Ärzte Zeitung, 13.12.2011

Westfalen-Lippe bannt Regressgefahr

Aufatmen im Westen: Vertragsärzte in Westfalen-Lippe müssen kaum mehr Regresse befürchten. Der Grund: Kassen und KV haben bei der Beweislast den Spieß umgedreht.

In Westfalen-Lippe scheint die Regressgefahr gebannt

Regress anfechten? In Westfalen-Lippe bald nicht mehr so oft nötig.

© [M] Steinach / imago | til

DORTMUND (iss). In Westfalen-Lippe ist die Regressgefahr nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) fast verschwunden.

"Das Gespenst Richtgrößenprüfung hat in Westfalen-Lippe seinen Schrecken definitiv verloren", sagte der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden auf der Vertreterversammlung.

Jeder Kollege habe es selbst in der Hand, frei von Regressen zu bleiben.

Für 2012 hat die KVWL mit den Krankenkassen zwei wesentliche Neuerungen vereinbart, berichtete Dryden. Für Ärzte, die im vorigen Verhandlungszeitraum keinen Regress hatten, gelte künftig die Wirtschaftlichkeitsvermutung.

Prüfgremium muss Unwirtschaftlichkeit beweisen

"Das ist natürlich kein Freibrief, sondern unterstellt, dass mit der gleichen Sorgfalt und dem gleichen Bewusstsein die Verordnungspraxis gehandhabt wird", sagte er. Das bedeute eine Art Beweislastumkehr.

"Bisher waren wir als Ärzte gezwungen, Beweis zu führen. Jetzt ist das Prüfgremium verpflichtet, uns gegenüber darzulegen, wo die Unwirtschaftlichkeit liegt."

Außerdem sollen die Ärztinnen und Ärzte künftig bei Beratung oder drohendem Regress eine eindeutige Darstellung der konkreten Einsparvolumina erhalten. So können sie erkennen, mit welchen Maßnahmen sie die Regressdrohung abwenden können, erläuterte er.

"Diese Präzisierung kann im Fall eines ausgesprochenen Regresses über eine Umsetzungsvereinbarung zur Stundung, gegebenenfalls zur Aufhebung der Maßnahme führen."

Ausgaben für Arzneien über dem Durchschnitt

Wer die Instrumente richtig nutze, könne sich zu 100 Prozent sicher sein, nicht in Regressgefahr zu geraten, sagte Dryden. Er appellierte an die Ärzte, die Instrumente mit Bedacht zu nutzen und sorgsam mit der neuen Freiheit umzugehen.

"Beweisen Sie, dass wir in Westfalen-Lippe keine Richtgrößenprüfungen brauchen, um mit höchster Sorgfalt mit Versichertengeldern umzugehen."

Die Kassen dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass die Ärzte Regressdruck bräuchten, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Nach den aktuellen Daten sei der Rückgang der Ausgaben für Arzneimittel in Westfalen-Lippe bundesweit mit 6,04 Prozent am höchsten. Das habe die Bereitschaft der Kassen erhöht, über größere Spielräume bei Arznei- und Heilmitteln zu verhandeln, sagte der KVWL-Chef.

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