ernst. Ist die Erkenntnis, dass Frauen und Männer sich anders verhalten und anders mit Erkrankungen umgehen so neu? In der Krankenversicherung hatte man unterschiedliche Prämien genommen, weil eben Männer und Frauen nicht gleich sind. Dabei ging es nicht um das gerne ins Feld geführte Schwangerschaftsrisiko (welches bereits vor Einführung von Unisex auf Männer und Frauen verteilt wurde), was man statistisch bei 1,4 Kindern pro Frau eh vernachlässigen kann.

Es geht um den Umgang mit der Gesundheit und den Kosten die daraus entstehen.

Für mich spannend ist aber das Ergebnis des Kongresses. Soll jetzt für Frauen mehr Geld als für Männer bereitgestellt werden? Dann ist es an der Zeit den Unisex-Blödsinn wieder abzuschaffen und nicht mehr ungleiches gleich zu behandeln
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