Ärzte Zeitung online, 19.09.2016

Honorarverhandlungen

KBV will am Geldsegen für die Kassen teilhaben

In die anstehenden Honorarverhandlungen geht die KBV mit einem umfassenden Forderungsprogramm – und trifft dabei auf einen beinharten GKV-Spitzenverband.

Von Helmut Laschet

BERLIN. Der Überschuss der Krankenkassen von 600 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2016 sowie der um 2,5 auf 14 Milliarden Euro erhöhte Bundeszuschuss für die gesetzliche Krankenversicherung müssen nach Auffassung der KBV für die Patientenversorgung mobilisiert werden.

Einen erheblichen Teil reklamiert die KBV für die Vertragsärzte, wie deren Vorsitzender Dr. Andreas Gassen am Freitag vor der Vertreterversammlung in Berlin sagte. Im einzelnen geht um diese Forderungen:

Erhöhung des Orientierungswertes zur Kompensation der gestiegenen Personalkosten,

Einführung einer extrabudgetären Technikpauschale für die hausärztliche Versorgung,

Erhöhung der fachärztlichen Grundpauschalen, um die unterschiedliche Entwicklung von Grundleistungen und spezialisierten Leistungen auszugleichen,

Weiterentwicklung des EBM um neue Leistungen, die zusätzlich zur morbiditätsbedingten Gesamtvergütung honoriert werden müssten, und

eine Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns.

Gassen: IGeL-Debatte "unsägliche Stimmungsmache"

Die Debatte um IGeL bezeichnete Gassen als "unsägliche Stimmungsmache". In Zusammenhang mit der Diskussion um Homöopathie sagte Gassen, es sei "unerträglich, dass die Leistungen der Vertragsärzte quotiert werden, während gleichzeitig GKV-Gelder in Bachblüten und Kügelchen gesteckt werden".

Wie schwierig allerdings Honorarverhandlungen im Detail sind, wird bei der Bewertung des Medikationsplans deutlich, auf den Patienten ab dem 1. Oktober Anspruch haben. Darüber soll nun das Bundesschiedsamt spätestens am kommenden Mittwoch, den 21. September, entscheiden.

Da der Gesetzgeber jedem GKV-Versicherten, der mehr als drei verordnete Arzneimittel einnimmt, einen Medikationsplan zubilligt, die KBV hatte für eine Grenze von fünf Arzneimitteln plädiert, hat ein Drittel aller Kassenpatienten einen Anspruch auf diesen Medikationsplan.

Dazu KBV-Vorstand Regine Feldmann: "Diese millionenfache Ausfertigung und Aktualisierung des Medikationsplans sowie die umfassende Beratung dazu bedeutet für die Vertragsärzte einen großen Aufwand. Dafür fordern wir eine angemessene Vergütung. Am Ende geht es um eine Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit durch sprechende Medizin."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Parodontitis als Risikofaktor für Krebs?

Ist eine Zahnbettentzündung ein Risikofaktor für bestimmte Krebsarten? Innerhalb einer großen Gruppe Frauen in der Menopause haben Forscher deutliche Zusammenhänge gefunden. mehr »

Kinder suchtkranker Eltern brauchen mehr Beachtung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, fordert eine bessere Versorgung und Betreuung der Kinder von Suchtkranken. Kinder von Suchtkranken sind diesmal Schwerpunkt des Drogenberichts. mehr »

Hilfe für die Seele gefordert

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Die Psychoonkologie soll helfen. Aber die Unterstützung ist wenig bekannt und unterfinanziert. mehr »