Ärzte Zeitung, 06.09.2016

Krebsregister

Start in Berlin und Brandenburg

Der GKV-Spitzenverband hat Verzögerungen bei den Landeskrebsregistern prognostiziert. Doch in Berlin und Brandenburg arbeitet das gemeinsame Krebsregister seit zwei Monaten. Die Gesundheitsminister beider Länder sehen sich voll im Plan und nennen das Kassen-Gutachten unhaltbar.

Start in Berlin und Brandenburg

Darstellung einer eingescannten Probe eines Stücks Gewebe aus dem Dickdarm: Das Krebsregister in Berlin und Brandenburg startet.

© von Jutrczenka / dpa

VON ANGELA MISSLBECK

BERLIN/POTSDAM. Das gemeinsame Krebsregister der Länder Brandenburg und Berlin nimmt Fahrt auf. Mit einem Festakt wurde Ende vergangener Woche der offizielle Startschuss zur Umsetzung des Krebsregistergesetzes in Berlin gegeben.

Zugleich setzten die Initiatoren und Vertreter der Gesundheitsressorts beider Länder damit ein deutliches Zeichen gegen das kürzlich veröffentlichte Prognos-Gutachten des GKV-Spitzenverbands, wonach die rechtzeitige Umsetzung in vielen Ländern, darunter auch Berlin, gefährdet sei. "Das trifft für beide Bundesländer nicht zu", so Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). "Das gemeinsame Register arbeitet bereits seit zwei Monaten erfolgreich. Wir freuen uns über eine hohe Meldebereitschaft und großes Interesse der Berliner Ärztinnen und Ärzte", so Golze weiter.

Erfahrungen können helfen

Ihr Ministerium verweist darauf, dass die flächendeckende klinische Krebsregistrierung in Brandenburg bereits seit 1995 umgesetzt ist. Die Erfahrungen, die dort gesammelt wurden, kämen dem Neuaufbau in Berlin zu Gute. Nachdem jetzt auch die neue Berliner Registerstelle in Betrieb genommen werde, sei die Struktur des neuen gemeinsamen Krebsregisters komplett.

Auch Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) zeigte sich mit dem Stand der Dinge zufrieden: "Wir befinden uns - anders als das kürzlich vom GKV-Spitzenverband vorgelegte Prognos-Gutachten sagte - vollkommen im Plan", so Czaja. Die Aussagen im Gutachten seien nicht haltbar. "Finanzierungsvereinbarungen sind sowohl mit den gesetzlichen als auch den privaten Krankenkassen abgeschlossen. Es wird auch für Berlin seit dem 1. Juli bereits registriert", so der CDU-Politiker.

Irritation bei Krankenkassen

Selbst Vertreter der Krankenkassen in Berlin und Brandenburg zeigen sich irritiert über das Gutachten. "Die Fehlinterpretation der Gutachter sollte das Engagement der am Register Mitwirkenden nicht beeinträchtigen, sondern im Fortgang einmal mehr motivieren", sagte Barmer-Regionalchefin Gabriele Leyh der "Ärzte Zeitung". Der Staatsvertrag enthalte alle Regelungen für die Finanzierung durch die Kassen, und die Datenschutzregelungen entsprächen höchsten Sicherheitsstandards. Leyh vertritt die Auffassung, dass "der hiesige Staatsvertrag als Blaupause für andere Länder" dienen könnte.

"Die juristischen Grundlagen für das Klinische Krebsregister Brandenburg Berlin sind gelegt", so der Präsident der Brandenburgischen Ärztekammer Dr. Udo Wolter bei der Auftaktveranstaltung. Er rief die meldenden Ärzte in Brandenburg und in Berlin zur regen Mitarbeit auf.

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