Ärzte Zeitung online, 03.05.2017
 

Gesundheitskarte

Ärzte erhalten 2620 Euro für Konnektor

Von Marco Hübner

Ärzte erhalten 2620 Euro für Konnektor

Die Refinanzierung für den Anschluss der Arztpraxen an die Telematikinfrastruktur steht.

© Volker Witt / Fotolia

BERLIN. Die Refinanzierung für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) steht: Für die einmalige Anschaffung des Konnektors erhalten Ärzte einen Erstattungsbetrag von 2620 Euro. Darauf haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nach Einschaltung des Bundesschiedsamtes geeinigt.

Mit dem Ergebnis zeigen sich die Vertragspartner zufrieden: "Unser wichtigstes Ziel war es, dass die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen nicht auf Kosten sitzen bleiben, die ihnen durch die gesetzlich vorgeschriebene Anbindung an die sektorenübergreifende Telematikinfrastruktur entstehen.

Dieses Ziel haben wir erreicht", wird KBV-Chef Dr. Andreas Gassen in einer Mitteilung vom Mittwoch zitiert.

Der vereinbarte Betrag für den Anschluss an das Datennetz gelte für das dritte Quartal 2017. In den drei Folgequartalen sinke dieser Betrag um jeweils zehn Prozent.

Außerdem haben sich die Vertragspartner auf Erstattungen für die Kartenterminals geeinigt: Für stationäre Geräte soll es 435 Euro und für mobile Geräte 350 Euro geben. Hinzu komme eine sogenannte Startpauschale für Ärzte in Höhe von 900 Euro.

Zudem soll es auch eine finanzielle Unterstützung für den laufenden Betrieb geben, deren Umfang aber noch nicht bekannt ist. Die Vereinbarung werde bis Mitte Mai ausformuliert und gelte ab dem 1. Juli, heißt es.

[05.05.2017, 11:13:47]
Klaus Günterberg 
Schön, aber nicht gut. Unser wichtigstes Ziel aber ist: Wir wollen weder Zeit noch Geld für fremden Nutzen einsetzen
"Unser wichtigstes Ziel war es, dass die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen nicht auf Kosten sitzen bleiben, die ihnen durch die gesetzlich vorgeschriebene Anbindung an die sektorenübergreifende Telematikinfrastruktur entstehen. Dieses Ziel haben wir erreicht", wird KBV-Chef Dr. Andreas Gassen in einer Mitteilung vom Mittwoch zitiert. Schön, aber nicht gut. Unser wichtigstes Ziel ist es, dieses Projekt zu verhindern. Darum sollte Herr Gassen jegliche Mitwirkung an diesem Projekt ablehnen.

Wir Ärzte wehren uns gegen das geplante Stammdatenmanagement, gegen ein System, bei dem verwaltungsrelevante Änderungen der Versicherten-Daten (bspw. der Versicherten-Nummer, des Versicherten-Status, des Familiennamens, der Adresse) letztlich in den Arztpraxen erfolgen sollen. DER NUTZEN LIEGT ALLEIN BEI DEN KRANKENKASSEN.

Wir Ärzte haben in Hard- und Software, immer dort, wo dies wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll war, schon sehr viel investiert. WIR WOLLEN ABER NICHT FÜR FREMDEN NUTZEN ZAHLEN.
Niemand glaubt doch, dass es bei den Kosten für denn Start und für die Terminals bliebe.

