Ärzte Zeitung online, 14.06.2017
 

iFOBT

Patienten brauchen Aufklärung

Seit 1. April ist der quantitative immunologische Stuhltest auf okkultes Blut im Stuhl Kassenleistung. Anfragen bei medizinischen Laboren und bei Ärzten vermitteln als ersten Eindruck: Die Leistung wird angenommen, vor allem bei den Hausärzten.

Von Hauke Gerlof

 Patienten brauchen Aufklärung

Der immunolgische Stuhltest als Kassenleistung ist gefragt.

© Michaela Illian

NEU-ISENBURG. Besser spät als nie: Nach vielen Jahren Vorlauf ist vor nunmehr zweieinhalb Monaten die quantitative immunologische Testung auf okkultes Blut im Stuhl (iFOBT) Kassenleistung geworden. Seitdem können Ärzte die Leistung, die vorher als IGeL abgerechnet wurde, extrabudgetär über ihre Kassenärztliche Vereinigung abrechnen. Für die Ausgabe und Entgegennahme der Stuhltests sowie die begleitende Beratung vor der Testung und zum Ergebnis rechnen zuweisende Ärzte seit 1. April die EBM-Nummer 01737 (57 Punkte, sechs Euro) ab. Labore setzen für das Stuhlprobenentnahmesystem und die Analytik die EBM-Nr. 01738 (75 Punkte, 7,90 Euro) an.

Noch ist es zu früh, eine endgültige Bewertung der Leistung vorzunehmen. Eine Nachfrage der "Ärzte Zeitung" bei Ärzten, Laboratorien und bei Herstellern hat aber immerhin erste Wasserstandsmeldungen gebracht: Demnach wird die Leistung von Ärzten angenommen, allerdings "besteht noch genügend Unsicherheit", so Professor Jürgen F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke, die sich intensiv für die Vorsorge und Prävention von Darmkrebs einsetzt. Viele Ärzte fühlten sich nicht ausreichend informiert, aber insgesamt sei "der Übergang eher ruhig abgelaufen".

Keine Studiendaten zu ELISA

Alle Tests, so Riemann weiter, liefen inzwischen über das Labor, teilweise sei wohl auch das System ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) genutzt worden, für das es allerdings keine Studiendaten gebe. Inwieweit fachärztliche Gruppen wie "die Gynäkologen und Urologen eigene Wege gehen werden, wird die Zukunft zeigen", spekuliert Riemann. Hintergrund ist, dass gerade diese beiden Fachgruppen kritisiert hatten, dass der GBA nur quantitative immunologische Stuhltests zugelassen hat und nicht auch qualitative, die auch vor Ort in den Praxen vorgenommen werden könnten (wie berichtet).

Positiv bewertet Riemann, dass die Labore inzwischen "auch Stuhlfänger ausgeben und nicht mehr auf Toilettenpapier setzen". Eine echte erste Analyse der Wirkung der neuen Tests auf die Darmkrebsvorsorge werde man aber voraussichtlich erst Anfang nächsten Jahres machen können.

Auch der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) zieht vorläufig ein positives Fazit. "Mit Ausnahme der deutlich zu niedrig angesetzten Vergütung konnte die Einführung der neuen Testmethode als Kassenleistung problemlos von den Laboratorien umgesetzt werden", so BDL-Vorsitzender Dr. Andreas Bobrowski auf Anfrage.

Vor allem "hausärztlich tätige Kolleginnen und Kollegen" forderten die Teste bei Laboratorien an, gefolgt von Gynäkologen, Urologen und Gastroenterologen. "Das Probenaufkommen ist stetig steigend. Die Anforderungsquote liegt nur geringgradig unter dem der Haemoccult-Teste", so die Einschätzung des Laborarztes.

Eine Vorkasse für die Bestellung der Teste gebe es nicht. Der Rücklauf sei in den Praxen, die viele Teste bestellen, auch "entsprechend hoch". Das liege vor allem daran, dass die Beratungsziffer nur dann angesetzt werden kann, "wenn nach durchgeführter Analytik die abschließende Beratung des Patienten stattgefunden hat". Daher würden die Patienten angehalten, den Stuhltest auch unbedingt abzugeben, so dass "die Verlustrate bei den relativ teuren Abnahmeröhrchen gering sein dürfte".

