Ärzte Zeitung online, 23.01.2018

Kritik der Ärztekammer

Bertelsmann-Studie verärgert Bremer Krankenhäuser

Bei einer Studie zur Zufriedenheit von Klinikpatienten, hat Bremen besonders schlecht abgeschnitten. Jetzt kritisiert die Kammerchefin die Untersuchung.

BREMEN. Die Krankenhäuser in Bremen sind bei der jüngsten Bertelsmann-Studie über die Zufriedenheit der Klinikpatienten bundesweit am schlechtesten weggekommen. Nun kritisiert die Ärztekammer die Studie.

"Entgegen ihrer eigenen Einschätzung ist die Studie nicht tauglich für einen bundesweiten Krankenhausvergleich", sagt Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen. Patienteneinschätzungen richten sich laut Gitter auf die Bewertung bestimmter Abteilungen in einzelnen Häusern. "Eine vergleichende Aussage über ganz Deutschland kann daher daraus nicht abgeleitet werden", so die Ärztekammer.

Zudem spielten auch regionale Gewohnheiten eine Rolle. So bewerten etwa britische Patienten ihr Gesundheitssystem immer noch verhältnismäßig gut, obwohl die objektiven Daten etwa zu Wartezeiten für deutsche Patienten ungewöhnlich wären und hier zu deutlich mehr Unzufriedenheit führen würden. Ebenso bekämen etwa Belegabteilungen, die einen hohen Anteil von Patienten mit geplanten Krankenhausaufenthalten und wenig dringliche Fälle haben, regelmäßig höhere Bewertungen als Akutkrankenhäuser.

Kammerchefin Gitter: "Der Patient kann sich hier auf den Aufenthalt vorbereiten und kennt schon die ihn versorgenden Ärzte. Das wirkt sich auf seine Erwartung und Bewertung aus, sagt aber nicht zwingend etwas über die Qualität im Vergleich aus."

Es sei "durchaus richtig", dass Notfallpatienten andere Erwartungen an das Krankenhaus haben als Patienten einer Belegabteilung", räumt der Leiter der Studie bei der Bertelsmann-Stiftung, Jan Böcken, ein, "auch eine kleine chirurgische Spezialklinik ist natürlich etwas anderes als die chirurgische Abteilung einer Uni-Klinik. Es sollte aber erlaubt sein, Fragen zu stellen", sagte Böcken der "Ärzte Zeitung".

Und warum sollte man Regionen nicht vergleichen dürfen, fragt Böcken. Man vergleiche ja nicht englische mit deutschen Regionen, sondern zum Beispiel Bundesländer. Selbst auf Kreisebene fänden sich gravierende Unterschiede. "Dass man Regionen nicht vergleichen dürfe, ist nicht nachzuvollziehen."

Nur 75 Prozent aller befragten Bremer Patienten würden nach der standardisierten Weiterempfehlungsrate das Bremer Krankenhaus, in dem sie versorgt wurden, weiterempfehlen, ergab die Bertelsmannstudie. Spitzenreiter ist Sachsen mit einem Wert von über 82 Prozent der stationären Patienten, die ihr Krankenhaus weiterempfehlen würden. Bayern, Thüringen und Baden Württemberg haben mit einem Wert von 80 bis 82 Prozent (wir berichteten).

Einige Unterschiede ließen sich durch die Argumentation der Bremer Ärztekammer erklären, "die meisten aber nicht", sagt Studienleiter Jan Böcken. "Darüber müssen wir reden", fordert er. (cben)

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