Ärzte Zeitung online, 19.07.2017
 

EBM

Etliche Neuerungen zum 1. Juli

Rund um die Abrechnung hat sich zu Monatsbeginn einiges getan. Es gilt, sich mit neuen GOP, Fristen und Formularen vertraut zu machen.

Von Peter Schlüter

Etliche Neuerungen zum 1. Juli

Behandelnde Ärzte müssen die Ausweispapiere ausländischer Kassenpatienten seit neuestem nicht mehr in Kopie zu den Akten legen.

© picture alliance / dpa

Neben den bereits berichteten Änderungen der Diagnoseliste für die Langzeitverordnung physiotherapeutischer Maßnahmen und den Änderungen der Voraussetzung zum MRSA-Screening haben sich zum 1. Juli noch einige weitere Änderungen im EBM ergeben, die im folgenden kurz dargestellt werden.

Zwei neue GOP bei Neugeborenen

So wurden zwei neue Früherkennungsleistungen bei Neugeborenen bis zur U2 eingeführt:

- Die GOP 01702 ist für die Beratung im Rahmen des Pulsoxymetrie-Screenings gedacht und wird mit 2,95 Euro honoriert (28 Punkte)

- Die GOP 01703 für das Pulsoxymetrie-Screening wird mit 16,53 Euro (157 Punkte) vergütet.

Beide Leistungen sind bis zur U2 berechnungsfähig, sofern noch kein Pulsoxymetrie-Screening im Untersuchungsheft für Kinder dokumentiert ist.

Achtung: Beide GOP dürfen nicht bei demselben Neugeborenen nebeneinander berechnet werden. Es kann also entweder nur die Beratung angesetzt werden oder das Screening. Logische Schlussfolgerung: Die Beratungsleistung als solche wird nur dann zur Abrechnung kommen, wenn Eltern das Pulsoxymetrie-Screening ablehnen. Die Beratungsleistung nach GOP 01702 umfasst zwingend auch die Abgabe des Informationsblatts zum Pulsoxymetrie-Screening und die Dokumentation.

Telemetrie: Längere Übergangsfrist

Die telemetrische Funktionsanalyse eines implantierten Kardioverters oder Defibrillators und/oder eines implantierten Systems zur kardialen Resynchronisationstherapie ist nach GOP 13554 (kardiologischer Fachbereich) oder GOP 04417 (kinderkardiologischer Fachbereich) berechnungsfähig. Die Abrechnung der jeweiligen GOP setzt eine Genehmigung der zuständigen KV und zusätzlich den Nachweis der Erfüllung der Vorgaben der Vereinbarung zu technischen und organisatorischen Voraussetzungen für die telemedizinische Funktionsanalyse voraus. Grundlage hierfür ist wiederum die "Vereinbarung zur Herzschrittmacherkontrolle".

In den Anmerkungen zu beiden GOP findet sich jedoch der Hinweis, dass diese Voraussetzungen bis zum 30. Juni 2017 nicht erfüllt sein müssen. Im Wortlaut heißt es: "Bis zum 30. Juni 2017 ist die Gebührenordnungsposition 04417 (13554) auch ohne die Genehmigung gemäß der Vereinbarung zur Funktionsanalyse von Kardiovertern bzw. Defibrillatoren und Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie gemäß § 135 Abs. 2 SGB V berechnungsfähig."

- Der Bewertungsausschusses hat diese Frist jetzt auf den 31. Dezember 2017 verlängert.

Neues Formular zur Prävention

Die nächste Neuerung betrifft das vertragsärztliche Formular-Portfolio:

- Neu eingeführt wird das Formular nach Muster 36: "Empfehlung zur verhaltensbezogenen Primärprävention gem. § 20 Abs. 5 SGB V". Das Formular wird vom behandelnden Arzt ausgefüllt und dem Patienten ausgehändigt. Auf dem Formular können Maßnahmen zu Bewegungsgewohnheiten, Ernährung, Stressmanagement, Suchtmittelkonsum oder sonstigen Bereichen durch Ankreuzen oder Eintragungen in Feld 1 empfohlen werden. Darüber hinaus können ergänzende Informationen eingetragen werden (Feld 2).

Der Patient legt die Präventionsempfehlung seiner Krankenkasse vor. Die Krankenkasse wiederum wählt eine für den Patienten passende Maßnahme aus. Die ärztliche Empfehlung ist wirklich nur eine Empfehlung, die Krankenkasse muss dieser Empfehlung nicht zwingend folgen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die ärztlich empfohlen Präventionsmaßnahme spätere Kosten zu vermeiden oder zu verringern hilft und die Kassen daher ein vitales Interesse an deren Genehmigung haben werden.

Allerdings wird die Präventions-Empfehlung nicht vergütet, denn nach Ansicht des Gesetzgebers entsteht Ärzten durch die Empfehlung kein zusätzlicher Aufwand.

Zwei Formulare haben sich erledigt

Eine kleine Entspannung in Sachen Praxisbürokratie gibt es ebenfalls zu melden:

- Muster 80 und 81 zur Behandlung im Ausland versicherter Patienten, sind zu Monatsbeginn entfallen.

- Seit 1. Juli ist dafür in der Praxis-EDV ein neues Patientenformular hinterlegt, das die beiden Formulare nach Muster 80 und 81 ersetzt.

Für ausländische Touristen, die als Patienten in die Praxis kommen, gilt jetzt das neue Patientenformular mit der Bezeichnung "Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung". Dieses Formblatt wird direkt in der Praxis-EDV aufgerufen, ausgefüllt und ausgedruckt. Zur Dokumentation des Behandlungsanspruches reicht es aus, eine Kopie der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) oder der sogenannten provisorischen Ersatzbescheinigung (PEB) in den Praxisunterlagen zu hinterlegen. Die Aufbewahrungsfrist für dieses Formular beträgt zwei Jahre. Zur Identitätsprüfung müssen Ärzte jetzt nur noch einen Blick in den Personalausweis oder den Reisepass des Versicherten werfen. Eine Kopie des entsprechenden Identitätsnachweises anzulegen, ist nun nicht mehr erforderlich.

Dr. Dr. Peter Schlüter ist niedergelassener Allgemeinarzt in Hemsbach an der Bergstraße. Seit mehr als 20 Jahren hält er Abrechnungsseminare für niedergelassene Ärzte.

[19.07.2017, 12:05:35]
Jörg Dähn 
In einer normalen Wirtschaft . . .
wären die beiden GOPs 01701 und 01702 mit dem zehnfachen, unbudgetierten Wert hinterlegt. "Wer nur Peanuts zahlt, muss mit (irgendwann) Affen arbeiten"  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Fettsäurehypothese bei MS erhält neue Nahrung

Ist eine ungesunde Ernährung einer der Gründe, weshalb manche Menschen an MS erkranken? Es mehren sich jedenfalls Hinweise für einen entscheidenden Einfluss auf die Darmflora. mehr »

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »