Ärzte Zeitung, 14.12.2016
 

Honorar

Eckpunkte zur Anpassung der Laborvergütung stehen

Seit Jahren knirscht es zwischen Haus- und Fachärzten, wenn es um die kassenärztliche Laborvergütung geht. Die KBV hat jetzt kurz vor Ende der Legislatur das Thema angepackt – mit Konsequenzen für Ärzte unter anderem bei den Ausnahmekennziffern.

Von Hauke Gerlof

Eckpunkte zur Anpassung der Laborvergütung stehen

Die Refom des Laborhonorars ist auf dem Weg. Bis Juli 2017 wollen sich Kassenseite und Ärzteschaft auf die Details verständigt haben.

© Henrik Dolle / fotolia.com

BERLIN. Die Mehrheit in der KBV-Vertreterversammlung am Freitag war deutlich, aber unumstritten ist der Beschluss zu den Eckpunkten einer Neuregelung der Laborvergütung trotzdem nicht.

Beschlossen wurde zum einen eine Änderung des Wirtschaftlichkeitsbonus‘ (EBM-Nr. 32001, derzeit 17 Punkte für Hausärzte je Fall), zum anderen eine Anpassung der KBV-Vorgaben zur Honorarverteilung mit Blick auf die Laborvergütung. Die Änderungen sollen nun in Verhandlungen zwischen Ärzten und Kassen konkretisiert werden und im Juli 2017 in Kraft treten.

Wirtschaftlichkeitsbonus: Statt der fachgruppenbezogenen Fallpunktzahlen für die Laborkosten (Hausärzte: 9 Punkte für Allgemeinversicherte, 14 Punkte für Rentner) soll es in Zukunft eine individuelle Vergütung des Wirtschaftlichkeitsbonus‘ je nach praxisindividuell abgerechneten Kosten (selbst erbracht oder veranlasst) für Laboruntersuchungen geben. Diese Kosten werden mit den durchschnittlichen Kosten der eigenen Fachgruppe verglichen: Wer zu den 25 Prozent der Ärzte gehört, die am wenigsten Laborkosten verursachen, erhält den Bonus voll ausgezahlt, wer zu den 25 Prozent der Ärzte gehört, die die höchsten Laborkosten verursachen, bekommt keinen Wirtschaftlichkeitsbonus mehr. Dazwischen soll der Bonus langsam abgeschmolzen werden.

Ausnahmekennziffern: Die EBM-Nummern 32005-32023 mit den Ausnahmeindikationen, für die kein Abzug vom Wirtschaftlichkeitsbonus erfolgt, werden überarbeitet. Zudem sollen die Ausnahmetatbestände in Zukunft nur noch für die spezifischen Laborparameter gelten, bei Diabetikern (Nr. 32022) also etwa nur für Glukose, Kreatinin, Eiweiß im Urin und HbA1c. Alle anderen Laborparameter, die erhoben werden, sollen künftig auf den Bonus angerechnet werden. Ärzte, die Patienten haben, auf die mehrere Ausnahmeindikationen zutreffen (z.B. Diabetiker mit Rheuma) sollten in Zukunft daher alle passenden Nummern in der Abrechnung notieren.

Anpassung der Honorarverteilung: Aus dem Grundbetrag Labor, der in der Gesamtvergütung bisher vorweg abgezogen wurde und damit letztlich von Haus- und Fachärzten gemeinsam finanziert wurde, werden in Zukunft nur noch der Wirtschaftlichkeitsbonus und veranlasste Laborleistungen (Anforderungen über Muster 10) vergütet. Andere Laborleistungen werden auf die Bereiche Fachärzte, Hausärzte und Bereitschaftsdienst aufgeteilt, je nachdem, wer sie erbringt – etwa selbst erbrachte Laborleistungen eines Hausarztes werden aus dem Hausarzttopf vergütet. Bislang müssen Haus- und Fachärzte gemeinsam die bundesweit festgesetzte Laborquote von 91,58 Prozent gemeinsam finanzieren, wenn der Laborgrundbetrag nicht ausreicht. Wegen des unklaren Trennungsfaktors war es daraufhin etwa in Rheinland-Pfalz zu vielen Einsprüchen gegen die Honorarbescheide gekommen. Letztlich geht es um hohe Summen, weil die Laboranforderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind.

Insgesamt werde mit dem Paket bezweckt, die Leistungsanforderungen zu reduzieren und so den Finanzierungsbedarf aus anderen Honorartöpfen zu reduzieren, so Dr. Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Laborärzte, auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Er kritisiert, dass die Regelungen jetzt vorschnell, ohne die Auswirkungen vorher durchzurechnen, eingeführt werden. Bobrowski erinnert an die Reaktionen Ende der 1990er-Jahre, als die Laborreform auf einen Schlag die Anforderungen an die Labors um 40 Prozent reduzierte.

Auch der Hausärzteverband kritisiert die Eckpunkte: "Unsere Kritik an der Laborvergütung war immer, dass dabei schlichtweg die gesetzlich vorgeschriebene Trennung zwischen der hausärztlichen und der fachärztlichen Gesamtvergütung unterlaufen wird. Daran ändert der jetzige Beschluss der VV nichts", bedauert Joachim Schütz, Geschäftsführer und Justiziar des Deutschen Hausärzteverbandes.

Laut KBV soll jetzt versucht werden, die Kosten im Laborbereich insgesamt abzusenken und die Höhe der anteiligen Nachschusszahlungen der Hausärzte im Falle einer Unterdeckung bei dem "Grundbetrag" Labor zu reduzieren. Das solle in erster Linie durch eine komplizierte Neuregelung des Wirtschaftlichkeitsbonus und eine Reduzierung der Beteiligungsquote der Hausärzte an der Finanzierung des Grundbetrages und eventueller Nachschusszahlungen erfolgen. "Es wird jedoch an der aus unserer Sicht rechtswidrigen Grundkonzeption festgehalten: Hausärzte sollen für rein fachärztliche Leistungen (Laborärzte) mitbezahlen. Das ist nicht zulässig und zwar auch dann nicht, wenn es sich um von Hausärzten veranlasste Leistungen handelt. So sieht es auch dieRechtsprechung."

Wirtschaftlichkeits-Bonus

EBM-Nr. 32001: Wirtschaftliche Erbringung und/oder Veranlassung von Leistungen des EBM-Kapitels 32.

Vergütung: Für Hausärzte 17 Punkte je kurativ-ambulantem Behandlungsfall.

Abschmelzen des Bonus‘: Je Fall stehen Ärzten vorgegebene Punktzahlen für Laborleistungen zur Verfügung. Wer diese überschreitet, dessen Wirtschaftlichkeitsbonus wird künftig nach und nach bis auf null abgeschmolzen.

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