Ärzte Zeitung online, 22.08.2017
 

Arzteinkommen

Urologen auf der Überholspur, Neurologen verlieren an Boden

Die aktuelle Kostenstrukturanalyse des Statistischen Bundesamtes zeigt auch die Unterschiede in der Entwicklung der Reinerträge zwischen den Fachgruppen. Den stärksten Zuwachs verzeichnen die Urologen, Neurologen haben dagegen sogar Rückgänge zu verzeichnen.

Von Hauke Gerlof

NEU-ISENBURG. Radiologe oder Neurologe? Allgemeinmediziner oder Internist? Die Einkommenschancen je Praxisinhaber sind nach wie vor sehr unterschiedlich. Das bestätig auch die aktuelle Kostenstrukturanalyse des Statistischen Bundesamtes (Destatis) für das Jahr 2015, die auch die Reinerträge je Praxisinhaber ermittelt hat.

Im Durchschnitt über alle Fachgruppen sind diese von 2011 bis 2015 laut Destatis um 14,4 Prozent auf 190.000 Euro gestiegen, immerhin fast zehn Prozentpunkte oberhalb der Inflationsrate. Der Reinertrag ist allerdings nicht mit dem Einkommen der Ärzte gleichzusetzen. Nicht berücksichtigt werden beispielsweise Aufwendungen für die Altersvorsorge und für private Versicherungen.

Spreizung nimmt zu

Die Spreizung bei den Reinerträgen zwischen den Fachgebieten hat von 2011 bis 2015 noch leicht zugenommen. Nach wie vor liegen die Radiologen, Nuklearmediziner und Strahlentherapeuten an der Spitze. Ihr Reinertrag je Praxisinhaber hat sich im Durchschnitt um gut 23 Prozent auf 373.000 Euro erhöht. Ganz am Ende der Skala liegen jetzt die Neurologen und Psychiater – mit eingeschlossen sind auch Praxen für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: Ihre Reinerträge sind sogar um sieben Prozent auf 161.000 Euro gesunken.

Vor allem die psychotherapeutisch arbeitenden Ärzte dürften den Schnitt deutlich nach unten gezogen haben, denn die psychologischen Psychotherapeuten, die vom Destatis eigens erhoben werden, liegen bei den Erträgen sogar noch unter 70.000 Euro.

Die höchste Steigerung von allen Fachgruppen verzeichneten in den vier Jahren die Urologen. Sie legten bei den Reinerträgen um ein Viertel zu und erzielten 2015 damit im Durchschnitt 210.000 Euro je Praxisinhaber.

Auch die Allgemeinmediziner holten im Vergleich zu 2011 auf. Sie liegen nach einer Steigerung um 21 Prozent (167.000 Euro je Praxisinhaber) in der Rangliste der Fachgruppen nicht mehr auf dem letzten Platz, sondern haben neben den Neurologen auch die Pädiater (166.000 Euro, plus 18,6 Prozent) knapp überholt.

Internisten wachsen langsamer

Stark zugelegt haben neben Hausärzten, Radiologen und Urologen auch einige der grundversorgenden Fachärzte: Dermatologen verzeichneten im Durchschnitt ein Plus von 21,6 Prozent auf durchschnittlich 225.000 Euro je Praxisinhaber, HNO-Ärzte legten gar um 23,6 Prozent auf 183.000 Euro zu, Gynäkologen um 20,1 Prozent auf 173.000 Euro.

Unterdurchschnittlich entwickelten sich Internisten (plus 12 Prozent auf 206.000 Euro), Augenärzte (plus 11,8 Prozent auf 256.000 Euro), Orthopäden (plus 10,9 Prozent auf 214.000 Euro) sowie Chirurgen (plus 5,6 Prozent auf 209.000 Euro).

Auffällig sind auch die Unterschiede zwischen der Kostenstrukturanalyse des Destatis und dem Zi Praxis-Panel (ZiPP) des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, das für 2015 nur auf einen durchschnittlichen Jahresüberschuss je Praxisinhaber von 161.000 Euro gekommen ist. In einer Stellungnahme erklärt das Zi den Unterschied vor allem damit, dass die Statistiker aus Wiesbaden die psychologischen Psychotherapeuten als eigene Gruppe erfasst haben (66.000 Euro Reinertrag je Praxis), während sie beim ZiPP den Durchschnitt ganz erheblich drückten.

Außerdem habe das Destatis eine andere Stichprobe, zum Beispiel auch mit reinen Privatpraxen, dafür keine Praxen ohne Angestellte) genommen, was ebenfalls zu den Unterschieden beigetragen habe. Die (niedrigeren) Zahlen des Zi seien daher relevant für die Honorarverhandlungen, nicht die mehr aufs Unternehmen Arztpraxis bezogenen Daten des Destatis.

Der Nettostundensatz aus Leistungen für GKV-Patienten liege lediglich bei 35 Euro. Bei Umrechnung auf eine 40-Stunden-Woche eines Arbeitnehmers läge der Jahresnettolohn bei 72.000 Euro. In dieser rein numerischen Betrachtung sei jedoch noch nicht berücksichtigt, dass der Arzt als Unternehmer tätig ist und Verantwortung für Praxis und Praxismitarbeiter mit den damit verbundenen Risiken trägt.

35 Euro Nettostundensatz

für vertragsärztliche Tätigkeiten hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung ermittelt.

Bei einer 40-Stunden-Woche kämen Ärzte demnach nur auf 72.000 Euro netto, so die alternative Rechnung der Datenanalysten der KBV.

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