Ärzte Zeitung online, 23.06.2017
 

Psychotherapie

Neue Ziffern aufgewertet

Die Kassen haben nachgegeben, die Klage der KBV gegen die Bewertung der neuen psychotherapeutischen Akutziffern ist vom Tisch. Rundum glücklich sind die Therapeuten dennoch nicht.

Von Christoph Winnat

Neue Ziffern aufgewertet

Seit April gibt es zwei neue Ziffern zur akuten psychotherapeutischen Versorgung. Deren Bewertung wurde jetzt um 3,5 Prozent erhöht.

© Alexander Raths / Fotolia

BERLIN. Die Psychotherapeuten-Verbände begrüßen die jetzt vom Bewertungsausschuss beschlossene Aufwertung der psychotherapeutischen Sprechstunde (EBM-Nr. 35151) sowie der psychotherapeutischen Akutbehandlung (35152).

Die Punktanhebung auf das Niveau der antragspflichtigen Leistungen (wir berichteten) sei ein "Schritt in die richtige Richtung", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) und der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland (VAKJP).

Allerdings habe sich der Bewertungsausschuss nicht dazu durchringen können, "die Vergütung der neuen Leistungen dem tatsächlichen Aufwand entsprechend über das Niveau der genehmigungspflichtigen Leistungen anzuheben", bedauern die Verbände.

Man wolle dieses Anliegen ebenso weiter verfolgen, heißt es, wie die bereits eingeleiteten Gerichtsverfahren gegen andere Elemente der Psychotherapeuten-Vergütung.

Probatorische Sitzungen zu gering vergütet?

So etwa erachte man die Bepreisung der vor einer Behandlung verpflichtenden probatorischen Sitzungen als zu gering, erläutert auf Anfrage Gebhard Hentschel, stellvertretender Bundesvorsitzender der DPtV.

Darüber hinaus seien Klagen anhängig, mit denen eine, so Hentschel "angemessene Vergütung der genehmigungspflichtigen Leistungen" erwirkt werden soll. Dabei gehe es insbesondere um die nach Ansicht der Psychotherapeuten unsachgemäße Kalkulation der Praxiskosten.

Dritte große Honorar-Baustelle der Branche ist der Strukturzuschlag, der es den Therapeuten ermöglichen soll, eine Sprechstundenhilfe halbtags zu beschäftigen. In dieser Sache hatten die Therapeuten erst kürzlich einen Teilerfolg vor dem Sozialgericht Marburg erstritten, das die Mengenvoraussetzungen des Zuschlags als ungerecht bestätigte.

Niederschwelligen Zugang ermöglichen

Die Details der Bewertungsanhebung bei den EBM-Nummern 35151 (Sprechstunde) und 35152 (Akutbehandlung): Beide zum 1. April eingeführten neuen Leistungen sollen dazu dienen, einen schnellen und niederschwelligen Zugang zu einem Therapeuten zu ermöglichen.

Ursprünglich waren beide GOP 3,5 Prozent niedriger bewertet als für die Psychotherapie im Rahmen der genehmigungspflichtigen Leistungen. Dagegen hatte die KBV vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg geklagt. Die Klage werde man "nun zurückziehen", so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

Rückwirkend zum 1. April soll es für beide Leistungen nun jeweils 44,33 Euro (bei einer 25-minütigen Sitzung) geben und 88,66 Euro bei 50 Minuten Dauer. Zuvor waren 25 Minuten mit umgerechnet 42,75 Euro bewertet worden und 50 Minuten mit 85,50 Euro.

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