Ärzte Zeitung, 13.07.2016

Versorgungsplanung

Viele Fragezeichen

Niedergelassene und Kliniken müssen dringend enger zusammenarbeiten: Das war die Kernbotschaft bei einem Klinikforum im bayerischen Neubiberg.

NEUBIBERG. Für die medizinische Versorgung der Bevölkerung sind Krankenhäuser "eine der wichtigsten Korsettstangen", sagt der CSU-Landtagsabgeordnete im Bayerischen Landtag und stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Bernhard Seidenath.

"Die Krankenhäuser sind das Rückgrat der Gesundheitsversorgung und haben die Aufgabe einiges abzupuffern", erklärte Seidenath beim 25. Neubiberger Krankenhausforum. Zugleich sollten aber der ambulante Bereich und die Zusammenarbeit von Praxen und Krankenhäusern nachhaltig gestärkt werden. Bereitschaftspraxen auf dem Gelände des Krankenhauses, die es in einigen Regionen Bayerns bereits gibt, seien der richtige Weg.

Der stationäre Sektor in Bayern befindet sich nach Darstellung von Herwig Heide, Leiter der Krankenhausabteilung im Bayerischen Gesundheitsministerium, seit Jahren im Umbruch. Im somatischen Bereich ist die Zahl der Krankenhausbetten in den vergangenen zehn Jahren stark rückläufig, wohingegen im psychiatrischen und psychosomatischen Bereich große Zuwächse zu verzeichnen sind, berichtete Heide.

Zu den Ursachen dieser Entwicklung gehören unter anderem die Ambulantisierung der Medizin sowie die Zunahme ambulanter Operationen und vorstationärer Behandlungen, erläuterte Heide. Andererseits werde die Demografie aber auch zu einem Anstieg der Fallzahlen im Krankenhaus führen. Außerdem schwäche sich der Rückgang der Verweildauer allmählich ab und führe über kurz oder lang zu einem zusätzlichen Bettenbedarf.

In den kommenden Jahren werde die Krankenhauslandschaft weiter unter Druck stehen, so die Prognose von Heide. Der Trend gehe in Richtung Konzentration und Spezialisierung, was sowohl mit einem Aufbau wie auch mit einem Abbau von Kapazitäten einhergehe. Die Abstimmung von Versorgungsangeboten werde daher eine besondere Herausforderung sein.

Das Ergebnis dieser Entwicklung, so Heide: Per Saldo wird es eher mehr Krankenhausstandorte und Betten geben. Um so wichtiger sei deshalb eine sektorenübergreifende Betrachtung des Versorgungsgeschehens, so der Ministerialbeamte.

Die Ansprüche der Bürger auf eine wohnortnahe, hochwertige und spezialisierte Versorgung sowie eine Notfallversorgung rund um die Uhr kollidiere mit den teilweise geringen Auslastungsquoten von Krankenhäusern in strukturschwachen Regionen, erklärte Ressortdirektor Peter Krase von der AOK Bayern.

Aus Sicht der Krankenkassen in Bayern gebe es dafür bisher keine pauschalen Antworten. "Um zu Lösungen zu kommen, müssen wir uns jede Region einzelnen anschauen", betonte Krase. (sto)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alltags-Chemikalien schaden dem Sperma

In einer Studie an Spermien haben Forscher schädliche Effekte von Alltagschemikalien festgestellt. Problematisch: Die Einzelstoffe potenzieren ihre Wirkung gegenseitig. mehr »

Nervenärzte schlagen Alarm

Der Spitzenverband ZNS ist besorgt: Die Versorgung von Demenz-, Parkinson- und Schlaganfallpatienten gerate in Gefahr, warnen die Nervenärzte. mehr »

Das läuft falsch bei der Diabetes-Vorsorge

Viele Versuche, Diabetes und Adipositas vorzubeugen, sind zum Scheitern verurteilt: Gesundheitstage an Schulen und eine Zuckersteuer gehören dazu. Diabetes-Experte Prof. Stephan Martin würde die Ressourcen anders verteilen. mehr »