Ärzte Zeitung, 19.08.2013

Kommentar zu Praxiseinnahmen

Keine Neiddebatte, bitte!

Von Hauke Gerlof

Ein Plus von 21 Prozent: Die Nachrichten zur Entwicklung der Arzteinkommen von 2007 bis 2011 aus Wiesbaden sind nicht schlecht für Ärzte.

Gut ist es, dass trotz der größten Konjunkturkrise seit Jahrzehnten durch den Ausbruch der Finanzkrise ein solches Plus möglich war. Es hat sich in diesen Jahren als positiv erwiesen, dass das Gesundheitswesen von der Konjunktur weitgehend abgekoppelt ist.

Gut ist auch, dass die absolute Höhe des Reinertrags von im Schnitt 234.000 Euro - bei Hausärzten 181.000 Euro - der Mehrheit der Ärzte wirtschaftlich ein Leben ohne große Sorgen ermöglichen kann.

Doch das darf kein Anlass dafür sein, jetzt eine Neiddebatte loszutreten. Denn es gibt gute Gründe, die Zahlen zu relativieren: Nach Abzug der Inflation ergeben die 21 Prozent eine jährliche Steigerung des Reinertrags von gut zwei Prozent.

Das ist etwas mehr als die Steigerung bei Arbeitnehmern in vielen Branchen, aber noch lange kein großer Schluck aus der Pulle.

Und: Wer sauber rechnet, weiß, dass vom Reinertrag noch einiges abzuziehen ist, bevor das verfügbare Einkommen steht: etwa Steuern, Altersvorsorge und Versicherungen.

Es gibt also keinen Grund, in lauten Jubel auszubrechen - und keinen, Ärzte beim Honorar jetzt wieder kräftiger zu deckeln.

Lesen Sie dazu auch:
Praxiseinnahmen: Dickes Plus? Eher nicht!

[19.08.2013, 22:03:06]
Hauke Gerlof 
Kein Aufbegehren in der Ärzteschaft - warum nur?
Zu dem Kommentar erreichte uns eine Zuschrift Gerrit Tarrach aus St. Michaelisdonn in Dithmarschen per E-Mail, die im Folgenden wiedergegeben wird:

"In meiner Naivität erwartete ich ein Aufbegehren der Ärzteschaft gegen die veröffentlichte Statistik. Kam aber nix. Jetzt sehe ich mir so meinen Reinertrag an und komme (bei 900 bis 950 Patienten im Quartal, als Landarzt kaum Privatpatienten), mit KV-Diensten und allem noch nicht einmal auf die Hälfte. Dubiose IGeL will ich nicht anbieten. Da ich versuche eine vernünftige Basismedizin zu machen, habe ich auch kaum mehr Zeit für Extrabudgetäre Vorsorgeleistungen.
Da läuft dann doch was gewaltig schief? Mein statistischer "Zwilling" irgendwo in der Stadt, müsste dann also das Dreifache meines Reinertrages haben. So ist es kein Wunder, das keiner mehr Landarzt werden will.
Unser ganzes System muß grundlegend umgekrempelt werden. Ideen dafür gibt es genug.
Ich habe viele Jahre in Schweden gelebt und gearbeitet und die Vorteile schätzen gelernt, als Angestellter in einem staatlichen System zu arbeiten. Ich kann deshalb nicht nachvollziehen, wieso unsere Berufsverbände, Organisationen usw. immer das hohe Lied des freien Berufes singen.
Ich glaube, viele junge Kollegen würden viel lieber als einfache (vernünftig bezahlte) Angestellte geplant irgendwo arbeiten, als sich als selbstständige Unternehmer niederlassen zu müssen.

MfG
Gerrit Tarrach
25693 St. Michaelisdonn"
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[19.08.2013, 16:14:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Dr. med. Andreas Köhler - Allein zu Haus?
Vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Jedes Mal, wenn in 4-jährigem Rhythmus die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes rückwirkend unter www.destatis.de veröffentlicht werden, steht der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung hilflos und überrascht wirkend vor der Medien-Meute. Es ist zum Haare raufen!

• Anstatt zu erklären, was grobe Schätzungen des "Reinertrags" von 2011 für selbständig arbeitende Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte bedeuten.
• Statt zu erläutern, dass rein privatärztliche Umsatzanteile für die betriebswirtschaftliche Honorarkalkulation der Gesetzlichen Krankenversicherungs-Praxis völlig irrelevant sind.
• Oder darauf zu bestehen, dass n i c h t-repräsentative 4-Jahres-Sprünge von steigenden Erlösen in Arztpraxen mit einfachen Grundrechenarten auf die in BWL- und VWL üblichen j ä h r l i c h e n Wirtschaftsdaten herunter gebrochen werden müssen.
Dann könnte die neidvoll-sensationslüsterne Öffentlichkeit erfahren, dass Umsatz und Gewinn im GKV-Bereich a l l e r Vertragsarztpraxen durchschnittlich nie höher angestiegen sind, als die jährlichen tariflichen Lohn- und Gehaltssteigerungen.

Aber es kommt noch schlimmer: Exakt einen Tag nach Veröffentlichung der Destatis-Zahlen am 15.8.2013, publiziert der GKV-Spitzenverband am 16.8.2013 seine exzellent aufgemachte pdf-Datei mit allen Zahlen, Daten, Fakten, aufbereitet und interpretiert nach GKV-Kassenart, gewürzt mit einem ordentlichen Schuss anti-vertragsärztlicher Demagogie. Und "unsere" Kassenärztliche Bundesvereinigung? Die ist offensichtlich alleine zu Hause und spielt Honorarverhandlungen nach dem Märchen 'Der Hase und der Igel'. "Als nun der Hase in vollem Lauf unten am Acker ankam, da rief ihm dem Swinegel seine Frau entgegen: Ich bin all hier!"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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