Ärzte Zeitung online, 12.06.2018

Monitor Patientenberatung

Kritik an der Kommunikation von Kassen und medizinischer Beratung

Kommunikationsdefizite und Schwierigkeiten beim Zugang zur richtigen Therapie inklusive Terminvergabe in Praxen – das sind zwei wesentliche Kritikpunkte, die aus dem "Monitor Patientenberatung 2017" hervorgehen.

Kritik an der Kommunikation von Kassen und medizinischer Beratung

Schwierige Kommunikation: Mit Sorge beobachte die Patientenberatung, zum Beispiel Defizit in der Kommunikation der Kostenträger.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

BERLIN. Mit dem "Monitor Patientenberatung" , der auf der Auswertung der Dokumentation von rund 155.000 Beratungen beruht, hat sich die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) zum Ziel gesetzt, aufzuzeigen, welche Probleme und Herausforderungen Patientinnen und Patienten in Deutschland immer wieder zu bewältigen haben. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz haben heute nun der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Ralf Brauksiepe und der Geschäftsführer der UPD, Thorben Krumwiede, den aktuellen Monitor 2017 vorgestellt.

Thorben Krumwiede benannte in einer Pressemitteilung vor allem zwei große Leitthemen, die im Monitor immer wieder aufscheinen: Kommunikationsdefizite im Umgang mit Patienten und Versicherten – und eine vielfach beschriebene Hürde der Ratsuchenden, Ansprüche und Rechte im Alltag wirksam durchsetzen zu können.

Mit Sorge beobachte die Patientenberatung, Defizit in der Kommunikation der Kostenträger. So würden für Patienten insbesondere Zwischeninformationen oft wie echte Entscheidungen wirken. Sie fühlten sich von den Kassen dazu gedrängt, die ihnen zustehenden Rechte einer Überprüfung ihrer Ansprüche auf dem Verwaltungsweg nicht auszuschöpfen. Zugleich würden ihnen häufig Lösungen angeboten, die für die Kassen günstiger sind, kritisiert Krumwiede.

Hoher Beratungsbedarf zum Krankentagegeld

Der Auswertung der Beratungsdokumentation zufolge nehmen in der gesundheitsrechtlichen Beratung Fragen zum Krankengeld 2017 eine besonders starke Rolle ein: Die Zahl der Beratungen kletterte von 10.193 Beratungen im Vorjahr auf 14.334 Beratungen. Problematisch seien hier vor allem existenzbedrohende Konsequenzen durch den Verlust des Anspruchs auf Krankengeld aufgrund formaler Lücken in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – unabhängig vom objektiven Gesundheitszustand der Versicherten.

Wie im Vorjahr beklagten viele Ratsuchende zudem, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Begutachtungen ihres Gesundheitszustandes nach Aktenlage vornehme, heißt es weiter von der UPD. Auch der Verdacht auf Behandlungsfehler (5.851 Beratungen) führe regelmäßig Ratsuchende zur Patientenberatung.

Mangel an qualitativen Infos und Terminen

In der medizinischen Beratung kritisiert der UPD, dass es offenbar oft an qualitativen Informationen fehle, die den Menschen helfen, die für sie passenden Angebote zu finden. Zudem berichten Ratsuchende von Schwierigkeiten, überhaupt einen Behandlungstermin zu erhalten. In der Arzneimitteltherapie herrschen nach wie vor große Unklarheiten über Zuständigkeiten. All dies trage mit dazu bei, dass Patienten beim Zugang zum Gesundheitswesen scheiterten.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung bezeichnete die geschilderten Problemlagen als Anstoß für konkrete Verbesserungen. Er verwies dabei auf die schon jetzt bestehenden Aufklärungs- und Informationspflichten und auch auf die Anstrengungen der Politik, etwa mit der Ausweitung der Sprechstunden in den Arztpraxen und einer Verbesserung der Arbeit der Terminservicestellen schon beim Zugang zum Gesundheitssystem anzusetzen. (run)

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