Ärzte Zeitung, 08.05.2017

Interview

"Das Projekt kann Blaupause für andere Regionen sein"

Landesgesundheitsminister Manfred Lucha hofft, dass das Modellprojekt zur sektorenübergreifenden Versorgungsplanung im ganzen Land Schule macht.

Von Florian Staeck

Ärzte Zeitung: Welche Ziele verfolgt die Landesregierung mit dem Modellprojekt?

Manfred Lucha: Unser Gesundheitssystem steht vor zahlreichen Herausforderungen, ich nenne beispielhaft die Folgen des demografischen Wandels und die Zunahme chronischer Erkrankungen. Die sektorenübergreifende Versorgung ist eine Möglichkeit, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Manfred Lucha

- Minister für Soziales und Integration in Baden- Württemberg

Mit unserem Modellprojekt entwickeln wir in Baden-Württemberg ein Konzept sowie Handlungsempfehlungen für eine sektoren- und kreisübergreifende Versorgung im Land. Unser Ziel ist eine möglichst nahtlose, bedarfsgerechte sowie wirtschaftliche Versorgung, die sich am Patienten und seinen Lebenswelten orientiert und die verstärkt kommunal und regional mitgestaltet wird.

Ich denke, dass das Projekt künftig auch als Blaupause für andere Regionen in Deutschland dienen kann, wie sie ihr Gesundheitswesen sektorenübergreifend weiterentwickeln können.

Welche Schwächen hat die bisherige sektorenbezogenen Bedarfsplanung?

Eine wesentliche Schwäche ist, dass ambulante Bedarfsplanung und stationäre Krankenhausplanung getrennt voneinander ablaufen. Das ist eine der zentralen Ursachen für die Trennung der Sektoren und die daraus resultierenden Probleme an den Schnittstellen, also vor allem beim Übergang zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor. Diese Probleme werden noch verstärkt durch die unterschiedlichen Vergütungssysteme. Es fehlt eine vorausschauende, sektorenübergreifende Planung der Versorgungsstrukturen, die Qualität und Bedarf berücksichtigt.

Inwieweit werden auch andere Regionen in Baden-Württemberg von den Erkenntnissen des Modellprojekts profitieren können?

Durch das Modellprojekt werden Daten zur sektorenübergreifenden Versorgung sowohl auf Landesebene als auch für die Land- und Stadtkreise in Baden-Württemberg erhoben und analysiert. Dadurch entsteht eine breite Datenbasis und ein umfassendes Bild über die Versorgung in den baden-württembergischen Regionen. Andere Regionen können sich vom Modellprojekt zum einen abgucken, wie man vorgeht, wenn man die Versorgungsstrukturen weiterentwickeln möchte, zum anderen profitieren sie von den erarbeiteten Handlungsempfehlungen. Die Ergebnisse des Modellprojekts sollen in die Eckpunkte für die künftige Versorgungsstruktur in Baden-Württemberg einfließen.

Plant die Landesregierung, nach Abschluss des Projekts die Ergebnisse in Gremien auf Bundesebene einzubringen?

Die Ergebnisse werden uns voraussichtlich im vierten Quartal 2017 vorliegen. Es ist geplant, diese in die entsprechenden Gremien des Landes einzubringen, also etwa in die Landesgesundheitskonferenz, den sektorenübergreifenden Landesausschuss und in den Landeskrankenhausausschuss. Wo es sinnvoll ist, werden wie die Ergebnisse selbstverständlich auch auf Bundesebene einspeisen. Das könnte etwa über eine Bundesratsinitiative oder bei der Bedarfsplanung im Gemeinsamen Bundesausschuss der Fall sein.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »