Ärzte Zeitung, 03.06.2008
 

KOMMENTAR

Eine Quadratur des Kreises

Von Julia Frisch

Kaum ein halbes Jahr alt, wird an dem neuen EBM schon herumgedoktert. Zum 1. Juli sollten eigentlich acht neue Qualitätszuschläge in die Kassen-Gebührenordnung. Doch die Erfahrungen mit dem schon bestehenden Bonus für Psychosomatik veranlassen die KBV nun, bei den neuen Quali-Zuschlägen lieber nichts zu überstürzen.

Was ein solcher Bonus (gedacht für die besondere Qualifikation oder für die Vorhaltung von technischen oder räumlichen Voraussetzungen) bedeutet, dämmerte vielen Niedergelassenen schon kurz nach Einführung des EBM 2008. Zwar wird der Psychosomatik-Zuschlag für jeden Praxis-Patienten automatisch zugesetzt.

Doch davon profitieren nur die Ärzte, die bisher wenig psychosomatische Leistungen erbracht haben. Kollegen, die viele Patienten versorgen, schauen dagegen in die Röhre, weil sie höher bewertete Leistungen nicht mehr abrechnen können. Statt Belohnung für besondere Qualifikation bedeutet der Zuschlag für spezialisierte Praxen faktisch pure Bestrafung.

Die KBV will nun nicht noch mehr solcher "Fehlanreize" schaffen, indem weitere Zuschläge eingeführt werden. Nun kann man sich fragen, warum die Folgen der Quali-Aufschläge nicht schon vorher gesehen wurden. Die Einführung von Mindestmengen, wie sie die Kassen fordern, kann allerdings auch nicht die Lösung sein. Das würde in gewissem Maße zwar wieder den Spezial-Praxen nutzen, dafür aber die Durchschnittspraxen benachteiligen - die ja zum Beispiel ebenso Sonografie-Geräte bereithalten. Die Quadratur des Kreises, das ist abzusehen, wird bei den Zuschlägen nicht gelingen.

Lesen Sie dazu auch:
Neue Qualitätszuschläge zum 1. Juli auf der Kippe

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