Ärzte Zeitung, 26.06.2017
 

Infosystem

Geoanalyse stärkt Verhandlungsposition

Mit ihrem neuen geographischen Informationssystem analysiert die KVWL das Versorgungsgeschehen und weist Wanderungen von stationär zu ambulant nach. Dafür soll nun Geld fließen.

Von Ilse Schlingensiepen

Analyse stärkt Verhandlungsposition

Die KVWL wertet in einem innovativen Verfahren in- und externe Daten zum Versorgungsgeschehen in Westfalen-Lippe aus.

© ra2 studio / stock.adobe.com

DORTMUND. Im Juni 2015 hat im westfälischen Emsdetten ein Krankenhaus der Regelversorgung mit 200 Betten dicht gemacht. Für die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) war klar, dass sich ein Teil der bisher von dem Haus erbrachten Leistungen in Praxen der niedergelassenen Ärzte verlagern würde. Die Krankenkassen wollten erst einmal abwarten.

Jetzt kann die KVWL Fakten liefern. "Wir haben die Entwicklung des ambulanten Sektors analysiert", berichtete Vorstand Thomas Müller auf der Vertreterversammlung in Dortmund. Bei den diagnostischen Koloskopien und den endoskopischen Biopsien hat es in der Region eindeutig eine Verlagerung in den ambulanten Bereich gegeben.

Die Schlussfolgerung ist für Müller klar: "Das Geld muss der Leistung folgen." Die KVWL werde deshalb den Dialog mit den Kassen intensivieren, kündigte er an.

Geographisches Informationssystem gibt Aufschluss

Ermöglicht hat den Nachweis das neue geographische Informationssystem (GIS) der KVWL. Im GIS führt die KV Daten aus verschiedenen internen und externen Quellen zusammen und analysiert sie. Dazu gehören Abrechnungs-, Leistungs-, Verordnungs- und Sicherstellungsdaten, Krankenhausdaten und Raumdaten, zum Beispiel zur Verkehrsinfrastruktur.

"Wir werden damit erstmals in die Lage versetzt, Versorgung sichtbar zu machen", sagte Müller. Das GIS sei für die KVWL ein sehr interessantes Werkzeug. Es biete Unterstützung für die Sicherstellung, Vertragsverhandlungen, die Verbesserung der Versorgungsqualität, das Verordnungsmanagement oder die Abrechnung.

Mit Hilfe des Systems kann die KV auch die Entwicklung der Impfquoten in einzelnen Regionen analysieren – etwa die Influenzaimpfung bei über 60-Jährigen – und bei Bedarf Maßnahmen entwickeln.

Unterstützung von Praxen durch das System

Die KVWL will das GIS auch gezielt zur Unterstützung der Praxisnetze einsetzen. In einer Analyse sollen die Netze Informationen über die häufigsten Diagnosen ihrer Patienten erhalten und gleichzeitig den Vergleich zu anderen Netzen.

Auch die Anteile der Versicherten einzelner Kassen in den Netzen werden dort deutlich gemacht. "Die Netzanalyse wird im nächsten Jahr in Serie gehen", kündigte der Vorstand an. Das GIS bietet aus seiner Sicht viele Analysemöglichkeiten. "Die Stärken und Potenziale, die wir in der ambulanten Versorgung haben, können wir über dieses System sichtbar machen", sagte Müller.

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