Ärzte Zeitung online, 29.08.2013
 

Arzteinkommen

Das Plus entpuppt sich für manchen Arzt als Minus

Von den 17 Prozent Ertragsplus, die die Bundesstatistiker je Arzt ermittelt haben, sieht so mancher Praxisinhaber nicht viel. Während bei den Hausärzten das Plus zum Teil sogar höher ist, mussten etwa Gynäkologen in den vergangenen fünf Jahren eher auf Ertragsanteile verzichten.

Von Rebekka Höhl

Das Plus entpuppt sich für manchen Arzt als Minus

In einigen Fachgruppen wurde das Ertragssparschwein zwischen 2007 und 2011 nicht gefüttert, sondern sogar eher angezapft.

© Andy Dean / shutterstock

NEU-ISENBURG. Seit die Bundesstatistiker die neuesten Daten ihrer Kostenstrukturanalyse bei Arzt- und Zahnarztpraxen veröffentlicht haben, kursieren das Plus von über 20 Prozent bei den Praxiseinnahmen und das Plus von 17 Prozent beim Reinertrag je Praxisinhaber hartnäckig in den Medien.

Doch wie sieht es in den einzelnen Fachrichtungen nun tatsächlich aus? Welche Praxisinhaber kommen wirklich an den durchschnittlichen Reinertrag von 166.000 Euro per anno und damit 13.833 Euro monatlich ran?

Ärzte in der Gemeinschaftspraxis erwirtschaften mehr Ertrag

Da Statistiker Daten gerne vergleichbar machen, hat auch das Statistische Bundesamt in der Kostenstrukturanalyse - die sich übrigens auf Einkommens- und Aufwandsdaten der Praxen in 2011 stützt - Durchschnitts- bzw. Mittelwerte gebildet.

Diese sind immer mit Vorsicht zu genießen: Denn es laufen zum einen in die Erhebung besonders ertragsreiche, aber auch eher ertragsschwache Praxen mit ein. Zum Schluss wird dies jedoch mit dem Mittelwert geglättet.

Dabei zeigt sich schon ein deutlicher Unterschied bei den Reinerträgen, wenn die Werte von Einzel- und Gemeinschaftspraxen (heute Berufsausübungsgemeinschaft genannt) verglichen werden. So erzielte ein Praxisinhaber in der Einzelpraxis in 2011 im Schnitt einen Reinertrag von 159.000 Euro im Jahr.

Gehörte er zu den Inhabern von Praxen, die maximal Einnahmen von 250.000 Euro erwirtschafteten, lag sein Reinertrag sogar nur bei durchschnittlich 84.000 Euro. Ärzte in Gemeinschaftspraxen (GP) kamen hingegen auf einen durchschnittlichen Reinertrag von 176.000 Euro.

Dabei ist wichtig: Der Reinertrag ist nicht das Nettoeinkommen des Arztes. Das Statistische Bundesamt stellt lediglich die Praxiseinnahmen den Praxisausgaben gegenüber.

Nicht in die Rechnung einbezogen wird die Steuerzahlung, die auf den Arzt zukommt. Auch die Beiträge ans Versorgungswerk, die Krankenversicherung etc. gehen nicht in die Rechnung ein.

Kostensteigerung in der Gemeinschaftspraxis dreimal so hoch wie in Einzelpraxen

Trotzdem sind es tatsächlich die Einzelpraxen, die im Vergleich zu 2007 ein Plus von über 20 Prozent - je Praxisinhaber - beim Reinertrag erwirtschaftet haben. Denn ihr Reinertrag lag 2007 bei im Schnitt 130.000 Euro, wie ein Blick in die Kostenstrukturanalyse 2007 zeigt.

Praxisinhaber in der GP lagen hingegen schon 2007 bei 160.000 Euro Reinertrag. Damit erzielten sie in den fünf Jahren bis 2011 nur ein Wachstum von zehn Prozent.

