Ärzte Zeitung online, 13.04.2017
 

iFOBT

Präventions-Konzept mit Honorarpotenzial

Seit 1. April ist der immunologische Stuhltest zur Darmkrebsfrüherkennung als Kassenleistung abrechenbar. Dabei kann er auch im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung – also des Check-up 35 – ausgegeben werden. Sofern die Patienten das richtige Alter haben.

Von Peter Schlüter

Der Nachweis von okkultem Blut im Stuhl ist eine sehr wichtige Untersuchung für die Diagnostik von kolorektalen Karzinomen. Etwa 70 bis 80 Prozent aller kolorektalen Polypen sind Adenome, die als Neoplasien eine maligne Potenz in sich tragen. Solche Polypen sind stark vaskularisiert, was recht schnell zu geringen Blutbeimengungen im Stuhl führen kann. Zum Nachweis dieser Blutbeimengungen im Stuhl wurde bislang der Hämoccult®-Stuhltest durchgeführt.

Dieser Test erfasst durch die Peroxidaseaktivität des Hämoglobins kleinste Mengen an Blut (Sensitivität: 30 bis 60 Prozent; Spezifität: 70 bis 85 Prozent). Der prädiktive Vorhersagewert des Hämoccult®-Testes liegt bei 40-65 Prozent. Es hat sich jedoch gezeigt, dass immunologische Tests – bzw. der immunologische Test für humanes Hämoglobin (iFOBT) – wesentlich spezifischere Ergebnisse zeigen. Der Vergleich Hämoccult vs. immunologischer Stuhltest zeigt eine Steigerung der Sensitivität um 90 Prozent bei gleichzeitiger Verbesserung der Spezifität um ca. 40 Prozent bezogen auf Karzinome und fortgeschrittene Adenome.

Zwar hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) bereits 2016 beschlossen, den bislang verwendeten Guajac-basierten Test durch einen quantitativen immunologischen Test abzulösen. Auch die entsprechende Krebsfrüherkennungs-Richtlinie wurde geändert. Damit stand seit Oktober 2016 eigentlich ein neues Testverfahren zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms zur Verfügung, es konnte aber nicht als Kassenleistung abgerechnet werden. Durch den Beschluss des GBA wurde der Bewertungsausschuss verpflichtet, bis spätestens zum 31. März 2017 die neue Leistung in den EBM aufzunehmen. Nach den entsprechenden Anpassung im EBM gibt es seit 1. April auch eine entsprechende Gebührenordnungsposition (GOP). Diese hat nicht nur Auswirkungen auf die bisherige Abrechnungspraxis: Der Beschluss des GBA sieht zwar vor, dass der Arzt wie bisher den Stuhltest an die Patienten ausgibt. Anders als bisher jedoch kann die Auswertung nicht vom Arzt in der Praxis durchgeführt werden. Der Arzt muss also den Test zur Auswertung ans Labor weitergegeben. Die Auswertung darf entsprechend der Richtlinien lediglich von Ärzten vorgenommen und abgerechnet werden, die über eine Abrechnungsgenehmigung für Leistungen des EBM-Abschnitts 32.3 verfügen.

Geänderte Richtlinie beachten

Nach der geänderten Krebs-Früherkennungsrichtlinie (§ 39) dürfen für den i-FOBT dabei nur Tests verwendet werden, die folgende Kriterien erfüllen: Mit der Untersuchung von nur einer Stuhlprobe werden für die Detektion von kolorektalen Karzinomen oder fortgeschrittenen Adenomen eine Sensitivität von mindestens 25 Prozent und eine Spezifität von mindestens 90 Prozent erreicht.

Abrechnungstechnisch müssen Sie beachten, dass die GOP 01734 zum 1. April aus dem EBM gestrichen wurde. Die GOP 32040 für die Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl im kurativen Bereich wird zum 1. Oktober endgültig gestrichen, ebenso wie die GOP 40150 für den Kostenersatz des Stuhlbriefchens wenn der Patient dieses nicht zurückgebracht hat und somit die GOP 01734 bzw. 32040 nicht abgerechnet werden konnten.

Die Ausgabe und Rücknahme des Stuhl-Tests wird nun mit der neuen GOP 01737 abgerechnet, die mit 6 Euro vergütet wird. Neu ist auch die Empfehlung, dass Hausärzte auch bei Gesundheitsuntersuchungen (Check-up 35) – sofern die Patienten das Anspruchsalter von 50 Jahren erreicht haben – den iFOBT ausgeben sollen. Dahinter steckt die Bemühung, mehr Versicherte als dies bisher der Fall ist, vor allem den Krebsvorsorgeuntersuchungen zuzuführen. Statistische Erhebungen zeigen, dass Vorsorgeuntersuchungen insgesamt immer noch zu wenig in Anspruch genommen werden. Hier lassen Ärzte regelmäßig ein gewaltiges Umsatzpotenzial liegen. Schließlich werden alle Vorsorgeleistungen extrabudgetär und ohne Mengenbegrenzung vergütet.

Dr. Dr. Peter Schlüter ist niedergelassener Allgemeinarzt in Hemsbach an der Bergstraße. Seit mehr als 20 Jahren hält er Abrechnungsseminare für niedergelassene Ärzte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Fettsäurehypothese bei MS erhält neue Nahrung

Ist eine ungesunde Ernährung einer der Gründe, weshalb manche Menschen an MS erkranken? Es mehren sich jedenfalls Hinweise für einen entscheidenden Einfluss auf die Darmflora. mehr »

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »