Ärzte Zeitung, 06.02.2017
 

KBV-Honorarbericht

Diese Ärzte profitieren vom Honorarplus

Um nahezu 226 Millionen Euro ist die Gesamtvergütung im ersten Quartal 2015 gestiegen. Doch das Plus kam längst nicht bei allen Fachgruppen an, wie der aktuelle Honorarbericht der KBV zeigt. Von 33 untersuchten Fachgruppen konnten nur fünf ein merkliches Wachstum vorweisen.

Von Rebekka Höhl

Diese Ärzte profitieren vom Honorarplus

Obwohl mehr Geld ins Kassenarztsystem geflossen ist, ist bei den Vertragsärzten im ersten Quartal 2015 nur bedingt etwas davon angekommen.

© esoxx01 / Fotolia

BERLIN. Obwohl mehr Geld ins Kassenarztsystem geflossen ist, ist bei den Vertragsärzten im ersten Quartal 2015 nur bedingt etwas davon angekommen. Der Honorarumsatz je Arzt sank im Vergleich zum ersten Quartal 2014 im Bundesschnitt um 0,1 Prozent. Gleichzeitig legte die Gesamtvergütung aber um 2,6 Prozent bzw. 225,7 Millionen Euro zu. So das Ergebnis des nun vorgelegten KBV-Honorarberichts für I/ 2015.

Mehr Ärzte, aber weniger Fälle

Dass es bei der regionalen Verteilung, aber auch bei der Verteilung des Gesamthonorars auf die Fachgruppen immer wieder dazu kommt, dass die einen mehr und die anderen weniger profitieren, ist nicht neu. Interessant an den aktuellen KBV-Zahlen ist aber, dass gerade die Hausärzte mehr Behandlungsfälle verzeichneten, während es bei den Fachärzten physisch zwar mehr Ärzte, aber weniger Fälle gab.

So hat sich im hausärztlichen Versorgungsbereich der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt in I/2015 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,5 Prozent auf 53.712 Euro leicht erhöht. Der Honorarumsatz je Behandlungsfall sank jedoch im Schnitt um minus drei Prozent auf 60,37 Euro. Das liegt daran, dass von einer nahezu gleichbleibenden Zahl von Hausärzten (+ 0,3 Prozent) deutlich mehr Behandlungsfälle (+ 3,9 Prozent) zu erbringen waren. Je Arzt seien die Behandlungsfälle um 3,6 Prozent gestiegen, so die KBV.

Dabei ist die Verteilung des Honorarplus innerhalb des hausärztlichen Bereichs regional sehr verschieden: Das größte Plus erzielte Hamburg mit 5,4 Prozent. Allerdings lag dort der durchschnittliche Honorarumsatz in I/2015 je Arzt auch bei nur 48.728 Euro. An zweiter Stelle folgt die KV Niedersachsen mit plus 3,6 Prozent (Honorarumsatz je Arzt: 61.854 Euro).

Für Hausärzte: Minus in fünf Regionen

In fünf KVen mussten die Ärzte des hausärztlichen Bereichs einen Rückgang ihres Honorarumsatzes hinnehmen: Bayern (-4,5 Prozent; 47.450 Euro), Nordrhein (-2,6 Prozent, 54.441 Euro), Mecklenburg-Vorpommern (-2,2 Prozent, 62.557 Euro), Sachsen (-1,3 Prozent, 59.977 Euro) und Thüringen (-0,7, 64.858 Euro). Bei der KV Bayerns ist allerdings – ähnlich wie in Baden-Württemberg – zu berücksichtigen, dass die Ärzte einen hohen Anteil an selektivvertraglichen Leistungen erbringen. Und die werden in der KBV-Statistik nicht berücksichtigt.

Die Fachärzte mussten hingegen insgesamt einen Rückgang beim Honorarumsatz verschmerzen: Er sank im Bundesschnitt um 0,9 Prozent auf 52.127 Euro. Dabei betraf der Rückgang elf KV-Regionen, in Westfalen-Lippe wurde eine glatte Nullrunde gefahren und in Bremen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und dem Saarland gab es ein Plus zwischen 0,6 und 4,6 Prozent.

Der Behandlungsfall je Arzt hingegen legte im Bundesschnitt im selben Zeitraum um 2,7 Prozent auf 68,02 Euro zu, obwohl die Zahl der Ärzte im fachärztlichen Versorgungsbereich gegenüber dem Vorjahresquartal in I/2015 um 2,2 Prozent gestiegen ist. Das Mehr an Ärzten, hat aber weniger Fälle erbracht: Die Zahl der Behandlungsfälle sank nämlich um 1,4 Prozent. Die durchschnittliche Anzahl der Behandlungsfälle je Arzt hat sich nach dem KBV-Bericht sogar um 3,5 Prozent reduziert.

Weiter analysiert werden diese Daten von der KBV nicht. Es könnte aber sein, dass sich der Effekt aus der Zunahme der Zahl angestellter Ärzte in der fachärztlichen Versorgung ergibt. Denn diese arbeiten nach den aktuellen Daten aus dem Praxis-Panel des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zu 50 Prozent nur zwischen fünf und 20 Stunden die Woche und in der Regel nicht mehr als 40 Stunden pro Woche. Während Praxisinhaber im Schnitt 50 Stunden je Woche ableisten. Möglich wäre ebenso eine Verschiebung in Richtung Privatfälle.

Die große Stagnation

Beim Blick in die Fachrichtungen zeigt sich, dass der Honorarumsatz je Arzt zwar in zwölf von 33 analysierten Fachgruppen steigt, ein merkliches Wachstum verzeichnen dabei aber nur fünf Fachgruppen: Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen (+9,2 Prozent), Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen (+5,1 Prozent), Augenärzte (+3,2 Prozent), Humangenetiker (+3,0 Prozent) sowie Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin (+3,2 Prozent). In acht Fachgruppen sinkt der Honorarumsatz, beim Rest stagniert er.

Die KBV weist auch den Überschuss je Arzt aus vertragsärztlicher Tätigkeit aus. Dieser lag für die Hausärzte in I/2015 bei im Schnitt 27.892 Euro und 0,5 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Das größte Plus erzielten hier die Augenärzte: Ihr GKV-Überschuss je Arzt legte um 3,2 Prozent auf im Schnitt 33.672 Euro zu. Das größte Minus mussten die Kinder- und Jugendpsychiater/-psychotherapeuten hinnehmen: Ihr GKV-Überschuss sank um 6,3 Prozent auf im Schnitt 30.561 Euro. Den geringsten GKV-Überschuss erwirtschafteten im ersten Quartal 2015 übrigens die ärztlichen Psychotherapeuten mit im Schnitt 13.529 Euro (-1,4 Prozent zum Vorjahresquartal), den höchsten die Gastroenterologen mit im Schnitt 43.655 Euro (+0,1 Prozent zum Vorjahresquartal).

Bei der Verteilung der Gesamtvergütung zeigt sich, dass das Honorarvolumen für extrabudgetäre Leistungen im ersten Quartal 2015 stärker zugenommen hat (+4,4 Prozent auf insgesamt 2,97 Milliarden Euro) als das Volumen der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (+1,9 Prozent auf insgesamt 5,976 Milliarden Euro). Dabei machen die extrabudgetären Leistungen in den meisten KV-Regionen ein Drittel oder mehr der Gesamtvergütung aus.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »