Ärzte Zeitung online, 02.01.2009

Chirurgen in Mittelfranken operieren nur bei Nachweis der Kostenübernahme

ROTH (maw). Angesichts bevorstehender Honorareinbußen beim ambulanten Operieren ziehen die niedergelassenen Chirurgen in Mittelfranken nach eigenem Bekunden die Notbremse. Ab sofort würden sie alle Patienten, die sich bei ihnen ambulant operieren lassen wollen, zunächst zu ihrer Krankenkasse schicken, um sich die Kostenübernahme für den Eingriff schriftlich zusichern zu lassen, teilte die Arbeitsgemeinschaft Niedergelassener Chirurgen (ANC) Mittelfranken mit. Das gelte für Patienten mit typischen ambulanten Operationen wie Gelenkspiegelungen, Eigriffen an Hand und Fuß, wegen Leisten- oder Nabelbrüchen, Hämorrhoiden oder Krampfadern.

Für die Kassenpatienten bedeute das der ANC zufolge, dass sie - wenn ihre Kasse per Einzelfallentscheidung der Kostenübernahme zustimmt - die Operationsleistungen ab sofort direkt bei ihrem niedergelassenen Chirurgen bezahlen und sich ihre Aufwendungen anschließend von ihrer Krankenkasse erstatten lassen müssten.

Der ANC-Vorstand begründete den Schritt: "Die von der Politik versprochenen zusätzlichen 2,7 Milliarden Euro für die ärztliche Versorgung kommen bei uns Leistungserbringern nicht an. Man hat uns versprochen, die Budgets abzuschaffen, doch die Budgetierung wurde durch so genannte Regelleistungsvolumina sogar weiter verschärft. Fakt ist, dass ein Chirurg in Deutschland für die gesamte nicht-operative Behandlung seiner Patienten ein Regelleistungsvolumen von etwa 30 Euro für drei Monate bekommt. Das ist ein Budget von zehn Euro pro Monat für eine fachärztliche Behandlung."

Ambulante Operationen wurden bislang nach Angaben der ANC "wegen ihres enormen Sparpotenzials durch Vermeidung teurer Krankenhausbehandlungen" in Bayern mit kostendeckenden Strukturverträgen gefördert. Mit Inkrafttreten der neuen Gebührenordnung zum 1. Januar dieses Jahres fielen diese Strukturverträge weg. Während ein niedergelassener Chirurg zusammen mit dem Narkosearzt für eine Leistenbruchoperation bis Ende 2008 noch bis zu 641 Euro einschließlich der erforderlichen Nachbehandlung erhalten habe, solle er ab 2009 mit rund 439 Euro auskommen, so die ANC. Auf die Operation allein entfielen dabei nur 190 Euro.

Ziel der jetzt von nahezu allen ambulant operierenden Fachärzten getragenen Aktion zur Kostenübernahme sei es, bundesweit schon zu Beginn des Wahljahres 2009 Patienten und Wähler auf die Gefahren der aktuellen Gesundheitspolitik hinzuweisen. Gemeinsam mit dem Landesverband Ambulantes Operieren Bayern (LAOB) wollen die Chirurgen der ANC Mittelfranken nach eigenen Angaben die Patienten und deren Krankenkassen wachrütteln. Falls allerdings keine Zugeständnisse von Seiten der Kostenträger und Gesundheitspolitiker kämen, würden einzelne auf ambulantes Operieren spezialisierte Praxen in wenigen Wochen vor dem wirtschaftlichen Aus stehen. Das würden die Fachärzte und deren Verbände nicht hinnehmen. Patienten, die bereits Termine für ambulante Operationen im neuen Jahr hätten, sollten sich mit ihrem Operateur noch einmal in Verbindung setzen, rät die ANC.

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