Ärzte Zeitung, 03.11.2016
 

NäPA-Förderung

Bald soll mehr Geld in den Praxen ankommen

Die NäPA-Förderung läuft noch immer nicht rund, Honorar bleibt liegen. KBV und GKV verhandeln, wie sich die Abrechnungsvoraussetzungen für die Delegation erleichtern lassen. Unterdessen bekräftigt der Hausärzteverband seine Forderung, das NäPA-Budget als Zuschlag zur Chronikerpauschale auszuzahlen.

Von Christoph Winnat

BERLIN. 118 Millionen Euro sollten ab 2015 pro anno den Hausärzten über drei neue EBM-Ziffern (GOP 03060, 03062 und 03063) für den Einsatz nichtärztlicher Praxisassistentinnen (NäPA) extrabudgetär zufließen. So sah es die Honorarvereinbarung vor. Allerdings wurden im ersten Jahr mit 44 Millionen Euro gerade mal 37 Prozent des Geldes angefordert. Dieses Jahr sieht es kaum besser aus: Im ersten Quartal belief sich laut KBV das für NäPA-Ziffern angeforderte Honorar auf rund 16 Millionen Euro.

Bleibt es bei dieser Quote, blieben im Gesamtjahr mehr als 50 Millionen Euro liegen, das unausgeschöpfte Finanzvolumen summierte sich auf fast 130 Millionen Euro.

NäPA-Reform zum 1. Januar?

Nun soll der Bewertungsausschuss die NäPA-Regularien zum 1. Januar 2017 so anpassen, "dass das Vergütungsvolumen besser ausgeschöpft werden kann", wie es in einem Schreiben der KBV an die KVen heißt, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt. In der Sache haben KBV und GKV-Spitzenverband bis dato aber nur eine erste Verständigungsrunde absolviert. Bis zum Jahreswechsel einen Anpassungsbeschluss in trockenen Tüchern zu haben scheint ehrgeizig. An vier Stellschrauben will die KBV die NäPA-Förderung nachjustieren:

Die Leistungsbewertung soll angehoben und die Bereinigung um Patienten in Selektivverträgen entschärft werden. Damit will man erreichen, dass mehr Praxen NäPA-Leistungen anfordern. Derzeit würden zwar rund 65 Prozent der Hausarztpraxen die Voraussetzungen zur Abrechnung der NäPA-Leistungen erfüllen; doch nur ein Fünftel dieser Praxen – bundesweit knapp 5000 – rechneten sie auch tatsächlich ab.

Zugleich soll die geforderte Mindestfallzahl abgesenkt werden, um auch kleineren Praxen eine NäPA schmackhaft zu machen.

Außerdem will die KBV konkrete Leistungen in den EBM aufnehmen, mit denen eine NäPA beauftragt werden kann.

In der Delegations-Vereinbarung (Anlage 8 des Bundesmantelvertrags) soll zudem das Patientenkriterium 65. Lebensjahr auf das 55. Lebensjahr abgesenkt werden sowie die Befristung der Übergangsregelung für NäPA in Ausbildung aufgehoben werden.

Beim GKV-Spitzenverband kann man sich nach jetzigem Verhandlungsstand einen Zuschlag auf die Besuchsziffern 03062 und 03063 durchaus vorstellen, jedoch nur auf zwei Jahre befristet. Außerdem müsse dieser Zuschlag im zweiten Jahr entsprechend einer Prognose des nicht abgerufenen Leistungsbedarfs reduziert werden. Offen zeigen sich die Kassen auch für eine modifizierte Bereinigung der zur NäPA-Abrechnung vorausgesetzen Fallzahlen um die Patienten in Hausarztverträgen. Mit einer pauschalen Aufwertung der Strukturpauschale (03060) will sich die Kassenseite hingegen nicht anfreunden, da nach ihren Berechnungen elf Prozent der Praxen, die die Pauschale erhalten, keine NäPA-Hausbesuche erbringen.

"Skandalöser Zustand"

Unterdessen sind die Modifikationen der NäPA-Vergütung, mit denen die KBV sich derzeit trägt, dem Hausärzteverband viel zu kompliziert. Damit treibe man, so Verbandschef Ulrich Weigeldt, "die bürokratischen Belastungen in nicht mehr nachvollziehbarer Weise auf die Spitze". In einem offenen Brief an die Vorstände von KBV, KVen und GKV-Spitzenverband moniert Weigeldt, "den Hausärzten und ihren Patienten" werde ein "Großteil der ihnen zustehenden Gelder vorenthalten. Das ist aus unserer Sicht ein skandalöser Zustand". Weigeldt erneuerte seine Forderung, das NäPA-Budget einfach als Zuschlag auf die Chronikerpauschale auszuzahlen. Damit würde "sichergestellt, dass das Geld tatsächlich für die Versorgung der Patienten in den Hausarztpraxen zur Verfügung steht".

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