Ärzte Zeitung online, 21.08.2017
 

Palliativmedizin

Hofmeister betont die Rolle der Hausärzte

Die neuen palliativmedizinischen Leistungen sind bei Hausärzten umstritten. Nun wirft sich der Hausarztvorstand der KBV für die neuen Leistungen in die Bresche.

BERLIN. KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister hat die Kritik des Hausärzteverbands an den neuen palliativmedizinischen Leistungen zurückgewiesen. Die ambulante Palliativversorgung sei ein Schwerpunkt der hausärztlichen Versorgung, und daran werde sich ab Oktober nichts ändern, so Hofmeister, der Hausarztvorstand in der KBV-Spitze ist, Ende der vergangenen Woche.

Mit der Aufnahme neuer palliativmedizinischer Leistungen in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) würden die Behandlungsmöglichkeiten erweitert und Leistungen, die Hausärzte oftmals bereits schon jetzt für ihre Patienten erbringen, endlich bezahlt, sagte Hofmeister laut einer KBV-Mitteilung weiter. Zu diesen Leistungen zählten zum Beispiel die Koordinierung der Versorgung und die telefonische Erreichbarkeit außerhalb der Sprechzeiten.

Zur Erinnerung: Im Oktober sollen die neuen palliativmedizinischen Leistungen im Kapitel 37.3 in Kraft treten.Zu den Leistungen gehören unter anderem eine palliativmedizinische Ersterhebung, ein Zuschlag zur Besuchsleistung, ein Zuschlag für den koordinierenden Arzt sowie ein Zuschlag für die Erreichbarkeit und Besuchsbereitschaft. Für einige der neuen Leistungen müssen Hausärzte besondere Qualifikationen erfüllen. Daraus leitete der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverband Ulrich Weigeldt ab, Hausärzte sollten "systematisch und intendiert" aus der palliativmedizinischen Versorgung ausgegrenzt werden.

Hofmeister argumentiert dagegen damit, dass alle regionalen Regelungen zur Palliativversorgung bestehen bleiben. Zudem könnten Hausärzte auch weiterhin die palliativmedizinischen Leistungen in den haus- und kinderärztlichen EBM-Kapiteln abrechnen, wenn sie die neuen Leistungen, die teilweise an zusätzliche Qualitätsanforderungen geknüpft sind, nicht anbieten wollen. "Das Versorgungsangebot wird also nicht eingeschränkt, sondern ausgebaut", unterstrich Hofmeister.

Nicht zuletzt werde für die neuen Leistungen zusätzliches Geld bereitgestellt, da die Vergütung extrabudgetär erfolge. Den Hausärzten werde also, anders als behauptet, kein Geld entzogen.

Das neue Unterkapitel soll die allgemeine Palliativversorgung, die vorrangig durch Hausärzte erfolgt, weiter ausbauen und so die Lücke zur spezialisierten Palliativversorgung (SAPV) schließen. Dadurch solle es Patienten ermöglicht werden, in ihrem selbst gewählten Umfeld zu sterben, heißt es in der Mitteilung der KBV. (ger)

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Keine Ausgrenzung

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