Ärzte Zeitung online, 10.03.2017

iFOBT

Sechs Euro für Ausgabe des Stuhltests und Beratung

Quantitative immunologische Stuhltests sind ab April Kassenleistung. Über das Prozedere und die Höhe des Honorars haben sich Ärzte und Krankenkassen jetzt im Bewertungsausschuss geeinigt.

Von Hauke Gerlof

Entscheidung zu iFOBT ist gefallen

Die Früherkennungsmöglichkeiten für Darmkrebs werden mit dem iFOBT um einen wichtigen Test erweitert.

© SP-PIC / Fotolia

BERLIN. Das neue Stuhltest-Verfahren zur Früherkennung von Darmkrebs steht ab 1. April gesetzlich Versicherten als Kassenleistung zur Verfügung. KBV und GKV-Spitzenverband haben sich auf die Vergütung für die Ausgabe der Tests und die dazugehörige Beratung der Patienten sowie für die Durchführung des Tests im Labor geeinigt. Nach Mitteilung der KBV vom Donnerstagabend bezieht sich der Beschluss des Bewertungsausschusses auf drei Positionen (GOP) im EBM:

Unser Kommentar

Prävention mit Konzept

- GOP 01737: Die Ausgabe und Rücknahme des Stuhltests und die damit zusammenhängende Beratung auch nach positivem Test werden ab April mit 57 Punkten (6 Euro) extrabudgetär vergütet. Die Leistung im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung können Hausärzte, Chirurgen, Gynäkologen, Hautärzte, Facharztinternisten und Urologen abrechnen.

- GOP 01734: Der weniger spezifische und weniger sensitive alte Guajak-basierte Test auf okkultes Blut im Stuhl (gFOBT) ist ab April bei der Prävention keine Kassenleistung mehr. Er war mit 2,63 Euro (25 Punkte), also deutlich geringer bewertet als der neue Test.

- GOP 01738: Der iFOBT wird im Speziallabor erbracht. Laborärzte werden für die Leistung mit 7,90 Euro (75 Punkte) einschließlich der Kosten für das Stuhlproben-Entnahmesystems vergütet. Dabei müssen die von den Laborärzten genutzten Tests die Anforderungen erfüllen, auf die sich GKV-Spitzenverband und KBV bereits Ende Februar geeinigt hatten.

Anspruch auf die neue Kassenleistung haben Patienten ab 50 Jahren. Sie beruht auf der im Oktober in Kraft getretenen Änderung der Krebsfrüherkennungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Studien hätten gezeigt, dass mit immunologischen Tests nicht sichtbares Blut im Stuhl insbesondere mit einer höheren Sensitivität nachgewiesen werden kann als mit dem gFOBT, so die KBV. Nach Inkrafttreten der Änderung der Richtlinie im Oktober haben KBV und Krankenkassen die Frist für die Einführung von iFOBT als Kassenleistung bis zum letzten Augenblick ausgenutzt.

Die ersten Reaktionen auf den Beschluss des Bewertungsausschusses fallen gemischt aus. Die Entscheidung bereite "keine großen Bauchschmerzen", äußerte sich Dr. Ivo Grebe Vizepräsident des Berufsverbands der Internisten, vor allem im Vergleich zur Vergütung des Medikationsplans. Professor Jürgen Riemann, Vorsitzender der Stiftung Lebensblicke, äußerte sich dagegen "sehr enttäuscht". Es zeige einmal mehr, "dass die sprechende Medizin massiv unterbewertet ist".

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