Ärzte Zeitung online, 19.05.2017
 

Hausarzt-Spektrum

Spezialisierte Geriatrie wird langsam breiter

KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister steckt erste Claims der nächsten Honorarverhandlungen ab: Hausärzte sollen neue geriatrische Aufgaben erhalten.

BERLIN. Knapp ein Jahr nach Einführung der spezialisierten geriatrischen Diagnostik und Versorgung (EBM-Abschnitt 30.13) gibt es bundesweit 254 Vertragsärzte, die eine Abrechnungsgenehmigung der KV für die eigentlichen Diagnose-Ziffern dieses Kapitels besitzen. Hinzu kommen 21 Institutsambulanzen an geriatrischen Kliniken. Das berichtet aktuell KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister. Hausärzte sind als vorab diagnostizierende Überweiser (GOP 30980) sowie als Therapie-Koordinatoren (GOP 30988) in die spezialisierte Geriatrie eingebunden. Zum Start dieses neuen Versorgungszweigs war von Hausärzten vielfach bemängelt worden, dass es zu wenige, in manchen Regionen gar keine fachärztlichen Adressaten für eine Überweisung gebe.

Hofmeister bekräftigte jetzt die Absicht der KBV, die geriatrische Versorgung im hausärztlichen Leistungsspektrum erweitern zu wollen. "Wir werden darüber mit den Krankenkassen sprechen, ebenso über eine adäquate Vergütung", kündigte der KBV-Vize am Donnerstag an. Geriatrische Diagnostik und Therapie werde im EBM derzeit "nur unzureichend abgebildet". Neue Leistungen müssten "extrabudgetär honoriert werden und dürfen nicht an unerreichbare Zusatzqualifikationen geknüpft werden."

Delegation ausbauen

Nach Hofmeisters Vorstellungen seien ärztliche Koordinierungsleistungen sowie das Medikationsmanagement bei multimorbiden geriatrischen Patienten besser zu vergüten. Die Kooperation mit Pflegekräften und pflegenden Angehörigen müsse aufgewertet werden. Auch Schulungen für Patienten und Angehörige könnten ein neuer EBM-Bestandteil der hausärztlichen Geriatrie werden.

Schließlich spricht sich Hofmeister dafür aus, die Delegation ärztlicher Leistungen an qualifizierte medizinische Fachangestellte auszubauen. Auch davon könnten insbesondere ältere Patienten profitieren, heißt es. Eine Absage erteilte der KBV-Vorstand jedoch der Versorgung durch akademisch ausgebildete Pflegekräfte – Hofmeister: "Ärzte light" – ohne Aufsicht durch den behandelnden Arzt. "Dann haben wir ein neues Schnittstellenproblem". (cw)

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