Anfänglich habe es Probleme mit zu niedrigen Normbereichen bei einigen Testbestecken gegeben. Nach einer Korrektur durch die Diagnostika-Hersteller könnten die Qualitätsvorgaben aber gehalten werden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen erarbeiteten gerade Abfragekriterien zur Qualität.

Hohes Informationsbedürfnis

Von einer hohen Nachfrage nach dem neuen Test spricht auch Labordienstleister Bioscientia auf Anfrage. Allerdings habe das Informationsbedürfnis der Patienten zur Handhabung des Probenentnahme-Sets zugenommen. In den ersten April-Wochen sei etwa jede zehnte Probe nicht auswertbar gewesen. "Die Probenröhrchen, die im Labor ankamen, waren zum Teil komplett mit Stuhl gefüllt, die Puffer-Flüssigkeit darin wurde ausgeschüttet oder aufgefüllt", berichtet Bioscientia-Kommunikationsleiter Dr. Hendrick Borucki. Bioscientia habe daraufhin die Anleitung komplett überarbeitet und patientenfreundlicher gestaltet", erläutert er. Für Praxisteams sei es zudem wichtig, ihre Patienten besonders auf die korrekte Probengewinnung hinzuweisen.

"Versorgungslücke bleibt bestehen"

Die Diagnostika-Hersteller selbst halten sich bislang überwiegend zurück mit Kommentaren zu den ersten Erfahrungen mit dem iFOBT. In einer Anfang Juni herausgegebenen Pressemitteilung weist der Hersteller Schebo Biotech allerdings darauf hin, dass auch mit dem iFOBT "eine Versorgungslücke bestehen" bleibe. Nicht blutende Polypen und Darmtumoren würden auch weiterhin nicht erkannt. Daher könnten Ärzte ihren Patienten mit Anspruch auf das gesetzliche Früherkennungsprogramm zusätzlich die Bestimmung eines modernen Enzym-Biomarkers wie der M2-PK-Bestimmung als Selbstzahlerleistung anbieten, heißt es weiter.

In einer Studie aus Korea mit insgesamt 323 Personen habe die Erkennungsrate des M2-PK-Tests für Darmkrebs bei 92,8 Prozent und für Polypen bei 69,4 Prozent gelegen. Der iFOBT habe dagegen lediglich 47,5 Prozent der Darmkrebsfälle und nur 12,1 Prozent der Polypen identifiziert (Kim YC et al., The Usefulness of a Novel Screening Kit for Colorectal cancer, Gut and Liver, Vol. 9, N. 5, September 2015, pp. 641-48). Sinnvoll könne zum Beispiel auch die Kombination beider Testverfahren sein.

Abgerechnet werde der M2-PK-Test über die GOÄ-Nr. 3911.H3 (30,16 Euro bei 1,15-fachem Satz). Dazu könnten die Beratungsleistungen nach GOÄ-Nr. 1 oder 3, je nach Aufwand, angesetzt werden.

Labore, Ärzte und Hersteller hoffen darauf, dass durch die Übernahme der Kosten für den iFOBT bei Versicherten ab 50 Jahren die Akzeptanz der Darmkrebsfrüherkennung insgesamt wachsen könnte. Denn ganz ohne Krankheitsverdacht scheuen viele Patienten davor zurück, sich einer Darmspiegelung zu unterziehen. Dabei ist nach aktuellen Studiendaten durch die Vorsorge-Koloskopie die Anzahl der Todesfälle durch Darmkrebs in drei Jahren um 25.000 gesunken.

EBM-Nr. 01737

» Leistungsinhalt: Ausgabe und Rücknahme des iFOBT, Beratung (auch nach positivem Test)

» Honorar: 57 Punkte (6 Euro)

» Fachgruppen: Hausärzte, Chirurgen, Gynäkologen, Hautärzte, Facharztinternisten und Urologen

» Leistungsanspruch: Kassenpatienten ab 50 Jahren; bis zum Alter von 55 jährlich, danach alle zwei Jahre, falls keine Vorsorgekoloskopie in Anspruch genommen wird.

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