Ärzte Zeitung, 24.06.2015

Psychotherapeuten-Vergütung

Ausschuss vertagt Beschlüsse

BERLIN. Die Gremien von Krankenkassen und Vertragsärzten haben am Dienstag zu den Themen Telemedizin und angemessene Vergütung der Psychotherapie keine Entscheidung getroffen. Das hat die "Ärzte Zeitung" auf Anfrage erfahren.

Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat demnach den Auftrag an eine Arbeitsgruppe erteilt, bis zum 31. Oktober 2015 einen Beschlussentwurf vorzubereiten über die Aufnahme von Gebührenordnungspositionen zur telemedizinischen Funktionsanalyse eines implantierten Kardioverters (bzw. Defibrillators) sowie von implantierten Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie.

Damit steht ein Beschluss zur Aufnahme von telemedizinischen Leistungen in den EBM in Aussicht. Die Kassenseite blockiert hier sehr stark.

Zum Thema Psychotherapie wurde der Erweiterte Bewertungsausschuss angerufen. Die Kassenseite sieht dem Vernehmen nach keinen Handlungsbedarf, die Kassenärztliche Bundesvereinigung aber schon. (ger)

[25.06.2015, 08:42:50]
Dipl.-Med Wolfgang Meyer 
Skandalöse Position
Während die Krankenkassen klagen, dass die Wartezeiten bei Ärzten und Psychotherapeuten angeblich zu lang wären, positionieren sie sich gegenüber den Schwächsten in der Versorgung mit Kürzungsabsichten. Sie machen sich hiermit natürlich auch zum Handlanger einer Medizin, die die Psychosomatik weder schätzt noch fördert. Man braucht nur in die medizinische Ausbildung, sprich die Lehrbücher für Studenten zu schauen, um zu erkennen, das diese Medizin nicht vermittelt wird, weil sie entweder nicht erscheint oder entwertet dargestellt wird. Es braucht viel Idealismus und einen langen Atem als Psychotherapeut. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass es ohne den Einsatz in der Gemeinschaft (Berufsverbände, Fachgesellschaften etc.), also berufs-
politisches Engagement keine Veränderungen geben wird. "... uns aus dem Elend zu erlösen,können wir nur selber tun!" zum Beitrag »
[24.06.2015, 13:16:13]
Dipl.-Psych. Roland Hartmann 
Kassen sehen keinen Handlungsbedarf...
Was hier von Seiten der Krankenkassen gespielt wird, verdient wahrlich die Bezeichnung "Ausbeutung". Die Kassen sind in die Verhandlungen mit der Forderung nach einer 11%igen Kürzung (!) der psychotherapeutischen Honorare gegangen.

Hierzu muss man wissen:
Schon jetzt beträgt der psychotherapeutische Durchschnittsertrag weniger als die Hälfte des ärztlichen Durchschnittsertrages. Eine Verringerung des Honorares von 11% würde bei weiterhin gleichbleibenden Praxiskosten und bei der aktuellen Kostenquote von ca. 80% noch weitaus höher auf die Erträge durchschlagen. Viele Praxen würden somit in die Insolvenz oder in noch größere Selbstausbeutung getrieben werden.

Insofern ist es löblich, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die sich ja oft genug als nicht gerade psychotherapeutenfreundlich gezeigt hat, sich in diesem Fall gegen die Kassen gestemmt und keinen faulen Kompromiss auf Kosten der Psychotherapeuten zugelassen hat.

Nun bleibt zu hoffen, dass die Verhandlungen im erweiterten Bewertungsausschuss ein Ergebnis erreichen werden, welche wenigstens der aktuellen BSG-Rechtsprechnung entsprechen. Damit wäre man weiterhin lichtjahreweit von einer gleichberechtigten Honorierung entfernt, aber immerhin wäre der seit nunmehr 15 Jahren bestehende Sinkflug der psychotherapeutischen Honorare gestoppt.
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