Ärzte Zeitung online, 03.09.2019

Bayern

Grünes Licht für Landarztquote

Bayern setzt neue Reize bei der Vergabe der Medizinstudienplätze: Pro Semester sollen künftig rund 90 Plätze über eine Landarztquote vergeben werden.

169a0403_8495208-A.jpg

Ein Arzt im Kornfeld: 5,8 Prozent aller Medizinstudienplätze in Bayern sollen für Studienanwärter reserviert werden, die sich verpflichten, später als Hausarzt im ländlichen Raum zu arbeiten.

© Ulrich Baumgarten / picture alliance

MÜNCHEN. Um mehr Ärzte aufs Land zu locken, setzt nun auch Bayern auf Anreize bei der Studienplatzvergabe: Am Dienstag hat das Landeskabinett die Landarztquote beschlossen.

Nach dem Willen des Kabinetts sollen ab dem Wintersemester 2020/21 pro Semester bis zu 5,8 Prozent aller Medizinstudienplätze für Studienanwärter reserviert werden, die sich verpflichten, später als Hausarzt im ländlichen Raum tätig zu werden.

Abiturnote nicht entscheidend

Dabei sei die Abiturnote nicht entscheidend, heißt es in einer Mitteilung der Bayerischen Staatskanzlei. Es erhielten auch diejenigen Bewerber eine Chance, „die fachlich sowie praktisch bereits in einem Gesundheitsberuf qualifiziert“ seien und sich gleichzeitig für die Tätigkeit auf dem Land interessierten.

Die Landesregierung schätzt, dass pro Semester rund 90 Studienplätze über die Quote vergeben werden. Den Bedarf, anhand dessen sich die Quote bemisst, muss die KV Bayerns allerdings noch ermitteln. Die Studenten verpflichten sich, für zehn Jahre in einer Region tätig zu werden, die unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht ist.

Auch andere Bundesländer setzen auf die Quote: Unter anderem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz wurden ähnliche Beschlüsse gefasst.

In Nordrhein-Westfalen greift die Quote sogar schon ab dem Wintersemester 2019/21. Auf die vorgesehenen 145 Plätze kamen in der Ende April abgeschlossenen ersten Bewerbungsphase über 1300 Interessenten.

Nur ein Baustein

Die Landarztquote ist aber nur ein Baustein, um dem Ruf nach mehr Arztkapazitäten gerecht zu werden. Noch in diesem Jahr entstehen an der neuen medizinischen Fakultät in Augsburg rund 1500 zusätzliche Medizinstudienplätze.

Dies werde ergänzt um 600 neue Studienplätze am Medizincampus Oberfranken in Bayreuth, stellt die Landesregierung klar.

Außerdem soll in Zusammenarbeit mit kommunalen Spitzenverbänden ein Förderprogramm zur Verbesserung der ambulanten ärztlichen Versorgung vor Ort aufgesetzt werden. Das Gesundheits- und das Innenministerium sollen zeitnah entsprechende Eckpunkte erarbeiten. (reh)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Laienreanimation wird wiederbelebt

„Prüfen, Rufen, Drücken“: Der Deutsche Rat für Wiederbelebung hat eine bundesweite Kampagne gestartet, um mehr Laienhelfer zu gewinnen. mehr »

Kabinett beschließt eAU

Die Bundesregierung hat jetzt einstimmig das Bürokratieentlastungsgesetz auf den parlamentarischen Weg gebracht. Darin enthalten: die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. mehr »

Ärztliche Widersprüchlichkeit beim Thema Datensicherheit

Ob die Digitalisierung des Gesundheitswesens gelingt, hängt maßgeblich von den Fähigkeiten aller Akteure ab, die Datensicherheit zu gewährleisten. Doch daran hakt es, wie der Skandal um ungeschützte Radiologie-Daten beweist. mehr »