Ärzte Zeitung online, 30.08.2017
 

Abrechnungstipp GOÄ

Arteriendruck messen ohne Ärger mit der PKV

Auch in der GOÄ wimmelt es von Spitzfindigkeiten. Beispielhaft zeigt sich das an den Gebühren-Alternativen zur Untersuchung der Beinvenen und Beinarterien. Einmal mehr kommt es darauf an, die Leistungslegende genau zu lesen.

Von Peter Schlüter

Arteriendruck messen ohne Ärger mit der PKV

Bei der Messung des peripheren Arterien- oder Venendrucks gibt es einige Stolperfallen für die Abrechnung.

© Ocskay Bence / stock.adobe.com

HEMSBACH. Es kommt immer wieder vor, dass die privaten Krankenversicherungen (PKV) Kürzungen bei Honorarrechnungen vornehmen. Das bringt einerseits Ärger mit den Patienten mit sich und bereitet andererseits zusätzlichen Aufwand im ärztlichen Arbeitsalltag. Denn: Der Patient möchte die konkreten Gründe wissen, warum er den Rechnungsbetrag nicht oder zumindest nicht im vollen Maße erstattet bekommt. Hinzu kommt außerdem, dass dem Patienten natürlich eine entsprechende Begründung an die Hand gegeben werden muss, damit dieser den Rechnungsbetrag hoffentlich doch noch erstattet bekommt.

Dieses Problem gestrichener Leistungspositionen auf Arztrechnungen durch die unterschiedlichen Versicherer tritt besonders häufig bei Leistungen auf, die mehrfach berechnungsfähig sind. Wer das in Zukunft vermeiden möchte, muss die verschiedenen Bestimmungen in der Gebührenordnung zur Mehrfachberechnung genau studieren. Worauf es dabei ankommt, lässt sich sehr anschaulich an den zwei GOÄ-Ziffern 643 und 644 verdeutlichen. Diese beiden Positionen stehen Medizinern für die Abrechnung der Untersuchung von Beinvenen und Beinarterien zur Verfügung.

Rechts und links zählt nicht

Die Leistungslegende der GOÄ-Nr. 643 lautet: "Periphere Arterien- bzw. Venendruck- und/oder Strömungsmessung", die der GOÄ-Nr. 644: "Untersuchung der Strömungsverhältnisse in den Extremitätenarterien bzw. -venen mit direktionaler Ultraschall-Doppler-Technik – einschließlich grafischer Registrierung". Bedingt durch die Formulierung "…arterien bzw. venen…" können die Leistungen jeweils einmal für die Untersuchung der Extremitätenarterien und einmal für die Untersuchung der Extremitätenvenen berechnet werden. Insgesamt wären diese Gebühren dann maximal zweimal berechnungsfähig. Aber Vorsicht: Bei der zweimaligen Abrechnung ist zu beachten, dass dies jeweils für die Arterien beziehungsweise Venen anzugeben ist – allerdings nicht für die rechte beziehungsweise linke Extremität. Wird als Begründung die Seite der untersuchten Extremität mit rechts/links angegeben, so wird dies nicht erstattet. Die Untersuchung der Strömungsverhältnisse der Arterien je Bein ist aufgrund der Leistungslegende eben nur einmal mit der GOÄ-Nr. 644 zu berechnen.

Im EBM lautet die Leistungslegende der entsprechenden Gebührenordnungsposition (GOP) 33061 anders: Die Häufigkeit der Berechnung ist mit "je Extremität, je Sitzung" beschrieben. Die Untersuchung der Extremitätenarterien und der Extremitätenvenen ist durch die Konjunktion "und/oder" verknüpft. Daraus folgt, dass diese GOP jeweils für die Untersuchung der rechten beziehungsweise linken Seite abgerechnet werden kann, nicht aber für die jeweilige Untersuchung der Venen und Arterien. Im Endeffekt ist aber auch im EBM die Untersuchung maximal zweimal je Sitzung berechnungsfähig.

An Untersuchungsgebühr denken

Denken Sie daran, dass Sie zur GOÄ-Nr. 644 (Untersuchung der Strömungsverhältnisse in den Extremitätenarterien bzw. -venen mit direktionaler Ultraschall-Doppler-Technik) noch den Ultraschall der einzelnen Gefäße nach GOÄ-Nr. 410 (für das erste Gefäß) und die GO-Nr. 420 (je weiteres untersuchtes Gefäß) berechnen können. Außerdem sollten Sie bei der Untersuchung beider Beine den Gebührenrahmen der GOÄ-Nrn. 643 und 644 nach Paragraf 5 GOÄ ausnutzen. Bei der Abrechnung darf natürlich auch nicht die Untersuchungsgebühr nach GOÄ-Nr. 6 für die Untersuchung der Gefäße fehlen.

Dr. Dr. Peter Schlüter ist niedergelassener Allgemeinarzt in Hemsbach an der Bergstraße. Seit mehr als 20 Jahren hält er Abrechnungsseminare für niedergelassene Ärzte.

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