Ärzte Zeitung, 05.09.2016

Honorar 2017

KBV und Kassen kommen sich nicht näher

Auch in ihrer zweiten Verhandlungsrunde konnten sich KBV und Kassen nicht einigen, wie hoch das Honorar für Vertragsärzte im kommenden Jahr aussehen soll. Immerhin verständigten sie sich aber über eine mögliche Vergütungsstruktur.

Von Rebekka Höhl

Wer durchschlägt den gordischen Knoten?

Weil sich KBV und Kassen nicht einigen konnten, wurde der Erweiterte Bewertungsausschuss angerufen. Der soll nun am 21. September tagen.

© Kelly Marken / fotolia.com

BERLIN. In den Verhandlungen um die Höhe der vertragsärztlichen Vergütung im kommenden Jahr sind sich KBV und GKV-Spitzenverband bislang nicht wirklich näher gekommen. Am Mittwoch riefen die Verhandlungspartner daher den Erweiterten Bewertungsausschuss an, dieser soll nun am 21. September tagen - und wird dann voraussichtlich gleich über mehrere Punkte zu entscheiden haben.

Orientierungswert: Während die Krankenkassen laut KBV eine Nullrunde beim Orientierungswert - dem Preis für einen Punkt im EBM - präferieren, fordert die ärztliche Standesvertretung eine Anhebung um 1,4 Prozent. Damit würde der Orientierungswert von derzeit 10,4361 Cent auf 10,5822 Cent steigen.

Gassen: Null-Runde nicht akzeptabel

"Eine Null-Runde ist für uns nicht akzeptabel", so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. Die Kosten in den Praxen hätten sich zwar insgesamt recht günstig entwickelt, dies rechtfertige aber nicht, die Preise einzufrieren. Dabei macht die KBV vor allem die steigenden Oberarztgehälter in Krankenhäusern geltend. Gassen: "Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Vertragsärzte von der allgemeinen positiven Lohnentwicklung ausgeschlossen sein sollten."

Strukturelle Maßnahmen: Zusätzlich will die KBV rund 120 Millionen Euro mehr für strukturelle Maßnahmen. Die derzeit exzellente Finanzlage der Kassen lasse dies durchaus zu, sagte Gassen im Interview mit KV-ON. Mit dem Geld sollen erneut Vorhaben gefördert werden, die die haus- und fachärztliche Grundversorgung stärken.

Gassen sieht aber auch allein schon deshalb einen erheblichen Nachfinanzierungsbedarf, weil nach wie vor durch die Abstaffelung in den KV-Regionen ärztliche Leistungen unter ihrem eigentlichen Wert vergütet werden. Im fachärztlichen Bereich etwa liege die Abstaffellungsquote bei rund 20 Prozent. Damit werde jede fünfte Leitung nicht bezahlt.

Behandlungsbedarf: Einen Schritt weiter sind sich die Verhandlungspartner indes beim Behandlungsbedarf gekommen. Das sogenannte Klassifikationsmodell, mit dem die regionalen diagnose- und demografiebezogenen Veränderungsraten ermittelt werden, sei am Mittwoch bereits beschlossen worden, sodass jetzt die Berechnungen beginnen könnten, heißt es vonseiten der KBV.

Medikationsplan: Bislang nur kleine Schritte nach vorn machen GKV-Spitzenverband und KBV bei den Vergütungsregeln für den Medikationsplan. Eigentlich sollten die EBM-Ziffern für den Plan, auf den Patienten, die mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, ab Oktober einen Anspruch haben, bis zum 30. Juni stehen. Nun haben die Kassen auch hierfür vorsorglich den Erweiterten Bewertungsausschuss angerufen. Kommt es vor dem 21. September zu keiner Einigung, wird der Ausschuss entscheiden.

Vergütungsstruktur steht

KBV und Kassen haben sich am Mittwoch immerhin über eine mögliche Vergütungsstruktur verständigt. Nun müsse man sich noch auf "die Höhe der Vergütung" einigen, erklärte KBV-Vize Regina Feldmann. Die Verhandlungen seien "auf einem guten Weg".

Feldmann geht davon aus, dass es bis zur Sitzung des Erweiterten Bewertungsausschusses zu einer Einigung kommen wird, sodass die berechtigten Versicherten fristgemäß ab Oktober den Plan erhalten können.

Und die Ärzte den zusätzlichen Aufwand vergütet bekommen. Neben den Vergütungsverhandlungen sei man gemeinsam mit den Kassen dabei, Näheres zum Anspruch der Versicherten auf einen Medikationsplan im Bundesmantelvertrag festzulegen, berichtet die KBV. Auch hier hat die KBV vorsorglich schon einmal das Schiedsamt angerufen.

Übrigens geht die Standesvertretung selbst bei den Honorarverhandlungen für 2017 davon aus, sich noch ohne die Hilfe des Erweiterten Bewertungsausschusses - in dem neben Mitgliedern des Bewertungsausschusses ein unparteiischer Vorsitzender (Jürgen Wasem) und zwei weitere unparteiische Mitglieder sitzen - einigen zu können. Laut Gassen sei man derzeit noch in einer "Abtastphase".

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