Ärzte Zeitung, 09.07.2012

Kommentar zum KBV-Honorarbericht

Lohn für harte Arbeit

Von Helmut Laschet

Es gehört zu den Binsenweisheiten, dass es das ideale, von allen als gerecht empfundene Honorarsystem nicht gibt und nicht geben wird. So ist die Frage bescheidener zu stellen: Geht der Honorartrend wenigstens in die richtige Richtung? Und zumindest diese Frage lässt sich beantworten: ja, aber mit Einschränkungen.

Ablesen lässt sich dies an dem von der KBV jetzt publizierten Honorarbericht für das erste Halbjahr 2011. Danach haben sich Allgemeinärzte und Internisten in den neuen Bundesländern an die Spitze geschoben: Mit gut 113.000 Euro Halbjahresumsatz liegt die durchschnittliche Hausarzt-Praxis in Sachsen-Anhalt um rund 17.000 Euro über dem Bundesdurchschnitt.

Unter der Annahme eines eher unterdurchschnittlichen Kostenniveaus darf davon gesprochen werden, dass der Hausarzt in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu vielen seiner Kollegen im Westen ein "Handwerk" mit goldenem Boden betreibt.

Das liegt primär an geringer Arztdichte und hohen Patientenzahlen pro Praxis - Umsatz und Ertrag sind also hart erarbeitet. Bei den noch teils unterdurchschnittlichen Fallwerten in den neuen Bundesländern ist die hohe Morbidität wahrscheinlich noch nicht zutreffend abgebildet.

Lesen Sie dazu auch:
Ost-Ärzte sind Umsatz-Spitzenreiter

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[10.07.2012, 08:24:26]
Dr. jens wasserberg 
Vielschichtiges Problem
Die effektiven Fallwerte im Osten sind deswegen etwas niedriger als in anderen Regionen, weil eine höhere Fallzahl ab einer bestimmten Schwelle zwangsweise zu niedrigeren Fallwerten führt. Die theoretisch möglichen ( hausärztlichen ) Fallwerte waren hingegen in Ostdeutschland bis 2011, als es noch bundeseinheitliche RLVs und somit Vergleichsmöglichkeiten gab, teiweise höher als im Bundesschnitt.
Wenn man die Honorarverteilung einigermaßen seriös vergleichen will, so gibt es aus meiner Sicht nur die Kassenfallwerte, also den Betrag, den die Kassen pro Versicherten an die jeweiligen KVen bezahlen.Warum dieser Wert bundesweit deutlich streut und trotz einheitlicher Kassenbeiträge nicht überall gleich ist - oder zumindest prozentual an die Kasseneinkünfte gekoppelt ist - bleibt eine systemische Umverteilung ohne sachliche Grundlage.
Bezüglich der KVNO-Zahlen ist noch anzumerken, dass der Umsatzsprung 2010 zu 2011 von 13% im hausärztlichen Bereich real nicht stattgefunden hat. Es bleibt die Frage, ob unberechtigte Abzüge 2010 und deren Rückzahlung 2011 nach Intervention zu einem solchen Sprung maßgeblich beigetragen haben, gemäß dem Motto : Eine Umsatzerhöhung wird aus sich selbst finanziert, indem man die Erhöhung für das kommende Jahr dieses Jahr abzieht.Dass die Kassen der KVNO 2011 13% mehr hausärztliches Honorar bereitgestellt haben sollen, ist jedenfalls nicht bekannt ...
 zum Beitrag »
[09.07.2012, 20:20:42]
Dr. Cornelia Karopka 
Unterdurchschnittliches Kostenniveau??
Wie schön, dass sich die Ärztezeitung zu einem Kommentar bezüglich der Umsatzspitzenreiter in Ostdeutschland hat hinreißen lassen.
Noch schöner wäre es gewesen, wenn man genauer recherchiert hätte, statt plakativ auf das "eher unterdurchschnittliche Kostenniveau" hinzuweisen.
Jeder Kollege weiß, dass den größte Posten bei den Praxisausgaben das Personal darstellt. Und zwanzig Jahre nach dem Beitritt der immer noch "neuen Bundesländer" gibt es tatsächlich einen einheitlichen Tarifvertrag für medizinische Angestellte: http://www.aekno.de/downloads/aekno/gehaltstarifvertrag-mfa-2012.pdf .
Auch die berufsständischen Versicherungen unterscheiden schon seit Jahren nicht nach "Ost" und "West". Und Strom- bzw. Wasserpreise liegen in den "neuen Bundesländern" über dem Durchschnitt.Links dazu: http://www.welt.de/wirtschaft/article13297942/Wasserpreise-unterscheiden-sich-gewaltig.html bzw. http://www.verivox.de/nachrichten/ost-west-gefaelle-bei-kaufkraft-und-netzgebuehren-56698.aspx

Definitiv liegen diese Kosten nicht unter denen in den "gebrauchten Bundesländern". Einzig bei den Kaltmieten mögen die Unterschiede zu Gunsten der "Neuen" ausfallen, wobei diese einen geringen Prozentsatz der Betriebsausgaben verursachen.
Und wieder stelle ich mir die Frage, warum denn der Ärztemangel im Osten deutlich größer ist als im Westen, wenn doch die Bedingungen so optimal dargestellt werden. Ich finde keine Antwort außer der, dass sie wohl doch nicht so viel besser sein können. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Mikroben – Heimliche Heiler

Jede zweite Zelle in und auf uns gehört einer Mikrobe. Durch die erfolgreiche Behandlung mit fäkalen Mikrobiota, etwa bei Autismus, hat die Mikrobiomforschung an Fahrt gewonnen. mehr »

Junge Besucher waren "Verjüngerungskur für DGIM"

Die "Ärzte Zeitung" hat den letzten DGIM-Kongresstag mit der Kamera begleitet. Tagungspräsident Sieber hat uns dabei Rede und Antwort gestanden - und erzählt, was ihn in den Tagen begeistert hat. mehr »

628 Kliniken soll Geld gestrichen werden

Hunderte Krankenhäuser sollen nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses keinen Zuschlag mehr für die Notfallversorgung erhalten. mehr »