Ärzte Zeitung online, 17.03.2017
 

Multimorbide Patienten

Gute Noten für Hausärzte

Alte Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen sind sehr zufrieden mit der Versorgung durch ihre Hausärzte. Besonders gut beurteilt werden jüngere und weibliche Ärzte.

Von Beate Schumacher

Gute Noten für Hausärzte

Zufrieden mit der Versorgung durch Hausärzte: alte, multiborbide Patienten.

© Scott Griessel / photos.com

DÜSSELDORF. Wie multimorbide Patienten die hausärztliche Versorgung in Deutschland bewerten, haben Mediziner um Achim Mortsiefer von der Universität Düsseldorf untersucht. An ihrer Studie waren 55 Hausärzte aus den Regionen Hamburg, Rostock und Düsseldorf beteiligt (Fam Pract 2017; online 21. Februar). 651 von 1358 zufällig ausgewählten, multimorbiden Patienten im Alter zwischen 65 und 84 Jahren nahmen an der Umfrage teil.

Fragebogen EUROPEP

Die Arztzufriedenheit wurde mit dem validierten Fragebogen EUROPEP erhoben.

Der Fragebogen beinhaltet 17 Items zu Arzt-Patienten-Kommunikation und medizinisch-technischer Versorgung und sechs Items zur Praxisorganisation.

Jedes Item wird mit einer fünfstufigen Likert-Skala bewertet, wobei 1 für "schlecht" und 5 für "exzellent" steht.

Die Arztzufriedenheit wurde mit dem validierten Fragebogen EUROPEP erhoben, der 17 Items zu Arzt-Patienten-Kommunikation und medizinisch-technischer Versorgung (Dimension 1) und sechs Items zur Praxisorganisation (Dimension 2) beinhaltet. Jedes Item wird mit einer fünfstufigen Likert-Skala bewertet, wobei 1 für "schlecht" und 5 für "exzellent" steht. Die Patienten, zu 55 Prozent Frauen, waren im Mittel 73 Jahre alt, litten an zehn chronischen Krankheiten und nahmen täglich sieben Medikamente.

In Dimension 1 – die die ärztliche Leistung abbildet – erreichte der mittlere Likert-Skalen-Wert für ein einzelnes Item im schlechtesten Fall 4,17 ("Hat der Arzt Ihre Beschwerden schnell gelindert?") und im besten Fall 4,72 ("Behandelt er Ihre Unterlagen und Daten vertraulich?"). Bei allen 17 Fragen vergaben mindestens 83,7 Prozent der Patienten 4 ("ziemlich gut") oder 5 Punkte, 49,9 Prozent wählten die Bestnote. Überdurchschnittlich viele "Exzellent"-Bewertungen gab es bei den Aspekten vertrauliche Behandlung von Unterlagen, Zuhören und Angebot von Präventionsmaßnahmen. Unter dem Schnitt lag ihr Anteil dagegen bei den Fragen "Hat der Arzt Ihre Beschwerden schnell gelindert?" und "Hat er Ihnen geholfen, dass Sie sich gut genug fühlten, Ihren normalen täglichen Aktivitäten wieder nachgehen zu können?".

Bei der Praxisorganisation bewegten sich die mittleren Werte auf der Likert-Skala zwischen 3,92 für die Wartezeit und 4,61 für die Hilfsbereitschaft des Praxispersonals. Bei allen Items erteilten mindestens 72,9 Prozent der Patienten die beiden Topbewertungen.

Die Beurteilungen der Patienten zeigten keinen Zusammenhang mit ihrem Alter, Geschlecht oder Grad der Multimorbidität. Ein höherer Bildungsgrad war bei vier und ein höherer Wert in der geriatrischen Depressionsskala bei drei der 23 Items mit einer geringeren Zufriedenheit verbunden.

Eine deutliche Assoziation bestand dagegen zwischen Patientenurteil und Alter und Geschlecht der Hausärzte: 14 der 17 Items zur ärztlichen Leistung wurden mit steigendem Alter schlechter beurteilt. Ärztinnen schnitten bei elf Items besser ab als ihre männlichen Kollegen.

Ähnlich gute Umfrageergebnisse wurden laut Mortsiefer und Kollegen in anderen europäischen Befragungen erreicht. Dabei sei jedoch zu berücksichtigen, dass Patienten, die sich zur Teilnahme an einer Umfrage bereit erklärten, bereits eine Vorauswahl von besonders kooperativen Patienten darstellten. Die Studienautoren geben außerdem zu bedenken, dass eine hohe Zufriedenheit mit der ärztlichen Versorgung nicht zwingend eine hohe Versorgungsqualität anzeigt. So hätten in qualitativen Studien multimorbide Patienten unter anderem beklagt, dass ihr Arzt ihnen nicht aufmerksam zuhöre oder sie widersprüchliche Empfehlungen erhielten. In einer eigenen Studie haben die Autoren außerdem Diskrepanzen in den Prioritäten alter multimorbider Patienten und ihrer Ärzte festgestellt. Sie fordern daher, den speziellen Bedürfnissen und Wahrnehmungen dieser Patienten mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

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