Ärzte Zeitung online, 05.07.2017
 

Hausarzt-EBM

NäPA-Fortbildung rechnet sich – oder doch nicht?

"Eine Investition, die sich rechnet" schrieb die "Ärzte Zeitung" vor einem Monat zur NäPA-Fortbildung. War das "schön"-gerechnet? Auf jeden Fall hat der Text eine Diskussion ausgelöst.

Von Hauke Gerlof

NäPA-Fortbildung rechnet sich – oder doch nicht?

Der Hausbesuch einer NäPA wird im EBM mit 17,48 Euro inklusive Wegekosten vergütet. Hinzu kommt noch ein Zuschlag.

© Miriam Dörr / Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Auch die Ergebnisse einer betriebswirtschaftlichen Investitionsrechnung sind nicht immer ganz eindeutig. Das zeigt die Diskussion im Anschluss an einen Beitrag der "Ärzte Zeitung" zur Amortisation der Kosten für eine Nichtärztliche Praxisassistentin (NäPA) durch die EBM-Abrechnungsmöglichkeiten.

Zur Erinnerung: Wir hatten mittels einer Software ("Delegationsrechner") errechnet, dass sich in einem fiktiven Beispiel die Investition in eine NäPA-Fortbildung bereits binnen sechs Quartalen lohnen kann und zu einem Mehrgewinn führt, der über fünf Jahre zu einem höheren fünfstelligen Betrag kumuliert.

Der Widerspruch folgte auf dem Fuße: Damit habe die "Ärzte Zeitung" im Sinne der Krankenkassen schön gerechnet, kritisierte der Hausarzt und Abrechnungsexperte Dr. Dr. Peter Schlüter die Redaktion.

Zuschlag fällt häufig weg

In dem Artikel werde der Höchstwert des Zuschlages nach Gebührenordnungsposition (GOP) 03060 für die Kalkulation eingesetzt. Der für das Beispiel beanspruchte Delegationsrechner berücksichtige solche Regelungen nnicht, die die Berechnungsfähigkeit der GOP 03060 bzw. deren Zuschlag durch die KV verhindern.

Hier seien zwei Punkte zu beachten:

» Leistungslegende: Die Leistungslegende der GOP 03060 lautet: "Zuschlag zu der Gebührenordnungsposition 03040". Nun existiere, so Schlüter, zur GOP 03040 jedoch eine umfassende Ausschlussregelung, der so genannte "K.O.-Katalog". Man könne also zur Berechnung der Anzahl der Zuschläge nach GOP 03060 nicht alle kurativ-ambulanten Fälle nehmen. Es sind zuerst einmal all diejenigen Fälle abzuziehen, in denen die betreffende Praxis Leistungen des K.O.-Katalogs erbringt und abrechnet. Das ist natürlich von Quartal zu Quartal unterschiedlich. Insgesamt ist hier aber festzustellen, dass eine breit aufgestellte Praxis für Allgemeinmedizin häufig über ein entsprechendes Leistungsspektrum (Akupunktur, Schmerztherapie, Phlebologie, Allergologie) verfügt, so dass hier schon etliche Fälle unter die K.O.-Regelung fallen, das heißt keinen Zuschlag nach GOP 03040 erhalten. Damit entfällt eben auch der NäPA-Zuschlag.

» Höchstwertregelung: Laut Anmerkung zur GOP 03060 beträgt der Höchstwert für die GOP 03060 und 03061 insgesamt 23.800 Punkte je Praxis und Quartal. Umgerechnet sind das 700 Fälle. Weiter heißt es, sofern Fälle der tatsächlichen Inanspruchnahmen einer Arztpraxis durch Patienten in Selektivverträgen (vor allem Hausarztzentrierte Versorgung) vorliegen, reduziert sich der Höchstwert für die Gebührenordnungspositionen 03060 und 03061 um 34 Punkte je Fall, jedoch auf nicht weniger als 0 Punkte (Präambel 3.1 Nr. 11).

Schlüter beschreibt eine Beispielpraxis, die in den vergangenen vier Quartalen durchschnittlich 900 kurativ-ambulante Fälle vorweisen kann. Von diesen 900 kurative ambulanten Fällen sind 500 in einem Selektivvertrag wie der HzV eingeschrieben. Verbleiben 400 über das KV-System abzurechnende KV-Fälle. Da die maximale Fallzahl für den Zuschlag nach GOP 03060 insgesamt 700 Fälle umfasst, erhält diese Praxis für die 400 KV-Fälle den Zuschlag. (900 KV-Fälle minus 500 HzV-Fälle = 400). Wenn nun noch Akupunktur und phlebologische Leistungen dazu kommen, sind diese von den 400 Fällen ebenfalls abzuziehen.

Und wer hat jetzt recht?

Die Folge: Je nach Konstellation könne es durchaus passieren, dass sich eine NäPA gar nicht rechnet. Und wer hat jetzt recht? Dr. Bernd Rebmann, dessen Unternehmen Rebmann Research zusammen mit Teresa Hermann, Gesundheitsökonomin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung des Universitätsklinikums Tübingen, gerade dabei ist, einen Delegationsrechner für Ärzte aufzubauen, räumt ein, dass in dem Beispiel tatsächlich keine Einschränkungen bei der Pauschale nach GOP 03060 berücksichtigt seien. Die genaue Fallzahl müsse am Ende der Arzt abschätzen, so Rebmann.

Hinzu komme: "Bei der Entwicklung derartiger digitaler Tools müsse man sich immer auch überlegen, wie nah man der Wirklichkeit kommen will. Möglicherweise braucht der Arzt an dieser Stelle kein 100-Prozent-Abbild der – wie immer komplizierten – Abrechnungsrealität", schreibt der Datenanalytiker.

Nicht zuletzt gilt aber auch: Wird die MFA nicht nur zur NäPA, sondern mit wenigen Zusatzstunden auch zur VERAH weitergebildet, die in Hausarztverträgen einsetzbar ist, dann fallen durch Selektivvertragsfälle zwar die NäPA-Zuschläge weg. Dafür gäbe es dann aber – je nach Hausarztvertrag – möglicherweise VERAH-Pauschalen von rund fünf Euro je Fall. Und damit fiele die Rechnung wiederum noch deutlicher zugunsten einer MFA-Fortbildung – zur NäPA/VERA – aus.

NäPA-Leistungen im EBM (Auswahl)

» GOP 03060/61: Zuschlag zur GOP 03040 für die Unterstützung der hausärztlichen Versorgung durch eine NäPA sowie der Zuschlag zum Zuschlag; 22 Punkte/12 Punkte = 3,58 Euro je kurativ ambulantem Fall

» GOP 03062/63/64/65: Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen durch NäPA (Haus- oder Heimbesuch) und Zuschläge zu diesen Leistungen (166 Punkte/122 Punkte/20 Punkte/14 Punkte)

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