Ärzte Zeitung online, 30.08.2017
 

Bilanz

HzV-Verträge sorgen besonders im Südwesten für Honorarplus

Mehr Teilnehmer und wachsende Umsätze: Der Geschäftsbericht der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft für 2016 fällt positiv aus — in erster Line.

Von Ilse Schlingensiepen

HzV-Verträge sorgen besonders im Südwesten für Honorarplus

Beim Honorarvolumen in der HzV wurde 2016 die Milliarden-Marke geknackt.

© Jürgen Fälchle / Fotolia

KÖLN. Die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) bleibt auf Wachstumskurs. Im laufenden Jahr ist die Zahl der Verbundverträge mit Krankenkassen zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) von 75 Ende 2016 auf 79 im dritten Quartal gestiegen. Die Zahl der Einzelverträge nahm von 580 auf 630 zu. Zurzeit nehmen fast 17.000 Ärzte und 4,5 Millionen Versicherte an den Hausarztverträgen des Deutschen Hausärzteverbands teil.

"Wir verzeichnen inzwischen in vielen Bundesländern einen stetigen Zuwachs", berichtet Verbandssprecher Vincent Jörres. Gerade in Nordrhein-Westfalen legten die Teilnehmerzahlen kontinuierlich zu. In dem bevölkerungsreichsten Bundesland sieht der Verband noch großes Potenzial.

Es sind nur noch wenige Regionen, in denen es keine Vollversorgungs-Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung gibt, und zwar in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Zum Teil gibt es dort aber Add-on-Verträge mit den Kassenärztlichen Vereinigungen. Über die HzV-Verträge wurde im Jahr 2016 erstmals ein Honorarvolumen von einer Milliarde Euro generiert. Ein Jahr zuvor waren es 970 Millionen Euro.

Wie der Vorstandsbericht der HÄVG zeigt, stammt davon fast die Hälfte aus Baden-Württemberg. Hier brachte die HzV 495 Millionen Euro an Honorar, 5,0 Prozent mehr als 2015. "Die sehr gute Vertragspartnerschaft mit der AOK Baden-Württemberg wird auch in diesem Jahr genutzt um, rechtzeitig zum Jubiläum des bald zehnjährigen Vertrages, Verhandlungen zur Tarifanpassung und Modernisierung des Vertrages zu führen", schreiben die Vorstände Stephanie Becker-Berke und Eberhard Mehl in dem Bericht. Der Vertrag zwischen Hausärzteverband, AOK und Medi-Verbund ist seit dem 8. Mai 2008 in Kraft.

In Bayern sank das HzV-Honorarvolumen 2016 um 2,6 Prozent auf 358 Millionen Euro, in Nordrhein-Westfalen gab es ein Plus von 25,3 Prozent auf 119 Millionen Euro. Nennenswertes Honorarvolumen verzeichnete die HÄVG auch in Hessen (28 Millionen Euro) und in Hamburg (10 Millionen Euro). Das gestiegene Honorar für die Hausärzte bescherte auch der HÄVG über die Verwaltungspauschalen mehr Umsatz. Er legte um 11,7 Prozent auf 25,3 Millionen Euro zu. Das Plus bei den Verträgen sorgte für einen höheren Personalbedarf. Der Personalaufwand der HÄVG nahm um 18,9 Prozent auf 7,9 Millionen Euro zu.

Die HÄVG beendete das Jahr 2016 mit einem Überschuss von 155.113 Euro, das waren deutlich weniger als die 2,7 Millionen Euro des Vorjahres. "Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung konnten auch im Jahr 2016 noch nicht erreicht werden", schreiben Becker-Berke und Mehl. Der Vorstand rechnet aber für das laufende Jahr mit "einer deutlichen Steigerung".

Als einen Grund für den Optimismus nennen sie den Wegfall von Hindernissen wie der Weigerung der Hersteller von Arztinformations-Systemen, die HzV-Module umzusetzen. Hinzu kommt der Zuwachs an Vertragsregionen und HzV-Verträgen. Die HÄVG hofft, künftig auch in der privaten Krankenversicherung noch besser mit Hausarztverträgen Fuß zu fassen. Bislang kooperiert sie mit den Unternehmen Axa und Gothaer.

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