Ärzte Zeitung online, 19.08.2019

Rettungsdienst

Innovationsprojekt QS-Notfall für die Regelversorgung?

EKG direkt aus dem Rettungswagen: Die Beteiligten des Innovationsfonds-Projekts QS-Notfall in Berlin und Brandenburg sind nach zweieinhalb Jahren überzeugt, dass Herzinfarktpatienten besser versorgt werden.

Von Angela Mißlbeck

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Im QS-Notfall-Projekt werden EKG digital vom Rettungsdienst an Notfallkliniken übertragen.

© DocBlue / stock.adobe.com

BERLIN / HENNIGSDORF. Auf eine schnellere Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin und Brandenburg zielt das Innovationsfondsprojekt QS Notfall. Mehr als 2300 EKGs sind in diesem Rahmen bereits digital vom Rettungsdienst an Notfallkliniken übertragen worden. Zweieinhalb Jahre nach dem Start im März 2017 zeigen sich die Beteiligten überzeugt, dass das Projekt erfolgreich ist.

Bei QS Notfall erhalten Rettungskräfte eine Schulung in der Herzinfarktdiagnostik. Die Schulung bietet die Ärztekammer Berlin seit Dezember 2017 als Onlinefortbildung an. Rund 2000 Rettungsdienstmitarbeiter, darunter 556 Notärzte, haben sie nach Angaben des Berlin-Brandenburger Herzinfarktregisters (B2HIR) seitdem erfolgreich mit Testaten abgeschlossen. Die Fortbildung hat sich etabliert: „Die Rettungsdienste fordern das inzwischen ein“, berichtet Projektleiterin Dr. Birga Maier vom B2HIR.

Zeiten der Leitlinie einhalten

Weiterer Projektbestandteil ist die Online-Übertragung von EKG-Daten aus einem speziell ausgestatteten mobilen Defibrillator des Notfallteams an das nächstgelegene Notfallkrankenhaus. Die Idee dahinter: „Wenn das Rettungsteam die Diagnose schneller stellt und das EKG gleich überträgt, ist das spezialisierte Katheterteam im günstigsten Fall zeitgleich mit dem Patienten in der Klinik und kann gleich behandeln“, so Maier.

Damit zielt QS-Notfall darauf ab, dass die in den Leitlinien vorgesehene Zeit von maximal 90 Minuten bis zur Behandlung eines St-Streckenhebungsinfarktes eingehalten wird. „Dieses ambitionierte Ziel erreichen wir nur, wenn alle Rädchen im Ablauf perfekt und schnell ineinandergreifen“, so Maier weiter. An dem Projekt nehmen 22 Berliner Kliniken und die Kliniken Nauen und Hennigsdorf aus Brandenburg sowie die Rettungsdienste aus Berlin, Havelland und Oberhavel teil.

Weitere Kliniken beigetreten

Für die Evaluation waren sie in eine Vorstudie zur Erhebung der Ist-Situation vor Projekteinführung eingeschlossen. „Diese Studie hat belegt, dass Patienten schneller versorgt werden, wenn der Rettungsdienst die Diagnose rechtzeitig stellt und übermittelt“, so Maier. Inzwischen sind weitere Kliniken in Berlin und Brandenburg dem B2HIR beigetreten.

Nach Angaben von PD Dr. Martin Stockburger, Vorsitzender des B2HIR und Kardiologischer Chefarzt an der Klinik Nauen hat sich die Krankenhaussterblichkeit am Infarkt im Register seit 1999 von 14 auf sieben Prozent halbiert. Brandenburgs Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) sieht dennoch gerade in ihrem Bundesland Handlungsbedarf.

Zwar sei die Sterblichkeit bei Herzinfarkten, die in einer Klinik ankommen, vergleichbar mit anderen Bundesländern. Aber die Gesamtzahl der Herzinfarkt-Toten sei mit am höchsten in der Bundesrepublik. „Wir müssen alles unternehmen, um bei einem Infarkt die Behandlungszeiten so kurz wie möglich zu halten“, so Karawanskij. Sie hofft, dass das Innovationsfondsprojekt vom GBA in die Regelversorgung überführt und zum landesweiten Standard wird.

Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zeigte sich erfreut, dass schon jetzt alle 22 Berliner Kliniken, die rund um die Uhr Herzinfarkte behandeln, an dem Innovationsprojekt mitwirken. „Das Projekt ,QS-Notfall‘ ist ein sehr gelungenes Beispiel, wie Fortschritt durch Digitalisierung den Menschen zu Gute kommt“, meint Kalayci. Digitalisierung sei der Schlüssel für ein noch besseres Gesundheitswesen.

Das Projekt wird aus dem Innovationsfonds im Rahmen der ersten Förderwelle mit 1,5 Millionen Euro finanziert. Ergebnisse sollen nach Projektende im Jahr 2020 vorliegen.

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