Ärzte Zeitung, 19.07.2011

RLV: Statt Geldsegen gibt es sinkende Fallwerte

Wo ist das Honorarplus hin? Gingen die Fallwerte im ersten Quartal in den meisten KVen noch nach oben, zeigen die Pfeile in den meisten Regionen nun nach unten. Standesverteter vermuten die Neuregelung bei den Heimbesuchen als Ursache.

Von Rebekka Höhl

RLV: Statt Geldsegen gibt es sinkende Fallwerte

Das Geld für die höher bewerteten Besuche müssen Hausärzte aus ihrer eigenen Tasche - nämlich den Fallwerten - abzwacken.

© Udo Kroener / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Verpufft das für dieses Jahr versprochene Honorarplus gerade wieder?

Es scheint fast so, denn nachdem im ersten Quartal noch in zwölf KVen bei den RLV-Fallwerten ein Trend nach oben zu erkennen war, müssen im dritten Quartal zehn von 15 KVen, die ihre Fallzahlen offengelegt haben, schon wieder ein Minus hinnehmen.

Und von sieben KVen mit Fallwerten über 40 Euro in 2/2011 sind nur noch vier übrig geblieben.

In diesem Quartal wird nun deutlich, was viele Hausärzte aber auch Standesvertreter befürchteten: Die seit April aufgewerteten Haus- und Heimbesuche gehen zulasten der RLV und benachteiligen nun Praxen mit wenigen Hausbesuchen.

Schleswig-Holstein: Von dem leichten Aufwärtstrend im ersten Quartal, als der Fallwert noch auf 37,68 Euro zulegte (4/2010: 36,65 Euro), ist in 3/2011 nichts mehr zu spüren. Nun sinkt der Fallwert von 37,09 Euro in 2/2011 auf 35,80 Euro. Schuld soll laut KV die Neuregelung bei den Besuchsziffern sein. Allerdings wurde die durchschnittliche Fallzahl von 773 im zweiten Quartal auf jetzt 801,5 angehoben.

Hamburg: Für Hamburgs Hausärzte - zumindest wenn sie nicht als Schwerpunktdiabetologen gelten - sieht es düster aus. Ihr Fallwert befindet sich im Dauersinkflug: Von 33,19 Euro (Fallzahl: 704) im ersten Quartal dieses Jahres, fiel er im zweiten Quartal auf 32,52 Euro (Fallzahl: 706) und liegt nun bei 31,84 Euro (Fallzahl: 707). Für Hausärzte mit Schwerpunkt Diabetologie beträgt der Fallwert im dritten Quartal 37,19 Euro bei einer durchschnittlichen Fallzahl von 918.

Niedersachsen: Ein Minus von rund acht Prozent gibt es im dritten Quartal für niedersächsische Hausärzte im Vergleich zum vorangegangenen Quartal. Ihr Fallwert verlässt wieder den 40-Euro-Bereich - im ersten Quartal erreichte er 41,83 Euro und im zweiten Quartal 40,84 Euro, nun sinkt er auf 37,72 Euro (Fallzahl: 913,54).

Bremen: Ein Miniplus verzeichnen Hausärzte in Bremen. Ihr Fallwert steigt von 35,90 Euro im zweiten Quartal auf nun 36,52 Euro. Und auch die Fallzahl wurde leicht angehoben: von 740 auf 749; in Bremerhaven liegt die durchschnittliche Fallzahl bei 1011.

Westfalen-Lippe: In Westfalen-Lippe ist weiterhin Stagnation bei den Fallwerten angesagt. Der Fallwert im dritten Quartal sinkt von 36,16 Euro in 2/2011 wieder auf das Niveau von 4/2010, nämlich auf 36,01 Euro (Fallzahl: 962).

Nordrhein: Kaum konnte Nordrhein bei den Fallwerten etwas zulegen und sich aus den Reihen der Schlusslichter in Sachen Fallwert befreien, macht sich auch schon wieder ein leichter Abwärtstrend bemerkbar. Der Fallwert der Hausärzte fällt von 38,17 Euro (Fallzahl: 798,4) im zweiten Quartal auf jetzt 37,05 Euro (Fallzahl: 807,43). Aber: In 4/2010 lag der Hausarzt-Fallwert bei nur 33,91 Euro.

Berlin: Auch in Berlin wird die magische 40-Euro-Marke im dritten Quartal - im zweiten Quartal 2011 lag der Fallwert bei 43,48 Euro - wieder verlassen. Der Fallwert rutscht um über zehn Prozent auf 39,27 Euro ab. Die Fallzahl bleibt allerdings konstant bei 900.

Brandenburg: Brandenburgs Hausärzte können sich weiter über einen Fallwert im 40-Euro-Bereich freuen. Statt glatte 40 Euro in 2/2011 (Fallzahl: 987) gibt es im dritten Quartal 40,05 Euro (Fallzahl: 994).

