Ärzte Zeitung online, 12.04.2017
 

Notfallversorgung

Fachärzte fordern das Budget-Aus

Der Bundesverband niedergelassener Fachärzte sieht die Anlaufpraxen in Gefahr, wenn Notfälle künftig nicht außerhalb des Budgetdeckels vergütet werden.

NEU-ISENBURG. Die Lücken in der Notfallversorgung könnten künftig noch größer werden, warnt der Bundesverband niedergelassener Fachärzte (BVNF). "Aus Anlaufpraxen werden Auslaufpraxen!", skizziert der BVNF-Vorsitzende Dr. Wolfgang Bärtl. Denn die Praxen könnten aufgrund der Budgetierung Notfallleistungen betriebswirtschaftlich nicht mehr erbringen.

Das System funktioniere nur, wenn man den Praxisinhabern eine feste und angemessene Vergütung für jeden Notfall gewährleiste, also auch für jene Notfälle, die in die regulären Sprechzeiten fallen.

Der BVNF spricht damit sehr offen ein Kernproblem der Notfallversorgung an: "Wir wissen, dass weit über 50 Prozent aller sogenannten Notfälle in den Klinikambulanzen auch während der Sprechzeiten Beschwerden/Verletzungen des Bewegungsapparates sind", so Bärtl, der selbst als Orthopäde in Neumarkt niedergelassen ist.

Notfallleistungen seien in diesen Fällen "typische Grundleistungen, abgesehen vom Röntgen, Basislabor oder Immobilisierenden Verbänden/Gipsen", erläutert er. Bärtl: "Kein halbwegs betriebswirtschaftlich kalkulierender Praxisbetreiber wird unter diesen Bedingungen großzügig Freiräume für Notfälle schaffen, da er in dieser Zeit effektivere Leistungen erbringen kann, die nicht in das ohnehin schon ausgeschöpfte Budget fallen."

Der BVNF fordert daher die KBV-Delegierten auf, den Vorstand der Körperschaft in die Lage zu versetzen, den "beschlossenen Antrag zur Ausbudgetierung aller Unfall- und Notfallleistungen bei den anstehenden Honorarverhandlungen vorrangig zu verhandeln." Dabei sei der Schulterschluss mit den Kliniken wünschenswert.(eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »

Jamaika – Paritätische Finanzierung ist vom Tisch

Ein neues Sondierungspapier zeigt: Die potenziellen Jamaika-Partner suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Gesundheitspolitik. mehr »