Ärzte Zeitung online, 20.01.2015
 

Beschneidungen

Urologen weisen Betrugsvorwurf zurück

Der Berufsverband der Urologen hat Vorwürfe des Abrechnungsbetrugs bei Beschneidungen zurückgewiesen. NDR Info hatte berichtet, Dutzende Ärzte hätten den Eingriff bei Krankenkassen falsch abgerechnet.

DÜSSELDORF. Der Berufsverband der Urologen hat Vorwürfe des Abrechnungsbetrugs bei Beschneidungen von Knaben zurückgewiesen. Das sei eine Falschmeldung, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Professor Oliver Hakenberg.

Die Beanstandungen der Abrechnungen von einigen Urologen seien "ein Beispiel für Verwaltungsbürokratismus, der sich selbst ad absurdum führt".

Der Radiosender NDR Info hatte berichtet, Dutzende Ärzte hätten bei den Krankenkassen die Entfernung der Vorhaut bei Jungen falsch abgerechnet.

In Rheinland-Pfalz waren 18 Praxen betroffen, die Mediziner müssen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz insgesamt gut 620.000 Euro Honorar zurückzahlen.

In Niedersachsen werden von zehn Praxen rund 30.000 Euro zurückgefordert. Auch in anderen Bundesländern soll es laut NDR Info Auffälligkeiten gegeben haben.

Fotodokumentation "abwegig" und "peinlich"

Um kontrollieren zu können, ob der Eingriff tatsächlich erbracht wurde, sollten die Ärzte entweder eine Fotodokumentation oder einen pathologischen Befundbericht vorlegen, bemängelte Hakenberg. Zahlreiche Urologen hätten dagegen Widerspruch eingelegt.

"Für Patienten und Ärzte ist es sowohl abwegig wie peinlich, Genitalfotos anfertigen zu müssen, nur um die Kontrolleure der Abrechnungsstelle zufriedenzustellen", kritisierte Hakenberg. Eine Gewebeuntersuchung zu Dokumentationszwecken sei "kostentreibender Unfug".

Der Vorwurf, dass niedergelassene Ärzte unberechtigterweise religiös motivierte Beschneidungen als Kassenleistung abrechnen, ist in den vergangenen Jahren oft erhoben worden.

Die Deutsche Liga für das Kind moniert unterdessen, dass der Gesetzgeber mit der Neuregelung zur Beschneidung die Grundrechte des Kindes auf Unverletzlichkeit der Menschenwürde sowie auf körperliche Unversehrtheit nicht ausreichend berücksichtigt hat.

Damit schließt sich die Liga für das Kind der Kritik des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) an, der das Beschneidungsgesetz ablehnt.

Seit Dezember 2012 erlaubt das geltende Recht nach Paragraf 1631 d Bürgerliches Gesetzbuch sorgeberechtigten Eltern, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung ihres nicht einsichts- und urteilsfähigen Sohnes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst vorgenommen wird. (dpa/maw)

[04.02.2015, 22:38:13]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Hier zeigt sich wieder Heuchelei und Scheinheiligkeit des StaatesL:
Ein extra Gesetz, dass die (menschenrechtswidrige) rituelle Beschneidung ausdrücklich erlaubt,
neu, im 21.Jahrhundert
und dann eine Hexenjagd gegen Ärzte, die das (möglicherweise) machen. zum Beitrag »

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