Das liegt aber auch daran, dass der Anstieg bei den Aufwendungen in Gemeinschaftspraxen dreimal so hoch wie in Einzelpraxen war. Während in der Einzelpraxis die Aufwendungen um rund neun Prozent von 149.000 Euro in 2007 auf 162.000 Euro in 2011 zulegten, stiegen sie in der Gemeinschaftspraxis um über 30 Prozent von 372.000 Euro auf 487.000 Euro an.

Immerhin erzielten GP in 2011 Einnahmen von 923.000 Euro im Jahr. In der Einzelpraxis waren es im Schnitt nur 321.000 Euro.

Zi hat andere Zahlen

Noch spannender wird die Sache, wenn man die Zahlen der Bundesstatistiker für 2011 mit den Daten aus dem Praxispanel des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) aus 2009 vergleicht.

Denn laut dem Zi-Praxispanel lag der Jahresüberschuss je Praxisinhaber in 2009 im Schnitt bei 140.451 Euro. Für die Einzelpraxis weist das Zi einen Jahresüberschuss von 130.750 Euro und für die GP von 158.444 Euro aus.

Sicherlich lassen sich die Daten der beiden Statistiken nicht einfach miteinander vergleichen, da sie auf unterschiedlichen Erhebungsmethoden und unterschiedlicher Datenbasis beruhen. Aber auch die Zi-Daten gelten als repräsentativ.

Stellt man den Direktvergleich dennoch auf, dann hätten die Einzelpraxen vor allem in den Jahren 2010 und 2011 ihr Plus beim Reinertrag erzielt - wohingegen es für das Jahr 2008 eher nach einer Nullrunde aussieht.

Interessant ist der Vergleich mit den Zi-Daten auch, wenn man die einzelnen Fachgruppen betrachtet. Ein Hausarzt kam 2011 laut Bundesstatistiker auf einen Reinertrag von 138.000 Euro. In 2007 waren es noch 116.000 Euro.

Damit würde das Plus innerhalb von vier Jahren bei fast 19 Prozent liegen. Nach dem Zi-Praxispanel erzielte ein Hausarzt 2009 jedoch einen durchschnittlichen Jahresüberschuss von 137.740 Euro.

Minus bei den Internisten und Gynäkologen?

Für die Internisten weist das Statistische Bundesamt einen Reinertrag von 184.000 Euro je Praxisinhaber aus, 2007 waren es 158.000 Euro - also ein Plus von 16,5 Prozent. Hier gibt es allerdings eine große Unschärfe bei den Bundesstatistikern, denn sie werfen alle fachärztlichen Internisten in einen Topf.

Das Zi differenziert hier viel stärker. Einige Beispiele: Gastroenterologen erzielten 2009 laut Zi einen Jahresüberschuss von 249.545 Euro, Hämato- und Onkologen von 221.755 Euro, Kardiologen von 227.447 Euro und Pneumologen von 194.286 Euro.

Das zeigt, dass die verschiedenen internistischen Schwerpunkte völlig unterschiedliche Umsatzstrukturen aufweisen. Und lässt für einige Ärzte statt eines Plus beim Reinertrag eher ein Minus vermuten.

Auch bei den Gynäkologen sieht die Welt schon gar nicht mehr so rosig aus, wenn man die Daten der Bundesstatistiker mit denen des Zi vergleicht: Laut Statistischem Bundesamt erzielten sie 2011 einen Reinertrag je Arzt von 144.000 Euro, 2007 waren es 145.000 Euro.

Das heißt, es gibt statt des Plus ein Minus. Nach den Daten des Zi lag der Jahresüberschuss der Gynäkologen in 2009 aber sogar bei über 153.000 Euro je Praxisinhaber.

Allerdings hat der wissenschaftliche Beirat des Zi-Praxispanels erst kürzlich, als es Kritik an den Panel-Daten vonseiten zweier Facharztverbände hagelte, darauf hingewiesen, dass größere Unterschiede bei den Umsatzzahlen - gerade auch im Vergleich mit den KV-Statistiken - mit der unterschiedlichen Teilnahmequote der einzelnen Fachrichtungen zusammenhängen.

