Ärzte Zeitung online, 05.08.2010

Hausärzte im Südwesten mit AOK-Vertrag verbuchen Honorarplus

STUTTGART (maw). Hausärzte in Baden-Württemberg gehören im Gegensatz zu den fachärztlichen Kollegen - zumindest rein rechnerisch gesehen - nicht zu den Honorarverlierern. Wie berichtet, sank das Honorarvolumen im Südwesten 2009 im Vergleich zum Vorjahr nach Angaben der KV Baden-Württemberg (KVBW) um 0,1 Prozent auf 3,825 Milliarden Euro. Die Hausärzte konnten ihr Honorar im Schnitt aber auf 193.449 Euro steigern (2008: 190.973 Euro).

Hausärzte im Südwesten gehören zu den Honorargewinnern - rein rechnerisch

Das Honorarvolumen im Südwesten ist zwar gesunken, aber im Schnitt hat ein Hausarzt rund 3000 Euro mehr Honorar im Jahr erhalten.

© ivan kmit / fotolia.com

Wie Kai Sonntag, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der KVBW, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" hervorhebt, stelle sich die Situation in den einzelnen Praxen sehr unterschiedlich dar. Wer bei der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) der AOK teilnimmt, hat ein höheres Honorar zur Verfügung als Kollegen, die nicht partizipieren.

Der Grund liege in der Statistik, so Sonntag. Berücksichtige der Betrag von 190.973 Euro im Jahr 2008 nur das Honorar, das die KVBW an die Hausärzte ausgezahlt hat, so sei die Rechnung für 2009 komplexer. Als Basiswert für die Kassenhonorare veranschlage die KVBW dabei 172.979 Euro. On Top kämen dann laut Sonntag 12.312 Euro.

Diese speisten sich aus dem Bereinigungsvolumen in Höhe von 84 Millionen Euro. Das heißt, dieses Honorar ging direkt von der AOK an die Ärzte und nicht über die KV. Ein Hausarzt, der nicht an den HzV-Verträgen teilnehme, hätte so nach Sonntags Angaben für 2009 ein Kassenhonorar in Höhe von 185.241 Euro erzielt.

Das Honorar in Höhe von 193.449 Euro resultiere letztendlich aus einem Kunstgriff. Die verbleibenden 8208 Euro ergäben sich laut Sonntag aus der AOK-Honorarauszahlung an die HzV-Ärzte. Der Betrag in Höhe von 56 Millionen Euro sei über alle Kassen-Hausärzte gestreut worden - unabhängig davon, ob sie an den Verträgen teilnehmen.

Bei den Fachärzten lässt die Honorarberechnung nicht so viel Spielraum zu, so dass dort der Rückgang im Honorar von 2008 auf 2009 leichter ersichtlich ist. So reduzierte sich das Kassenhonorar eines Kinderarztes von 199.509 Euro im Jahre 2008 auf 198.515 Euro im vergangenen Jahr.

Bei Orthopäden reduzierte sich das Honorar von 255.122 Euro auf 234.927 Euro, bei Hautärzten von 220.987 Euro auf 203.681 Euro, bei HNO-Ärzten von 181.762 Euro auf 177.393 Euro und bei Gynäkologen von 201.211 Euro auf 196.537 Euro.

Lesen Sie dazu auch:
Südwesten: Eindeutiger Verlierer der Honorarreform

[08.08.2010, 21:25:16]
Uwe Schneider 
Zum Kommentar v. Herrn Mersch: BWLer mehr Chancen als Ärzte?
Wie eine Einkommensstudie des Nachrichtenmagazins Stern jüngst ergeben hat, bilden die Ärzte als Berufsgruppe - trotz nennenswerten Realeinkommens-Verlusten in den letzten 10 bis 20 Jahren - immer noch die Einkommensspitze in Deutschland. Es ist also keineswegs so, wie Herr Mersch impliziert, dass ein BWLer bessere(Einkommens-)Chancen hätte als ein Arzt. Jahresvergütungen in Millionenhöhe, wie man sie im Top-Management von Großunternehmen häufig findet, sind zwar selbst bei leitenden Chefärzten von Großkliniken praktisch nicht zu finden. Doch Top-Manager sind genauso wenig repräsentativ für ihre Berufsgruppe wie Chefärzte. Und wenn man den Durchschnitt der akademischen Managerberufe (Dipl.-Betriebswirte, -Kaufleute, -Ökonomen, -Volkswirte) mit dem der Ärzte vergleicht, so verdienen die Ärzte im Schnitt immer noch mehr. Bei aller berechtigter Kritik an den Honorarstrukturen sollte das doch etwas an Groll gegenüber der durchschnittlichen Honorarhöhe nehmen. zum Beitrag »
[05.08.2010, 15:59:40]
Leopold Mersch 
Verlierer und Gewinner?
Zwei widersprüchliche Meldungen. Information oder Desinformation? Wie auch immer. Welcher einzelne Arzt kann die Angaben überprüfen?

Hier ist von "Gewinnern" auf Honorarbasis die Rede. Selbst diese Behauptung stimmen würde, es also ein leichtes Plus gegeben hätte, wäre das Honorar nicht gerade üppig.

Die Praxiskosten (mehr als 50 %) sind abzuziehen, ebenso der bei Angestellten von den Arbeitgebern zu tragenden Anteil an den Sozialabgaben, die der Arzt komplett zu tragen hat.

Übrig bleibt ein Einkommen, das in keinem Fall in einem angemessenen Verhältnis zur Qualifikation und Verantwortung des Arztes steht, der ja nicht nur Praxismanager, sondern auch wesentlicher Leistungserbringer der Praxis ist.

In Konkurrenz zu den Chancen für Absolventen eines Betriebswirtschafts-Stupidiums schneiden Ärzte eher schlecht ab. Kein Wunder, dass immer mehr Studenten sich anderen Disziplinen zuwenden oder - im Fall, dass ihre Wahl doch auf die Medizin fällt - nicht beabsichtigen, den Arztberuf am Patienten (in Deutschland) auszuüben. zum Beitrag »

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