Sachsen: Ein kleines Minus, aber immer noch über 40 Euro, so lautet das Ergebnis für die sächsischen Hausärzte. Ihr Fallwert sinkt von 41,70 Euro im zweiten Quartal auf nun 41,15 Euro (Fallzahl: 953,69).

Sachsen-Anhalt: Wieder aufwärts geht es mit dem Fallwert in Sachsen-Anhalt. Er steigt von 34,83 Euro in 2/2011 auf 35,96 Euro im dritten Quartal. Und auch die Fallzahl wird von 1057 leicht angehoben auf 1080.

Thüringen: Für Thüringens Hausärzte bleibt es dabei, ihr Fallwert liegt deutlich über 40 Euro - und zwar ganz genau bei 45,61 Euro (Fallzahl 945) im dritten Quartal. In 2/2011 waren es 44,76 Euro (Fallzahl: 923). Und auch in 2010 wurden stets Werte über 40 Euro erzielt.

Saarland: Ein Minus von über acht Prozent gibt es auch im Saarland. Hier sinkt der Fallwert von 40,65 Euro im zweiten Quartal auf 37,48 Euro in 3/2011 (Fallwert: 876).

Rheinland-Pfalz: Der Hausarzt-Fallwert nähert sich nach mehreren Quartalen mit über 40 Euro mit nun 38,07 Euro wieder dem Niveau von 1/2010 (37,36 Euro) an. Im zweiten Quartal lag er noch bei 40,91 Euro. Dabei ist in den Werten die Auflösung von Rückstellungen enthalten.

Baden-Württemberg: Auch hier zeigt sich, die 40-Euro-Marke ist im dritten Quartal nicht zu halten. Der Fallwert beträgt nur noch 39,01 Euro (Fallzahl: 821), im zweiten Quartal waren es noch 42,88 Euro (Fallzahl: 802).

Bayern: Zwar gibt es nach wie vor mit 41,25 Euro (Fallzahl: 883) für Bayerns Hausärzte einen Fallwert über 40 Euro. Doch der leichte Abwärtstrend aus 2/2011, als der Fallwert von 44,01 Euro im ersten Quartal 2011 auf 42,80 Euro sank, setzt sich fort.

Aus den KVen Hessens und Mecklenburg-Vorpommerns liegen leider keine Daten zu den Fallwerten vor.

[19.07.2011, 08:56:22]
Peter Prominski 
immer wieder faszinierend...
...das nach fast drei Jahren NVV immer noch keiner die Systematik erkannt hat und sich die gesamt Republik an die RLV-Fallwerten festhält.

-unterjährige Schwankungen sind normal!!!
-bei steigenden Fallzahlen, sinken auch die Fallwerte!!! Aber in der Summe verändert sich nichts!!!
-keiner spricht über die Morbi-Quote, die gerade Hausarztpraxen immer wieder ein zusätzliches Plus verleiht!!!
-was bekommen Hausärzte aus den QZV's???

@Herrn Dr. Schätzler: faszinierend, wieviel Zeit Sie hier mit Kommentaren verbringen...
 zum Beitrag »
[19.07.2011, 08:20:39]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Superschlau sind KV und KBV!
War ja auch sehr intelligent, mehr Geld für Hausbesuche aus dem RLV-Honorartopf zu mopsen, um es dann s c h e i n b a r (Krankenschein? und bar?) den Hausärzten wieder in die Taschen zu stopfen.

Dann wäre das alte Nullsummenspiel vielleicht doch besser gewesen? Dafür noch einmal Udo Lindenberg, weil' s so schön war:

S O N D E R Z U G - Z U R - K B V !
"Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug zur KBV? Ich muss mal eben dahin, mal eben nach Groß-Berlin. Ich muss da was klären, mit eurem Oberindianer, ich bin ein Hausbesuchstalent, und ich will da spiel' n mit 'ner Band.

Ich hab' n Fläschchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker, das schlürf' ich dann ganz locker mit dem Andy Köh(ö)ler und ich sag: Ey, Andy, ich sing' für wenig Money im KBV-Palast, wenn ihr mich lasst! All die ganzen Facharztfuzzis dürfen da singen, dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen, nur der kleine Hausarzt - nur der kleine Hausarzt, der darf das nicht - und das versteh'n wir nicht.

Ich weiß genau, ich habe furchtbar viele Patienten hier und stündlich werden es mehr, och, Andy, ey, bist Du denn wirklich so ein sturer Schrat? Warum lässt Du mich nicht singen im Vertragsarzt-Bundesstaat?
Ist das der Sonderzug zur KBV?
Andy, ich glaub', Du bist doch eigentlich auch ganz locker ich weiß, tief in dir drin, bist Du eigentlich auch' n Rocker. Du ziehst dir doch heimlich auch gerne mal die Lederjacke an und schließt Dich ein auf' m Klo und hörst Hausarzt-Radio!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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