Ärzte Zeitung online, 10.11.2017

OECD-Studie

Viele Betten, wenige Pfleger

Ein Vergleich von Gesundheitssystemen in Industriestaaten zeigt für Deutschland Licht und Schatten.

Von Florian Staeck

Viele Betten, wenige Pfleger

Auch bei der Zahl der Krankenhausbetten liegt Deutschland trotz des Abbaus der vergangenen Jahre noch um 70 Prozent über dem Durchschnitt anderer Industrieländer.

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PARIS/BERLIN. Das Gesundheitswesen in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Industriestaaten sehr gut zugänglich und produziert hohe Ausgaben bei "gemischten Ergebnissen" in der Qualität der Versorgung. Das berichtet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer neuen Studie "Gesundheit auf einen Blick", die am Freitag vorgestellt wurde. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt mit 80,7 Jahren fast genau im OECD-Mittel. In Spanien und in der Schweiz dagegen leben die Menschen im Schnitt 83 Jahre.

Positiv sticht heraus: Die Wartezeiten und die Eigenleistungen der Patienten seien im internationalen Vergleich gering, ihre Wahlmöglichkeiten hingegen hoch. Allerdings wendet Deutschland deutlich mehr Geld für Gesundheit auf als im OECD-Vergleich. Hierzulande sind es 11,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (OECD-Schnitt: neun Prozent).

Die Fallzahlen im Krankenhaus (gemessen je 100.000 Einwohner) liegen dem Bericht zu Folge um 60 Prozent über dem OECD-Schnitt, nur Österreich weist noch höhere Werte auf. Auch bei den Krankenhausbetten liegt Deutschland trotz des Abbaus der vergangenen Jahre noch um 70 Prozent über dem Durchschnitt anderer Industrieländer.

Mehrere Indikatoren legen eine Über- oder Fehlversorgung nahe: Die Zahl der Koronarangioplastien sei "viel höher" als in den anderen untersuchten Ländern und könne nicht mit einer höheren Inzidenz ischämischer Ereignisse erklärt werden. Auch die Werte für Knie- und Hüft-Totalendoprothesen lägen 80 und 60 Prozent über den OECD-Vergleichszahlen. Bei Diabetes-Patienten weist der Bericht für Deutschland eine hohe Rate an Hospitalisierungen aus, die überwiegend vermeidbar gewesen wären.

Ganz anders in der Pflege: Obwohl der Altersschnitt der Bevölkerung höher als in fast allen anderen Industriestaaten ist, arbeiten in der Altenpflege nur fünf Fachkräfte je 100 Menschen, die über 65 Jahre alt sind. In Schweden sind es dagegen zwölf, in der Schweiz neun Altenpfleger.

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