Ärzte Zeitung online, 12.06.2017
 

Geriatrie

Mit einem halbjährlichen Basisassessment umgehen Sie Abrechnungsfallen

Die Anpassungen des EBM wirken teilweise wie eine Salamitaktik – ein Stückchen nach dem anderen. Vor allem die Ausschlüsse werden dadurch so komplex, dass niemand mehr durchblickt. So zum Beispiel bei geriatrischen Patienten.

Von Peter Schlüter

In einer alternden Gesellschaft werden Leistungen für geriatrische Patienten immer wichtiger. Hier ist in den vergangenen Jahren auch viel geschehen, um Anreize für eine bessere Betreuung dieser Patienten zu setzen. Doch manchmal stellt sich die Selbstverwaltung mit neuen Leistungen und immer komplexeren Ausschlüssen selbst ein Bein. Die Ärzte müssen dann sehen, wie sie damit klarkommen und Abrechnungsfallen umgehen können.

Ein Beispiel dafür ist die zum 1. Oktober 2016 eingeführte EBM-Positionen für die Spezialisierte geriatrische Diagnostik und Versorgung (Abschnitt 30.13). Bevor nun ein geriatrischer Patient vom Hausarzt weitergeleitet wird zu einem weiterführenden geriatrischen Assessment nach GOP 30984, wird – nein muss! – der Hausarzt diese Notwendigkeit natürlich abklären.

Assessment vor dem Assessment

Diese Abklärung vor dem weiterführenden geriatrischen Assessment ist mit der GOP 30980 abzurechnen. Doch vor der Berechnung der GOP 30980 muss ein geriatrisches Basisassessment nach GOP 03360 durchgeführt worden sein, das jedoch auch nicht älter als ein Quartal sein darf. So zumindest verlangen es die Allgemeinen Bestimmungen 30.13.5. Dort heißt es wörtlich: "Die Berechnung der Gebührenordnungspositionen dieses Abschnitts setzt das Vorliegen der Ergebnisse eines geriatrischen Basisassessments entsprechend den Inhalten der Gebührenordnungsposition 03360 voraus. Die Durchführung des geriatrischen Basisassessments darf nicht länger als ein Quartal zurückliegen."

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Die Berechnungsfähigkeit des hausärztlich geriatrischen Basisassessments ist bekanntlich auf maximal zweimal im Krankheitsfall (= 4 Quartale) und auf maximal einmal im Behandlungsfall beschränkt.

Gehen wir einmal davon aus, dass innerhalb eines Krankheitsfalles, bestehend aus vier Quartalen, das hausärztlich-geriatrische Basisassessment jeweils einmal im ersten und im zweiten Quartal durchgeführt wurde.

Im 4. Quartal des Krankheitsfalles verschlechtert sich dann allerdings der Zustand des Patienten bezüglich seiner geriatrischen Situation (Mobilitätsstörung, Fallneigung Altersschwindel und Beeinträchtigung der Kognition). Es müsste nun die Abklärung (GO-Nr. 30980) vor der Durchführung eines weiterführenden geriatrischen Assessments nach der GOP 30984 durch einen spezialisierten Kollegen stattfinden.

Hausarzt in der Zwickmühle

Doch jetzt steckt der Hausarzt in der Zwickmühle. Das zuletzt durchgeführte hausärztlich-geriatrische Basisassessment nach der Position 03360 liegt bereits mehr als ein Quartal zurück. Das Problem ist unmittelbar einleuchtend:

- Die Abklärung vor einem weiterführenden geriatrischen Assessment (GOP 30980, 194 Punkte) kann nicht abgerechnet werden, weil das Basisassessment fehlt.

- Das hausärztlich-geriatrische Basisassessment (GOP 03360, 122 Punkte) kann aber auch nicht mehr in dem Quartal gemacht und abgerechnet werden, da dies im betreffenden Krankheitsfall bereits zweimal geschehen ist.

Umgehen lässt sich diese Abrechnungsfalle, indem man geriatrische Patienten grundsätzlich alle halbe Jahr einbestellt, um ihre Entwicklung überprüfen zu können und das geriatrische Basisassessment ein über das andere Quartal zu erbringen und abzurechnen. Man mag einwenden, dass ein solches Vorgehen gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot verstoßen könnte. Doch andererseits kann eine regelmäßige Kontrolle bei geriatrischen Patienten im Sinne einer strukturierten Betreuung durchaus sinnvoll sein und ist vielleicht sogar gewollt. Abrechnungstechnisch ist man dann jedenfalls bei akuten Verschlechterungen auf der sicheren Seite.

Dr. Dr. Peter Schlüter ist niedergelassener Allgemeinarzt in Hemsbach an der Bergstraße. Seit mehr als 20 Jahren hält er Abrechnungsseminare für niedergelassene Ärzte.

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