Ärzte Zeitung online, 07.05.2009

Mikroalbuminurietest bleibt beim GKV-Vorsorgepaket weiterhin außen vor

NEU-ISENBURG (reh). Ende April ging durch mehrere Fachmedien die Nachricht, dass der Mikroalbuminurietest nun im GKV-Vorsorgepaket enthalten sei. Die Meldung stammte ursprünglich von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Eine Nachfrage der "Ärzte Zeitung" beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) brachte aber, wie kurz berichtet, die Ernüchterung: Ein gemeinsamer Beschluss der gesetzlichen Kassen, der den Test in die GKV-Vorsorge aufgenommen hätte, besteht nicht.

Eigentlich eine Meldung, die auch die "Ärzte Zeitung" nur zu gerne an ihre Leser weitergegeben hätte. Schließlich erklärte die DGfN in einer Pressemeldung vom 22. April, dass mit dem Mikroalbuminurie-Test endlich ein sensitiver Test zur Früherkennung von nachlassender Nierenfunktion zum Vorsorgeangebot der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zähle. Ein Test, der laut Professor Dr. Jan Galle (Lüdenscheid), Pressesprecher der DGfN, bereits einen Albuminuriewert von 20-200 mg/Liter erfasse und damit bis um den Faktor 10 sensibler sei als der Albuminurie-Test, der im Check-up 35+ der gesetzlichen Kassen bisher enthalten sei. "Damit ist eine vernünftige Früherkennung möglich", erklärte Galle. Denn gerade in der Frühphase der Nierenschädigung hätten Nephrologen noch echten Handlungsspielraum und könnten einer weiteren Nierenschädigung meist effektiv begegnen und so eine terminale Niereninsuffizienz oftmals ganz abwenden.

Um sicher zu gehen, dass das Vorsorgeangebot der gesetzlichen Kassen tatsächlich erweitert worden war, fragten wir beim Gemeinsamen Bundesausschuss nach. Und da kam die Ernüchterung: Laut GBA gibt es keinen gemeinsamen Beschluss der gesetzlichen Kassen, der den Mikroalbuminurietest in die GKV-Vorsorge aufgenommen hat.

Mit dieser Info hakten wir nochmals beim DGfN nach. Dort hatte man sich nach einer ersten Auskunft der Pressestelle wohl nur auf eine Quelle, nämlich eine einzelne KV verlassen. Mittlerweile hat der DGfN mitgeteilt, dass die Pressemeldung tatsächlich auf einer Fehlmeldung beruhe.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich eine eigene EBM-Ziffer, die 32135, für den Mikroalbuminurietest. Doch die darf eben nur bei bestehendem Verdacht und nicht als pauschale Vorsorgeleistung der GKV abgerechnet werden. Hausärzte, die den Test im Rahmen des Vorsorge-Checks anbieten wollen, können dies daher nur als IGeL tun.

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