Dass für das System AUCH ÄRZTLICHE ARBEITSZEIT eingesetzt werden muss, wird geflissentlich verschwiegen: Programme zur Stammdatenaktualisierung müssten in jeder ambulanten Einrichtung eingerichtet werden, später benötigten sie Wartung, in größeren Abständen auch Erneuerung. In Krankenhäusern kann man dazu ausgebildete Informatiker einsetzen, in der ärztlichen ambulanten Praxis aber ist nicht die Arzthelferin, ist bestenfalls der Arzt dazu qualifiziert, ist dessen kostbare Zeit gefragt.
Wenn solche Verwaltungsaufgaben, die bisher von Versicherungsfachangestellten ausgeführt wurden, künftig auf Ärzte, auf die im Gesundheitswesen am höchsten Qualifizierten, auf die mit der teuersten und längsten Ausbildung, verlagert werden sollen, empfinden Ärzte dies, gelinde ausgedrückt, als unproduktiv und wehren sich dagegen. Schon heute beklagen sich Patienten, Juristen, Kassen und Gesundheitspolitiker, dass Ärzte zu wenig beraten würden. Da ist jede Maßnahme, die Ärzten Zeit nimmt, um die Verwaltung zu entlasten, kontraproduktiv und geht zu Lasten der Patienten, zu Lasten der medizinischen Betreuung.

Die ÄNDERUNGEN DER VERSICHERTENSTAMMDATEN SIND ELEMENTARE VERWALTUNGSAUFGABEN, die durchaus in den Zweigstellen der Krankenkassen vorgenommen werden können. Für Krankenkassen ohne Zweigstellen könnte dies durchaus in regionalen Zweigstellen anderer Kassen geschehen; hier ist nicht die kostbare Zeit der Ärzte, hier ist die Solidarität der Krankenkassen gefragt.

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe. Berlin
 zum Beitrag »
[05.05.2017, 02:04:19]
Uwe Wolfgang Popert 
Trojanisches Pferd
Die Erstattungsbeträge hören sich ganz passabel an.
Allerdings - erst einmal installiert, müssen die Praxen dann so nebenher auch noch das Stammdatenmanagement der kranken Kassen erledigen.
Das ist sehr zeitaufwendig - und deswegen mit erheblichen Personalkosten verbunden. Das vermeintlich großzügige Angebot ist eine Kostenfalle. zum Beitrag »
[04.05.2017, 13:03:51]
Richard Barabasch 
"Interessante Sichtweise"
Ja, der Steuerzahler hat das bezahlt und zahlt es tagtäglich durch das "Aufgeld" auf die WARE(N). Der Krankenkassenpflichtversicherte betreuende Vertragsarzt aber IST für alle seine Leistungen staatlich BUDGETIERT und erbringt unwidersprochen seine ihm "tariflich" zustehenden Leistungen mit 30 % UNTER dem VEREINBARTEN "Tarif" OHNE die Möglichkeit, dies einer anderen Person überwälzen zu können UND OHNE einen anderen Weg der "EntgelDung" gehen zu können. Die Maut die das Speditionsgewerbe bzahlt kann voll von der Steuer abgesetzt und auf den Kunden übertragen werden. Vertragsärzte haben keine Kunden und sind staatlich (!!!) per staatliche Gebührenordnung GEZWUNGEN, staatlich festgelegte Preis zu berechnen ! Reichlich Unterschiede zur scheinheiligen Argumentation von Herrn Katzke, meint
R.B. zum Beitrag »
[04.05.2017, 07:26:05]
Lutz Katzke 
Wer zahlt den Telematikinfrastruktur-Anschluss
Interessante Sichtweise, die Dr. Gassen dort an den Tag legt. Die Ärzte dürfen also nicht auf den Kosten "sitzen bleiben". Aber die Beitragszahler, also die Krankenkassen, selbstverständlich.

Hat der Steuerzahler denn auch die Mautgeräte der Spediteure bezahlt?  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bariatrische Chirurgie rückt Bluthochdruck zu Leibe

Adipöse Hypertoniker konnten in einer Studie nach bariatrischer Chirurgie ihre antihypertensive Medikation reduzieren. Die Hälfte erreichte sogar eine Remission des Bluthochdrucks. mehr »

Droht uns jetzt eine Staatskrise?

Jamaika gescheitert, politisches Vakuum in Berlin. Am Beispiel der Gesundheitspolitik lässt sich zeigen, warum das noch keine Krise ist. mehr »

Das müssen Ärzte beim Impfen beachten

Allergische Reaktionen sind eine Kontraindikation für eine erneute Anwendung des Impfstoffs. Ist eine weitere Impfung dennoch nötig, sollten Ärzte diese Tipps beherzigen. mehr »