Ärzte Zeitung online, 25.08.2017
 

Beratung in der GOÄ

Ein Brief wirkt manchmal Wunder

Beratungsleistungen gehören zu den wichtigsten Umsatzträgern in der Privatabrechnung. Mit guter Dokumentation können sich Ärzte viel Ärger ersparen. Und manchmal auch ihren Patienten.

Ein Brief wirkt manchmal Wunder

© PBV

FRANKFURT/MAIN. Die sprechende Medizin ist in der Privatmedizin bekanntlich nicht gerade überbewertet. Das liegt daran, dass es seit vielen Jahren keine Erhöhung der Punktwerte gegeben hat. Um so wichtiger ist es, sich bei einer Beratung für die richtige GOÄ-Nummer zu entscheiden, alle Ausschlüsse zu beachten und gegebenenfalls ein wenig mit Steigerungsfaktoren zu jonglieren. Denn rund 25 Prozent des Privatumsatzes machten die Ärzte mit Beratungsleistungen, erläuterte Peter Gabriel, Geschäftsführer der PVS Südwest, bei einer Veranstaltung des Privatärztlichen Bundesverbandes in Frankfurt am Main. Gabriel gab einen Überblick, wann welche Leistungen abrechenbar sind, und er gab Tipps und Hinweise, wie Ärzte sich und ihren Patienten Ärger ersparen können:

- Kann GOÄ-Nr. 1 neben der GOÄ-Nr. 4 abgerechnet werden? Manchmal schon, ermutigte Gabriel die Ärzte. Das sei dann möglich, wenn zum Beispiel bei einem schweren Infekt eines Kleinkindes sowohl mit dem Kind selbst als auch mit der Mutter als Bezugsperson gesprochen werde. Das, empfahl Gabriel, sollte in der Rechnung aber klar dokumentiert werden.

- Wie lässt sich mit den Einschränkungen bei den GOÄ-Nrn. 1 und 3 umgehen? Die eingehende Beratung ist nur in Kombination mit wenigen Leistungen möglich, und auch bei der geringer bewerteten Nr. 1 ist die Nebeneinanderberechnung mit Leistungen der Kapitel C bis O nur einmal im Behandlungsfall möglich. Der Ausweg beim Ausschluss mit der Nr. 3 ist es, die GOÄ-Nr. 1 mit einem erhöhten Faktor zu nehmen. "Ab acht Minuten ist der 3,5-fache Satz möglich", empfahl Gabriel. Auch hier müsse dann natürlich genau dokumentiert werden. "Am besten machen Sie das sofort", so Gabriel, sonst werde das später schnell vergessen. Bei den Einschränkungen der Kombination mit der Nr. 1 sei darauf zu achten, dass nach einem Monat ein neuer Behandlungsfall beginnt – aber auch mit einer weiteren Diagnose des Patienten.

- Kann ich die GOÄ-Nr. 34 bei einer Op-Aufklärung ansetzen? Das werde häufig von den Versicherungen beanstandet, aber wenn die Erkrankung, deretwegen operiert werden muss, einen lebensverändernden Charakter habe, sei das durchaus möglich, betonte Gabriel. Manche Kostenträger wie Post B strichen die Nr. 34 fast generell, selbst bei Krebs. Empfehlung des Abrechnungsexperten der PVS: "Da sollten Sie im Sinne des Patienten einen Brief an die Versicherung schreiben, mit der Bitte um manuelle Prüfung. Dann geht das fast immer durch." (ger)

Praktische Hinweise zur Honorarsteigerung in der GOÄ gibt es am 14. Oktober beim Tag der Privatmedizin in Frankfurt, Campus Westend in einem GOÄ-Workshop. Weitere Informationen zur Veranstaltung unter www.tag-der-privatmedizin.de

Tag der Privatmedizin

- Termin: Der eigentliche Kongress findet t am 14. Oktober 2017 in Frankfurt, Campus Westend statt. Am Vorabend gibt es eine Fortbildung zum Tätigkeitsschwerpunkt "Tabakentwöhnung – Arzt als Kursleiter"

- Kosten: Regulär: 165 Euro (Kongress), Begleitperson 85 Euro

- Veranstalter: Privatärztlicher Bundesverband

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