Ärzte Zeitung, 02.11.2016
 

Adipositas

Therapie für die Privatmedizin

Adipöse Patienten haben oft hohen Leidensdruck – und sie verursachen enorme Kosten im Gesundheitswesen. Für Ärzte kann sich ein Engagement für Patienten durchaus lohnen.

FRANKFURT/MAIN. "Die konservative Therapie bei Patienten mit Adipositas ist bislang nicht sehr durchschlagend." Änderungen in der Ernährung, mehr Bewegung und Verhaltensänderungen allein reichten häufig nicht aus, um Patienten dauerhaft zu helfen, erläuterte Internist Dr. Karsten Behle beim Tag der Privatmedizin Besuchern am Stand von Novo Nordisk.

Doch bevor die Option einer operativen Therapie mit allen Konsequenzen gewählt werde, sei es durchaus indiziert, es mit medikamentöser Therapie zu versuchen, zum Beispiel mit Liraglutid 3mg (Saxenda®). Sie könne in Verbindung mit einem ärztlich geleiteten Programm den Patienten dazu in die Lage versetzen, bis zu acht Prozent vom Ausgangsgewicht zu verlieren und eine Änderung des Lebensstils zu schaffen – und dadurch die Lebensqualität der Patienten steigern.

Die Therapie wird in der Regel von der GKV nicht getragen, kann aber von PKV-Unternehmen nach der Erfahrung Behles auf Antrag bei einem BMI über 35 teilweise übernommen werden. Für privatmedizinisch arbeitende Ärzte oder für Kassenärzte mit Selbstzahlerangeboten könne ein solches Programm mit einer Begleitung des Patienten über 52 Wochen durchaus lukrativ sein. Mit Eingangscheck und einer regelmäßigen Kontrolle, zuerst nach zwei Wochen unter anderem zur Überprüfung der Einstichstelle, dann nach sechs Wochen und schließlich alle drei Monate erhalte ein Patient regelmäßig Feedback und neue Motivation, das Programm fortzusetzen. Abrechnen könnten Ärzte je nach Stand des Programms Beratungen (GOÄ-Nrn. 1, 3 oder 34), Untersuchungen (z. B. GOÄ-Nrn. 7 oder 8), Bioimpedanzanalyse (GOÄ-Nr. 651 analog), Ultraschalluntersuchungen (z. B. GOÄ-Nr. 410) und Labor. Insgesamt könne das Honorar pro Patient bei einem Patienten ohne hohe Steigerungssätze mehr als 1000 Euro erreichen, so Behle. (ger)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

"Gelegenheits-Chirurgie ist nicht akzeptabel"

Die Risiken, direkt im Zusammenhang mit einer Op im Krankenhaus zu sterben, sind in Häusern mit geringen Fallzahlen höher als in spezialisierten Kliniken. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »