Ärzte Zeitung, 10.01.2017
 

Verordnung

Neuerungen bei Heilmitteln greifen

Seit Januar ist eine erweiterte Diagnoseliste in Kraft. Die macht vor allem die Verordnung langfristiger Heilmittel leichter.

NEU-ISENBURG. Heilmittel sind nicht nur immer wieder Streitthema zwischen Patienten und Kassen. Sie können im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung auch Ärzte in die Bredouille bringen. Doch das soll sich nun ändern.

Seit Jahresstart gilt ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für den langfristigen Heilmittelbedarf. Danach entfällt die Genehmigung durch die Krankenkasse des Patienten, wenn dessen Erkrankung in der Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf aufgeführt wird. Und Letztere wurde just zum 1. Januar erweitert. Neu aufgenommen wurden etwa schwere COPD, angeborene Fehlbildungssyndrome, Chromosomenanomalien und Systemischer Lupus. Neu ist dabei auch, dass die Erweiterungen der Diagnoseliste künftig vom Gemeinsamen Bundesausschuss entschieden werden.

Die Diagnoseliste ist für Ärzte aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Alle Verordnungen, die auf Erkrankungen dieser Liste beruhen und damit einen langfristigen Heilmittelbedarf begründen, unterliegen nicht der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Sie werden laut KBV also erst gar nicht in ein Prüfverfahren einbezogen.

Für nicht gelistete Diagnosen, bei denen der Arzt ebenfalls einen langfristigen Heilmittelbedarf erkennt, gilt nun: Die Patienten reichen bei ihrer Kasse einen formlosen Antrag sowie die Kopie der Heilmittelverordnung ein. Die Verordnung bedarf einer medizinischen Begründung, aus der Schwere und Langfristigkeit der Schädigung, die Beeinträchtigung der Aktivitäten und der Therapiebedarf hervorgehen sollten. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen über den Antrag entscheiden. Die Verordnung ist allerdings schon vorher gültig, damit kann die Therapie auch dann beginnen, wenn noch keine Genehmigung der Kasse vorliegt.

Wichtig ist zudem, dass Vertragsärzte seit Januar für die Verordnung von Heilmitteln eine zertifizierte Software einsetzen und dies bei der Sammelerklärung zur Quartalsabrechnung auch bestätigen müssen. Bis Ende März gilt hier jedoch eine Übergangsfrist. (reh)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »