Ärzte Zeitung, 09.11.2015

Einkommen

Vertragsärzte hinken hinterher

Verglichen mit dem Gehalt eines Oberarztes verdienen Vertragsärzte brutto fast 18.000 Euro weniger pro Jahr.

BERLIN.Stagnierende Jahresüberschüsse und steigende Betriebskosten sorgen dafür, dass die Einkommen von Vertragsärzten und Klinikärzten weiter auseinandertriften. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Das Zi hat sich nochmals die Daten aus dem PraxisPanel 2014 vorgenommen. Diese bilden die Einnahmen- und Ausgabensituation der Praxen von 2010 bis 2013 ab (wir berichteten). Es zeige sich, dass ein Vertragsarzt mit der Behandlung gesetzlich Versicherter nach wie vor deutlich weniger als ein Mediziner mit vergleichbarer Qualifikation im Krankenhaus in der gleichen Arbeitszeit verdiene, heißt es.

Mehrarbeit wurde berücksichtigt

Als Vergleichswert hat der Bewertungsausschuss 2007 einen Referenzwert gebildet, der sich am Oberarztgehalt orientiert. Dabei wurde laut KBV berücksichtigt, dass die Arbeitszeit selbstständig tätiger Ärzte mit rund 49 Wochenstunden deutlich über der eines angestellten Arztes liegt.

Das Zi hat nun, um die Jahresüberschüsse der Praxen mit dem Referenzwert vergleichen zu können, die Ergebnisse aus dem PraxisPanel standardisiert. Hierbei werde davon ausgegangen, dass alle Leistungen der Praxis wie die Behandlung gesetzlich Krankenversicherter vergütet werden. Außerdem werden die Einnahmen auf die Normarbeitszeit berechnet.

Das Ergebnis: Der so standardisierte Jahresüberschuss erreichte in 2013 gerade einmal rund 117.100 Euro. Das sei zwar eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um rund 7000 Euro. Ein vergleichbares Bruttogehalt eines Oberarztes in der Klinik betrage jedoch derzeit mehr als 135.000 Euro.

Steigende Betriebskosten

"Die ambulante Behandlung von gesetzlich Versicherten wird nach wie vor schlechter vergütet als eine vergleichbar qualifizierte Tätigkeit im Krankenhaus", kritisiert Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried. Während die Klinikärzte von Tariferhöhungen profitieren, verringere sich das Einkommen der Vertragsärzte durch stetig steigende Betriebskosten.

Denn auch das belegen die Daten aus dem PraxisPanel: Während der Jahresüberschuss 2013 im Vergleich zu 2010 real - also nach Abzug der Inflationsrate - um 1,5 Prozent gesunken ist, legten die Betriebskosten um 7,6 Prozent zu. Der nicht-standardisierte durchschnittliche Jahresüberschuss (Gesamteinnahmen minus Gesamtaufwendungen) eines Vertragsarztes betrug 2013 dabei rund 145.400 Euro.

Nach Abzug der Beiträge zur Altersvorsorge, zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Einkommenssteuer verblieb einem Praxisinhaber 2013 damit ein durchschnittliches Nettoeinkommen in Höhe von 71.758. (reh)

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