Ärzte Zeitung online, 13.09.2017

Palliativmedizin

Was Hausärzte abrechnen dürfen

Der Ärger bei Hausärzten über die neuen palliativmedizinischen Leistungen schlägt teils hohe Wellen. Doch was dürfen Allgemeinärzte ohne Zusatzqualifikation erbringen – und wo liegen die Grenzen?

Die neuen palliativmedizinschen Leistungen aus dem EBM-Unterkapitel 37.3 sind dazu gedacht, die Lücke zwischen der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) mit spezialisierten Teams und der hausärztlichen Palliativversorgung zu schließen.

Ähnlich wie im analog gestalteten EBM-Unterkapitel 37.2 mit Kooperations- und Koordinationsleistungen in Pflegeheimen geht es bei den neuen Leistungen um die arztübergreifende Koordination der erforderlichen Leistungen (EBM-Position 37302, Zuschlag für den koordinierenden Arzt, 275 Punkte) und auch um Fallkonferenzen (EBM-Nr. 37320, 64 Punkte).

Dabei benötigen Hausärzte nicht für alle neuen Leistungen die Genehmigung der KV, die wiederum an bestimmte Mindestanforderungen geknüpft ist, wie der regelmäßige Besuch von Fortbildungen oder auch der Nachweis einer Zusatzqualifikation sowie umfangreiche Erfahrungen mit der Betreuung von sterbenskranker Patienten.

Zusatzqualifikationen erschweren Angebot der Leistungen

    EBM-Abschnitt 37.3

  • Mit Wirkung zum 1. Oktober dieses Jahres hat der Bewertungsausschuss kürzlich acht neue Gebührenordnungspositionen beschlossen, um die Palliativversorgung zu fördern.
  • Diese GOP werden in einem neuen EBM-Abschnitt 37.3 zusammengefasst.
  • Sämtliche Leistungen dieses EBM-Abschnitts werden – zunächst auf zwei Jahre begrenzt – extrabudgetär vergütet.

Der Hausärzteverband wundert sich bei den neuen Leistungen vor allem über diese erforderlichen Zusatzqualifikationen, die es für viele Hausärzte erschweren, die neuen Leistungen anzubieten: In der Musterweiterbildung für Allgemeinmedizin werde die "Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten" explizit als Weiterbildungsinhalt genannt, heißt es vom Verband.

Der weiterbildende Arzt müsse dabei ausdrücklich bescheinigen, dass der Arzt in Weiterbildung Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in der "Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden" und "der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten" erlangt hat. Selbstverständlich gehöre die Schmerztherapie und Wundversorgung dazu, genauso wie die Behandlung von Patienten in ihrem familiären Umfeld und häuslichen Milieu. Ebenso natürlich auch die Hausbesuchstätigkeit, inkl. der psychosozialen Betreuung der Angehörigen.

Zu den neuen Palliativleistungen gehört zum Beispiel die ab Oktober gültige palliativmedizinische Ersterhebung, bei der der Arzt anhand eines Assessments den individuellen palliativen Bedarf des Patienten ermittelt (EBM-Nr. 37300, 392 Punkte).

Dies sei "natürlich" durch die Weiterbildung abgedeckt, so der Verband. Die Hausärzte dürften ja auch weiterhin (ohne zusätzliche Qualifikationsanforderungen) auf die im Grunde identische "alte", aber leicht niedriger bewertete Leistung "Palliativmedizinische Ersterhebung des Patientenstatus inkl. Behandlungsplan" (EBM-Nr. 03370, 341 Punkte) zugreifen. Immerhin empfiehlt der Bewertungsausschuss auf Länderebene, auch die alten palliativmedizinischen Leistungen auszudeckeln und für mindestens zwei Jahre extrabudgetär zu vergüten.

So ist es auch gedacht für die übrigen palliativmedizinischen Leistungen aus dem EBM-Kapitel 03, dem Zuschlag zur Versichertenpauschale (EBM-Nr. 03371, 159 Punkte), dem Zuschlag zu den Hausbesuchsleistungen (Nr. 03372, 124 Punkte) und dem Zuschlag zu den dringenden Besuchen (Nr. 03373, 124 Punkte). Letztere Zuschläge finden sich auch im neuen EBM-Kapitel 37.3 wieder – abrechenbar ohne KV-Genehmigung und identisch bewertet.

Eine Genehmigung der KV mit allen weiteren erforderlichen Nachweisen ist dagegen für den – für Hausärzte neuen – Zuschlag für die Besuchsbereitschaft und Erreichbarkeit (EBM-Nr. 37317, 1425 Punkte, einmal im Krankheitsfall) und für die telefonische Beratung (Nr. 37318, 213 Punkte) erforderlich. (ger)

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