Ärzte Zeitung, 09.09.2008

Kommentar

Gute Idee - an der Umsetzung hapert's

Von Antonia von Alten

Die Idee war gut: Wenn alle Kinder regelmäßig zu Pflicht-Vorsorgeuntersuchungen erscheinen, dann werden Fälle von Missbrauch und Verwahrlosung schon früh entdeckt. An der Umsetzung hapert es jedoch: Wann genau sollen Eltern an eine "U" erinnert werden?

Zur U4 beispielsweise sollen Babys im dritten bis vierten Lebensmonat den Pädiatern vorgestellt werden. Etwa zwei Wochen vor Ablauf des vierten Monats werden die säumigen Eltern daran erinnert. Bis sie einen Termin beim Kinderarzt haben, vergeht noch einmal Zeit - schnell ist dann die von den Krankenkassen gesetzte "Toleranzphase" von viereinhalb Monaten überschritten.

Viele Kassen weigern sich derzeit, Honorare für die verspätete Vorsorge zu zahlen. Die Pädiater und Hausärzte sind im Moment die Leidtragenden. Sie untersuchen die Kinder, ohne etwas dafür zu bekommen. Wenig hilfreich wäre es, den Eltern, die erst nach Aufforderung zur Vorsorge erscheinen, eine Rechnung zu schicken.

Schließlich ist es erklärtes Ziel, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Es kann jedoch auch nicht sein, dass die Kinderärzte für unbedachte Folgen eines Gesetzes aufkommen. Vielleicht wäre es eine Lösung, wenn Kommunen oder Länder die Kosten dafür übernehmen könnten.

Lesen Sie dazu auch:
Zu spät zur Kindervorsorge? Krankenkassen zahlen nicht
Zu spät untersucht - kein Honorar für die Ärzte

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Resolution gegen DSGVO-Verunsicherung und Abmahn-Angst

Nach einer ersten Abmahnwelle in Bremen wächst bei Ärzten die Verunsicherung wegen der Datenschutzgrundverordnung. 60 Verbände und die KBV haben darauf nun reagiert. mehr »

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Neue Leitlinie stärkt medikamentöse ADHS-Therapie

In den neuen S3-Leitlinien zu ADHS wird die medikamentöse Therapie bei mittelschweren Symptomen gestärkt. Experten betonen aber, dass die Arzneien nur ein Teil eines umfassenden Therapiekonzepts sein dürfen. mehr »