Ärzte Zeitung, 19.05.2016

Laborkosten

Hausärzte sollen Widerspruch einlegen

Mit einer groß angelegten Widerspruchsaktion gegen die Honorarbescheide will der Hausärzteverband in Rheinland-Pfalz Druck auf die KV in Sachen Laborkostenberechnung ausüben.

KOBLENZ.In Rheinland-Pfalz rumort es: Der Hausärzteverband hält die Finanzierung der Laborkosten in der KV-Region für unkorrekt. Und hat seine Mitglieder nun dazu aufgerufen, auf breiter Front Widerspruch gegen ihre Honorarbescheide für das vierte Quartal 2015 einzulegen. Eine entsprechende Widerspruchsvorlage bietet der Verband als Download im geschlossenen Mitgliederbereich auf seiner Website (www.hausarzt-rlp.de) an.

In den zurückliegenden Jahren seien die Laborkosten massiv angestiegen, "was zur Folge hatte, dass die vorgesehenen Rückstellungen im Rahmen der Vorwegabzüge nicht ausreichten, um die anfallenden Kosten zu decken", so der Vorsitzende des Hausärzteverbands Rheinland-Pfalz, Dr. Burkhard Zwerenz in einem Rundschreiben.

"Grundsätzlich müssen wir uns fragen, ob Laboruntersuchungen generell nicht sinnvoller Weise ganz aus dem EBM ausgelagert werden sollten, wie das in unseren Nachbarländern seit Jahrzehnten Usus ist." Denn laut Zwerenz ist die Erbringung der laborchemischen Bestimmungen weitgehendst automatisiert und stelle für sich alleine genommen keine ärztliche Leistung dar.

Das Problem liegt aber vor allem in der Aufteilung der Mehrkosten auf die fach- und hausärztlichen Honorartöpfe. Gemäß aktuell gültiger Beschlusslage der KBV würden die anfallenden Mehrkosten nicht entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zur Honorartrennung, sondern einfach hälftig zwischen Haus- und Fachärzten aufgeteilt, kritisiert Zwerenz.

"Obwohl im hausärztlichen Bereich die Mehrausgaben nur Bruchteile derjenigen des fachgebietsärztlichen ausmachen", ergänzt er. Als Beleg führt er die KBV-Zahlen zur Ausgabenentwicklung im Labor an: Diese zeigten, dass sich vom 4. Quartal 2013 bis zum 4. Quartal 2014 die Ausgaben bei Hausärzten um 4,3 Millionen Euro und bei Fachärzten um 27,2 Millionen Euro verteuert hätten.

Bezogen auf Rheinland-Pfalz seien dem hausärztlichen Honorartopf 0,6 Prozent mehr entnommen worden, ohne dass man hierbei eine Gewichtung der unterschiedlichen Versorgungsbereiche mit ihrem jeweiligen Beitrag zur Kostensteigerung habe erkennen können. "An dieser Stelle steht die KV RLP in der Pflicht eine exakte Rechnung vorzulegen, die wir für die kommenden Vertreterversammlung angefordert haben", schreibt Zwerenz.

Dennoch sieht der Hausärzteverband die Notwendigkeit, mit einer Widerspruchsführung auf breiter Ebene Druck auszuüben. Denn nach Versendung der Honorarbescheide fürs 4. Quartal 2015 laufe die Widerspruchsfrist bereits. "Nur so können Sie Honorarverluste vermeiden!", warnt Zwerenz die Hausärzte. (reh)

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