Das heißt: Die Daten des Praxispanels sind ebenfalls nicht in Stein gemeißelt. Dennoch sind gewisse Tendenzen bei den Erträgen je Praxisinhaber ersichtlich.

Ertragsdelle bei den Augenärzten

Bei den Augenärzten geben etwa auch die Bundesstatistiker nur begrenzt Auskunft - weil der erhobene Zahlenwert statistisch relativ unsicher sei. Hier wurde ein Reinertrag von 229.000 Euro je Praxisinhaber in 2011 ermittelt.

Nach den Daten des Zi erwirtschafteten die Augenärzte 2009 einen Jahresüberschuss von 164.875 Euro. Laut Kostenstrukturanalyse lag der Reinertrag in 2007 aber bereits bei 170.000 Euro je Arzt. Damit hätten die Augenärzte zwischendurch eine kleine Ertragsdelle hinnehmen müssen.

Gar nicht so üppig fällt auch der Zuwachs bei den Orthopäden aus: Sie erzielten 2011 einen Reinertrag von 193.000 Euro je Praxisinhaber, 2007 waren es 186.000 Euro.

Das heißt, es gab innerhalb von vier Jahren gerade einmal ein Plus von rund 3,7 Prozent. Nach den Zi-Daten erwirtschafteten die Orthopäden in 2009 einen Jahresüberschuss von 188.866 Euro je Praxisinhaber.

Die einkommensstarke Fachgruppe der Radiologen konnte 2011 einen Reinertrag von 303.000 Euro vorzeigen. 2007 waren es noch 264.000 Euro und damit 14,8 Prozent weniger. Für 2009 weist das Zi-Panel einen Jahresüberschuss je Praxisinhaber von 289.038 Euro aus.

Nur einen geringen Zuwachs beim Ertrag verzeichneten hingegen die Urologen. Ihr Reinertrag stieg von 2007 (167.000 Euro) auf 2011 um rund 1000 Euro auf 168.000 Euro je Praxisinhaber. Dabei erwirtschafteten die Urologen nach den Zi-Daten in 2009 noch einen Jahresüberschuss je Praxisinhaber von 193.452 Euro.

Einen kräftigen Sprung beim Reinertrag verzeichnen dafür die Dermatologen: In 2007 lag ihr Ertrag noch bei 155.000 Euro, in 2011 wuchs er um über 19 Prozent auf 185.000 Euro. Und auch nach den Zi-Daten kamen die Dermatologen 2009 bereits auf einen Jahresüberschuss je Praxisinhaber von 165.305 Euro.

Bei den HNO-Ärzten deutet alles auf Stagnation

Nach Stagnation in den vergangenen drei Jahren sieht es bei den HNO-Ärzten aus. Sie erzielten nach der Kostenstrukturanalyse 2011 einen Reinertrag je Arzt von 148.000 Euro.

Laut den Zi-Daten lag der Jahresüberschuss je Praxisinhaber in 2009 aber bereits bei 148.632 Euro. Nach den Zahlen der Bundesstatistiker muss aber ein Miniplus drin gewesen sein, denn in 2007 betrug der Reinertrag je Arzt 144.000 Euro.

Nicht so üppig wie insgesamt bei den Humanmedizinern ist übrigens das Plus bei den Zahnärzten ausgefallen. Sie schafften in den vier Jahren ein Plus von 13 Prozent beim Reinertrag, so die Bundesstatistiker.

Dabei legte der Reinertrag je Praxisinhaber von 126.000 Euro auf 142.000 Euro zu. Die Aufwendungen je Praxis legten in demselben Zeitraum um 17 Prozent auf 352.000 Euro zu, die Einnahmen je Praxis um 15 Prozent auf 531.000 Euro.

Als Verlierer sehen sich auch die Laborärzte und Psychotherapeuten.

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